• Psychologieberatung

    Haben Sie psychische oder soziale Probleme?


    Koni Rohner
    Redaktion Beobachter
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    8117 Fällanden

Psychotherapie

Des einen Freud...

Text:
  • Katja Rauch
Ausgabe:
25/04

Eine Psychotherapie muss perfekt auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt sein. Sonst kann sie ungesunde Nebenwirkungen haben.

Der Psychotherapeut ist die ganze Sitzung über nur mit einem Gedanken beschäftigt: «Dieser Mann gehört nicht mehr hierher. Ich muss es ihm sagen. Jetzt gleich.» Dann ist die Stunde um. Der Patient steht auf und reicht dem Therapeuten die Hand: «Also bis nächste Woche.» Und der Therapeut: «Dann bis nächste Woche also.»

Die Szene stammt aus einem Film des italienischen Schauspielers und Regisseurs Nanni Moretti. Doch «Therapieopfer» wie diesen Filmpatienten gibt es auch in realen Praxen. Die schleichende Abhängigkeit in Langzeittherapien, das so genannte Woody-Allen-Syndrom, ist nur eine Spielart davon: Dabei vermag der Patient keine Entscheidung mehr zu treffen, ohne die Therapeutin zu fragen.

Fünf von hundert Personen in der Schweiz sind nach Angaben des nationalen Gesundheitsobservatoriums wegen psychischer Beschwerden in Behandlung. Insgesamt lindern Psychotherapien viel Leid - aber sie ziehen sich oft zu lang hin.

«Die meisten erfolgreichen Therapien dauern weniger als 50 Stunden», sagt Jürgen Margraf, Professor für klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Basel. Die grössten Effekte würden sich sogar schon in den ersten 20 Stunden einstellen. «Was Hunderte von Stunden in Anspruch nimmt, dient nicht mehr der Heilbehandlung», betont Margraf, einer der prominentesten Warner vor den Risiken der Psychotherapie. Dem hält Philipp Nanzer von der Stiftung Pro Mente Sana entgegen: «Für manche psychiatrieerfahrene Menschen können langjährige therapeutische Beziehungen als Begleitung durchaus wertvoll sein, wenn es darum geht, ihr Selbstwertgefühl zu stärken.» Laut Jürgen Margraf droht aber gerade in Langzeitbehandlungen die Gefahr, dass das Selbstvertrauen Schaden nimmt: «Die Patienten lernen sich als jemanden sehen, der nicht allein durchs Leben gehen kann.» Doch auch Kurzzeittherapien stehen in der Kritik. Das bekannteste Beispiel ist das so genannte Debriefing.

Heikle Methoden
Diese «Schnelltherapie» soll Opfern von Katastrophen, Unfällen oder Anschlägen helfen, ihre traumatische Erfahrung zu verarbeiten. Mit sehr zweifelhaftem Erfolg, wie mehrere Studien zeigen: Nach ein paar Monaten ging es den Behandelten im Durchschnitt schlechter als jenen, die nicht behandelt wurden. Der Grund liegt gemäss Fachmeinung im falschen Ansatz: Nicht allen Menschen hilft es, sofort über das Zugestossene zu sprechen; ihre Selbstheilungskräfte wirken viel besser, wenn sie es gerade nicht tun.

Ebenso heikel kann es sein, wenn man die falsche Therapiemethode wählt. Zum Beispiel bei Angststörungen: Während entspannende Verfahren für die meisten Patienten hilfreich sind, können sie bei Menschen mit Panikattacken leicht einen Schub auslösen. Denn im entspannten Zustand werden die eigenen Körperprozesse viel direkter und stärker wahrgenommen.

Was sollen nun Klienten tun, die sich in ihrer Therapie und mit ihrem Therapeuten unwohl fühlen? Daniel Habegger, Generalsekretär der Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen, empfiehlt den Kontakt mit einer spezialisierten Beratungsstelle: «Diese Fachleute haben viel Erfahrung und können relativ schnell abschätzen, ob bloss eine Durststrecke vorliegt, wie sie in vielen Therapien vorkommt, oder ob dem Therapeuten tatsächlich etwas vorzuwerfen ist.» Auch das Einholen einer Zweitmeinung bei einem anderen Therapeuten sei ein gutes Mittel.

In schweren Fällen, etwa bei Machtmissbrauch oder sexuellen Übergriffen, können sich Betroffene an eine Opferberatungsstelle wenden. Dort werden sie unentgeltlich juristisch und psychologisch beraten. Auch die Klage bei einer Standesorganisation ist möglich, etwa der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (wenn es um einen Psychiater geht), oder bei einem Verbandsgericht der Psychotherapeutinnen und -therapeuten. Im äussersten Fall droht Ausschluss aus dem Verband und Entzug der Praxisbewilligung.

Beratungsstellen

Psychotherapie: Das zahlt die Kasse


Grundversicherung: Die Psychotherapie wird dann bezahlt, wenn sie ein Arzt – in der Regel ein Psychiater – durchführt. Bei Langzeitbehandlungen kann die Krankenkasse einen Zwischenbericht verlangen oder den vertrauensärztlichen Dienst einschalten.


Die delegierte Psychotherapie ist ebenfalls bezahlt
: Die verantwortliche Ärztin überträgt die Therapie einem Psychotherapeuten, der bei ihr angestellt oder in den gleichen Räumen tätig ist. Die Rechnung stellt die Ärztin; sie gewährleistet auch die korrekte Durchführung.

Zusatzversicherung
: Ein Grossteil der Krankenversicherer bietet ambulante Zusatzversicherungen an, in denen auch Beiträge an Psychotherapien enthalten sind. Allerdings muss eine medizinische Notwendigkeit bestehen, weshalb die meisten Krankenkassen die Überweisung durch einen Arzt verlangen. In jedem Fall sollte vorgängig geklärt werden, ob der gewünschte Therapeut auf der entsprechenden Liste des Versicherers ist. Einen Vergleich der Versicherungsleistungen finden Sie im Internet unter www.vz-online.ch.

 

So enden Sie nicht wie Woody Allen


  • Wählen Sie Therapeuten, die Mitglied in einem anerkannten Berufsverband sind.

  • Vereinbaren Sie ein erstes Gespräch mit zwei verschiedenen Therapeuten, um vergleichen zu können. Schon in der ersten Stunde sollten Sie sich mit ihm oder ihr wohl fühlen. Eine gleichwertige, konstruktive Beziehung zwischen Patient und Therapeutin ist entscheidend für den Erfolg.

  • Fragen Sie die Therapeutin, ob sie Erfahrung hat mit dem Problem, das Sie angehen wollen. Informieren Sie sich über die verschiedenen Therapierichtungen und entscheiden Sie gemeinsam.

  • Vereinbaren Sie ein klares Therapieziel. Manchmal haben Patientin und Therapeut verschiedene Ziele im Auge. Solche Diskrepanzen werden nur deutlich, wenn man darüber spricht.

  • Es kann sinnvoll sein, eine Therapie vor Erreichen der Ziele zu beenden, vor allem dann, wenn Sie sich über längere Zeit nicht verstanden fühlen.

  • Stecken Sie gemeinsam einen Zeitrahmen ab. Die genaue Therapiedauer ist zwar nicht immer vorhersehbar. Wenn Sie sich nach Ablauf der vereinbarten Zeit aber nicht besser fühlen, sollten Sie einen Wechsel in Betracht ziehen.

© Beobachter Ausgabe 25 vom 09. Dez 2004 - Alle Rechte vorbehalten

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