Belohnungssystem Warum Rauchen süchtig macht…

Der Mensch ist anfällig auf suchterzeugende Stoffe wie sie zum Beispiel in Zigaretten enthalten sind.

Die Abhängigkeit vom Nikotin zu durchbrechen ist alles andere als einfach. Denn Nikotin aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn. Was alles einen Einfluss hat und Tricks, die einem den Ausstieg erleichtern.

Nikotin ist suchterzeugend, weil es den Hirnbotenstoff Dopamin freisetzt (Darstellung weiter unten). Gleichzeitig ist Nikotin auch ein starkes Gift. Beim Nichtraucher wirken bereits 40 bis 60 Milligramm tödlich, es kommt zur Atemlähmung und zum Kreislaufkollaps.

So wirkt Nikotin im Körper

Gehirn: Nikotin gelangt beim ­Rauchen über Schleimhäute und ­Blutgefässe in der Mundhöhle innert ­Sekunden ins Gehirn. Die rasche ­Wirkung verstärkt die Abhängigkeit. Raucher haben eine erhöhte Anzahl von Nikotinrezeptoren im Gehirn, ein Zeichen der suchterzeugenden ­Wirkung. Raucher sind oft gereizt und unkonzentriert, wenn sie kein Nikotin inhalieren können. Angstzustände und Schlaflosigkeit sind bei Rauchern häufiger. Nebst dem stimulierenden Hirnbotenstoff Dopamin wird das Stresshormon Adrenalin freigesetzt.

Herz: Nikotin kann den Herzschlag ­sowohl erhöhen als auch verlang­samen, je nach Dosis. Mässiges ­Rauchen erhöht Herzfrequenz und Blutdruck leicht. 

Lunge: Die freigesetzten Hormone stimulieren die Atmung.

Magen: Raucher haben weniger Hunger und essen weniger. Ursache ist ein erhöhter Stoffwechsel, ­angetrieben durch Hormone aus den Nebennieren (Katecholamine). 

Blutgefässe: Die vom Nikotin ­freigesetzten Hormone verengen die äusseren Blutgefässe und stören die Blutgerinnung. Das Risiko für ­Gerinnsel steigt.  

Die «verlockenden» Seiten des Nikotins

  • Nikotin sorgt via Hirnbotenstoffe für gute Stimmung und Entspannung.

  • Es wirkt anregend, angstlösend und erhöht das Genussempfinden.

  • Nikotin verbessert Aufmerksamkeit und Leistung.

Shopping, Spielen, Sex, Suchtmittel, Sport: Die Sucht hat viele Auslöser

Das menschliche Gehirn ist anfällig für suchterzeugende Stoffe und ausschweifenden Sex und Sport oder übermässiges Shopping und Spielen. Diese mit oft grossem Genuss ausgeübten Tätigkeiten können zu einer vergleichbaren Dopamin-Ausschüttung wie das Rauchen führen und aktivieren ebenfalls das Belohnungssystem – ein wichtiger Schritt in die Abhängigkeit.

Tipps, um vom Rauchen wegzukommen

  1. Definieren Sie Ihren Rauchstopp und halten Sie sich daran.
  2. Rauchen Sie danach keine einzige Zigarette mehr.
  3. Werfen Sie sämtliche Zigaretten, Aschenbecher und Anzünder weg.
  4. Führen Sie eine Liste mit den Nachteilen des Rauchens und den Vorteilen des Stopps.
  5. Verwenden Sie bei Rückfallgefahr Nikotinersatzprodukte. Auf diese Weise können Sie Entzugserscheinungen wie Reizbarkeit, Nervosität, Ängstlichkeit, Schlafstörungen oder stärkeren Appetit vermindern.
  6. Bitten Sie die Leute in Ihrer Nähe, nicht zu rauchen. Meiden Sie in den ersten Wochen Orte, an denen geraucht wird.
  7. Erzählen Sie allen Bekannten, dass Sie nicht mehr rauchen.
  8. Verändern Sie Ihre Gewohnheiten. Meiden Sie Orte, an denen Sie früher geraucht haben. Verlassen Sie beispielsweise nach dem Essen den Tisch.
  9. Lenken Sie sich ab, wenn Sie Lust auf eine Zigarette haben (spazieren gehen, ein Glas Wasser trinken, einen Kaugummi kauen). Das Verlangen nach einer Zigarette dauert meist nur drei bis fünf Minuten.
  10. Akzeptieren Sie, dass es Zeit braucht, sich an ein tabakfreies Leben zu gewöhnen.

Grundsätze, um den Rückfall zu vermeiden

  1. Bleiben Sie motiviert. Erstellen Sie eine Liste mit den positiven ­Auswirkungen, die der ­Rauchstopp für Sie hat.
  2. Vermeiden Sie jeden Zug an einer Zigarette. Es ist einfacher, die erste ­Zigarette abzulehnen als die zweite.
  3. Erstellen Sie einen ­Notfallplan für den Fall, dass Sie wieder einige Zigaretten rauchen.
  4. Fallen Sie nicht in alte Verhaltensmuster zurück (immer eine Zigarette zum Kaffee et cetera).
  5. Analysieren Sie die Gründe des Rückfalls.
  6. Betrachten Sie den Rückfall nicht als Versagen, sondern als normales Ereignis, das für Sie einen Lerneffekt haben kann.
  7. Bitten Sie Ihr Umfeld um Hilfe.
  8. Machen Sie sich keine Vorwürfe.
  9. Halten Sie einen Vorrat an Nikotinersatzprodukten für den Notfall bereit.
  10. Denken Sie über die Umstände Ihrer früheren Rückfälle nach.
Autor:
  • Stefan Stöcklin
  •  und Walter Aeschimann
Bild:
  • Thinkstock Kollektion