Schlusspunkt
Neue Männer hat das Land
Während Männer gerade mal begreifen, dass das Runde ins Eckige muss, sehen Frauen ein Fussballspiel multifunktional: Sie erkennen nicht nur jedes Offside und jedes Foul, nein, sie sehen auch, welcher Spieler den knackigsten Arsch hat und wer weshalb eine Sünde wert wäre. Und wenn ihnen einer gefällt, so pfeifen sie ihm nach.

(Bild: Luca Schenardi Luca Schenardi)
Artikel zum Thema
Moderne Frauen wissen eben, was sie wollen. Und was sie wollen, bekommen sie: Im Hallenbad reservieren sie ganze Nachmittage für sich, im Fitnessklub müssen sie nicht in die gemischte, sondern können in die Frauensauna. Schliesslich sind sie gerne mal unter sich. Deswegen sind sie aber noch lange nicht prüde, im Gegenteil: Wenn die Schlange vor dem Frauen-WC mal zu lang sein sollte, gehen sie, ohne mit der Wimper zu zucken, aufs Männerklo. Und über Parteigrenzen hinweg gründen sie Frauengruppen und haben im Bundeshaus sogar ein eigenes Frauenzimmer.
Die Zeiten sind vorbei, in denen frau Bücher lesen musste, wie die perfekte Hausfrau für ihren Göttergatten zu sein hat. In jeder Papeterie findet sie an der Kasse Lektüre wie «Freche Sprüche für freche Frauen», in der die Männer ähnlich aufs Dach kriegen wie kürzlich Eva Herman, die es im Jahr 2007 noch gewagt hat, ein antiquiertes Frauenbild zwischen zwei Buchdeckel zu drücken.
Anzeige:
Mein Kollege Olivier ist einer dieser neuen Männer. Modern, urban, alles andere als ein Schlappschwanz. Er mag Frauen, die wissen, was sie wollen. Wie die 32-jährige Frau, die ihn mit 14 «in die Liebe eingeführt» hat. Wie würde er das wohl sehen, wenn er ein Mädchen gewesen wäre und die 32-jährige Frau ein Mann? Er würde von sexuellem Missbrauch sprechen.
© Beobachter Ausgabe 1 vom 09. Jan 2008 - Alle Rechte vorbehalten

