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    Koni Rohner
    Redaktion Beobachter
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Koni Rohner zu Partnerschaft

«Muss man sich erst austoben?»

Text:
  • Koni Rohner
Bild:
  • Stock-Kollektion colourbox.com
Ausgabe:
20/09

«Ist es möglich, dass man seinem idealen Partner schon so früh begegnet und mit ihm die ersten sexuellen Erfahrungen macht? Oder muss man sich erst austoben?»

«Muss man sich erst austoben?»

Silvia A.: «Mein Freund, 23, und ich, 24, kennen uns seit acht Jahren. Ist es möglich, dass man seinem idealen Partner schon so früh begegnet und mit ihm die ersten sexuellen Erfahrungen macht? Oder muss man sich erst austoben, weil sonst vor allem der Mann irgendwann aus der Beziehung ausbrechen wird?»

Wieso denn der Mann, wieso nicht die Frau? Die Zeiten der Doppelmoral sind doch wohl vorbei, als die Frau unberührt bleiben und der Mann Erfahrungen machen musste. Grundsätzlich könnten beide irgendwann das Gefühl bekommen, etwas verpasst zu haben. Aber das muss überhaupt nicht sein. Immer noch gelingt der Hälfte aller Ehepaare eine lebenslange Beziehung. Und oft halten die Zweit- oder Drittbeziehungen Geschiedener nicht deshalb, weil der neue Partner oder die neue Partnerin nun besser zu ihnen passt, sondern weil sie realistischer und pragmatischer geworden sind. Ich kenne Paare, die sich in der Schule kennengelernt haben und immer noch zusammen sind. Sie sind durchaus zu beneiden. Es ist schön, ein Leben lang zusammenzuhalten und miteinander zu altern, um wie Philemon und Baukis aus der griechischen Mythologie Hand in Hand auf die gemeinsame Vergangenheit zurückzuschauen.

Es geht um die Qualität

Ob Ihre Beziehung stabil bleibt oder eines Tages in die Brüche geht, kann ich natürlich nicht beantworten. Das wird sich zeigen. Aber einen guten Rat habe ich trotzdem: Lassen Sie sich voll auf die Beziehung ein und geniessen Sie sie. Nehmen Sie die vielen Gelegenheiten wahr, Ihren Freund und sich selber in der Liebe und im Alltag zu erfahren und kennenzulernen. Denken Sie weniger an die Zukunft und daran, was alles geschehen könnte. Leben Sie die Gegenwart. Aber hören Sie auch auf Ihre innere Stimme. Und wenn diese einmal flüstern sollte, dass die Beziehung nicht mehr stimme, dann bringen Sie sie nicht zum Schweigen und versuchen Sie nicht krampfhaft, an irgendeinem Plan oder einer Vorstellung festzuhalten. Bringen Sie die Probleme auf den Tisch und ziehen Sie die Konsequenzen, wenn es sein muss. Vielleicht bleiben Sie Ihr Leben lang mit Ihrem Freund zusammen, aber vielleicht warten auch noch andere Erfahrungen mit anderen Partnern auf Sie. Wenn Sie sich jetzt engagieren, ist keinesfalls etwas verloren, denn Sie reifen daran.

Ich konnte keine Statistik darüber finden, aber es ist heute zweifellos eher selten, dass die erste Jugendliebe ein Leben lang hält. Man sei als Teenager noch zu jung für eine Entscheidung von solcher Tragweite, hört man meist als Argument. Aber es liegt natürlich nicht am Alter. Die Entscheidung für einen Lebenspartner erfordert vielmehr eine gewisse Reife. Und diese wächst mit den Erfahrungen. Ob man diese nun mit mehreren Partnern oder nur mit einem macht, ist weniger wichtig als die Qualität dieser Erfahrungen.

Sich selber näherkommen

Oberflächlicher Partnerwechsel trägt nichts zur Reife bei. Wer sich dagegen in verschiedenen tiefen Beziehungen erlebt, wird viele Schattierungen seiner Liebesfähigkeit kennenlernen: seine Zärtlichkeit, seine Verletzlichkeit, seine Leidenschaft, seine Einfühlung, seine Durchsetzungsfähigkeit, die Facetten seiner Sexualität. Ob man durch vielfältige Begegnungen sich selber immer näher kommt als in der Auseinandersetzung mit lediglich einem Partner, ist allerdings ungewiss und hängt auch stets vom Temperament und vom Charakter ab.

Sicher ist: Je weniger man sich selber kennt, desto grösser ist die Gefahr, unrealistische Erwartungen auf den Partner zu projizieren, die früher oder später zu herben Enttäuschungen führen müssen. Je schlechter man sich kennt, desto unselbständiger ist man auch und desto grösser ist die Gefahr, von einem Partner abhängig zu werden und in der Liebe die Eigenständigkeit zu verlieren.

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© Beobachter Ausgabe 20 vom 30. Sep 2009 - Alle Rechte vorbehalten

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