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    Koni Rohner
    Redaktion Beobachter
    Postfach 105
    8117 Fällanden

Koni Rohner zum Unbewussten

«Wieso verpasse ich Termine?»

Text:
  • Koni Rohner
Bild:
  • Monika Torloxten / pixelio.de
Ausgabe:
14/08

Frage: Ich treffe mich von Zeit zu Zeit mit zwei ehemaligen Schulkolleginnen. Nun habe ich einmal den Wochentag verwechselt und einmal das Treffen vergessen. Jetzt werfen sie mir vor, ich sei an den Begegnungen nicht interessiert. Wie kommen sie denn darauf? Rita G.

(Bild: Monika Torloxten / pixelio.de)

Der Verdacht Ihrer Kolleginnen ist ein Echo, ein Feedback. Versuchen Sie ihn nicht als Vorwurf, Angriff oder gar Beleidigung aufzufassen. Nehmen Sie ihn als Reaktion aus der Umwelt ernst und prüfen Sie in Ruhe, ob er ein Körnchen Wahrheit enthalten könnte.

Denn die Vermutung, dass Ihnen an den Treffen nicht viel liegt, ist nicht völlig aus der Luft gegriffen. Bei Ihrem wiederholten Vergessen der Termine könnte es sich um eine sogenannte freudsche Fehlleistung handeln. Der Psychoanalytiker Sigmund Freud (1856 bis 1939) ging davon aus, dass die Seele nicht aus einem Guss ist, sondern aus zwei Teilen besteht - einem bewussten und einem unbewussten. Die modernen Neurowissenschaften konnten Jahre später belegen, dass Freuds Annahme richtig war: In der Tat können Gehirnaktivitäten nachgewiesen werden, ohne dass sie dem Probanden ins Bewusstsein kommen.

Der kleine Salon im Gehirn

«Die roheste Vorstellung von diesen Systemen ist die räumliche», schrieb Freud 1917: In einem kleinen Salon würde das Bewusstsein verweilen und in einem grossen Vorraum, dem Unbewussten, würden sich die seelischen Regungen wie Einzelwesen tummeln. An der Schwelle walte ein Wächter seines Amtes, mustere die einzelnen Seelenregungen und würde sie bei Missfallen nicht in den Salon einlassen.

Auf Ihre Situation angewendet: Das Bewusstsein im Salon möchte die Kolleginnen treffen, aber im Unbewussten besteht eine Abneigung dagegen. Diese darf nicht über die Schwelle, weil sie im Widerspruch zur bewussten Haltung steht, und bahnt sich durch das Vergessen und Verwechseln schliesslich doch einen Weg. Derselbe Mechanismus kann beim Verlegen oder Verlieren von Gegenständen oder bei Versprechern eine Rolle spielen. Wenn jemand etwa sagt, da seien «diverse Dinge zum Vorschwein, äh Vorschein gekommen», darf vermutet werden, dass er diese Dinge unbewusst für Schweinereien hält.

Die Väter der Tiefenpsychologie massen dem Unbewussten jedoch vor allem beim Träumen eine besondere Bedeutung bei. Für Freud tauchen die im Unbewussten verborgenen Konflikte in den Träumen verhüllt auf. Sein Schüler Carl Gustav Jung schrieb dem Unbewussten sogar eine Führungsfunktion zu. Es gebe Hinweise für eine angemessene Lebensführung und weise auf Ungleichgewichte und Fehlhaltungen hin.

Nicht zuletzt können unbewusste Ursachen auch zu psychosomatischen Erkrankungen führen. Wenn etwa Wut unterdrückt und ins Unbewusste verdrängt wird, kann das Bluthochdruck oder Migräneanfälligkeit zur Folge haben. Mangel an Geborgenheit soll sich dagegen eher in Magen-Darm-Störungen manifestieren. In Rüdiger Dahlkes Nachschlagewerk «Krankheit als Symbol» findet man denn auch zu allen körperlichen Störungen und Erkrankungen entsprechende seelische Haltungen, die im Unbewussten mitwirken.

Buchtipps
  • Rüdiger Dahlke: «Krankheit als Symbol. Handbuch der Psychosomatik»; Bertelsmann, 2002, 570 Seiten, Fr. 43.90
  • Gerhard Roth: «Fühlen, Denken, Handeln»; Suhrkamp, 2003, 500 Seiten, Fr. 30.90

 

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© Beobachter Ausgabe 14 vom 09. Jul 2008 - Alle Rechte vorbehalten

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