Stottern
Auch Bruce Willis stotterte
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- 12/11
Frage: Unser Kleine ist fünf und stottert. Haben wir etwas falsch gemacht? Und sollen wir wirklich einfach zuwarten, wie es uns die Kindergärtnerin empfiehlt?
Fünf Prozent der Kinder zwischen zwei und fünf Jahren beginnen zu stottern. In der Regel gibt es dafür keinen besonderen Anlass. Es steht nicht, wie in manchen Filmen suggeriert, ein Trauma am Anfang. Sie brauchen sich also keine Vorwürfe zu machen, etwas falsch gemacht zu haben.
Bei vier von fünf Kindern ist das Stottern eine vorübergehende Störung. Sie können getrost noch etwas zuwarten und erst eine Abklärung bei einer Logopädin der Schule ins Auge fassen, wenn das Stottern bestehen bleiben sollte.
Stottern ist als genau umschriebene Störung seit den alten Ägyptern bekannt. Moses soll gestottert haben. In neuerer Zeit sollen zum Beispiel Churchill und Bruce Willis betroffen gewesen sein. Rund ein Prozent aller Erwachsenen lebt heute mit dieser Störung.
Über die Ursachen ist sich die Wissenschaft nicht einig. Ein erbliches Moment spielt offenbar eine Rolle, Männer stottern häufiger als Frauen. Fachleute suchen die primäre Störung in einem Fehler in der komplexen Steuerung der vielen Muskeln, die am Sprechakt beteiligt sind. Stottern
ist also kein Zeichen für mangelnde Intelligenz, unterdrückte Aggression oder grosse Gehemmtheit, sondern lediglich eine
Störung des Sprechablaufs.
Allerdings kommen leicht psychische
Elemente hinzu. Wer stottert, versucht oft, sich zu kontrollieren, verkrampft sich dabei und gerät damit erst richtig in die Störung hinein.
Daher wird interessanterweise beim Singen oder Flüstern oder beim
Sprechen im Chor viel weniger oder gar nicht gestottert.
Stotterer wissen, bei welchen
Wörtern sie anstossen. Einige haben eine Strategie entwickelt, die gefährlichen Wörter sofort durch gleichbedeutende zu ersetzen, die sie problemlos aussprechen können. So merkt unter Umständen niemand, dass er eigentlich einen Stotterer vor sich hat.
Stottern selbst hat allerdings schon sehr viel mit Stress zu tun. Unter seelischer Anspannung wird das Stottern stärker.
Die Reaktion der Umgebung kann jedoch zusätzlich zu neurotischen und sozialen Störungen führen. Das stotternde Kind wird vielleicht ausgelacht oder von unverständigen Erziehungspersonen blossgestellt. Es fängt an, sich minderwertig und unfähig zu fühlen. Das kann dazu
führen, dass es passiv, ängstlich und scheu oder in einer Flucht nach vorne zum frechen, verhaltensgestörten Kind wird.
Deshalb ist Therapie wichtig, für Schulkinder wie für betroffene Erwachsene. Zu jeder Therapie gehört das Erlernen von Sprechtechniken. Eine bekannte Methode lehrt einen, vor jedem Sprechen ganz leicht auszuatmen. Dadurch kann die Verkrampfung vermieden werden, und flüssiges Sprechen ist möglich.
Ein zweites Element ist die Behandlung der seelischen Folgeerscheinungen und das Erlernen von Entspannungstechniken. Das Leben der meisten Stotterer wird nämlich von der Angst dominiert, sich mit der Sprachstörung zu blamieren. Diese Angst muss verschwinden, der
Stotterer muss lernen, sein Sprachproblem zu akzeptieren.
Als drittes Element ist die Teilnahme in einer Gruppe sehr fruchtbar. Zum einen ist das ein gefahrloses Übungsfeld für öffentliches Sprechen, zum andern können in der Gruppe
Erfahrungen ausgetauscht werden.
Man kann dort lernen, mit seinen sozialen Ängsten umzugehen. Versta, eine
Vereinigung für Stotterer und Angehörige, vermittelt Informationen, Beratung und Selbsthilfegruppen.
- Internet: www.versta.ch, www.ulrichnatke.de
- Buchtipp: Angelika Schindler: «Stottern erfolgreich bewältigen. Ratgeber für Betroffene und Angehörige»; Verlag Natke, 2010, 144 Seiten, Fr. 28.90
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© Beobachter Ausgabe 12 vom 08. Jun 2011 - Alle Rechte vorbehalten
Stottern
Auch Bruce Willis stotterte
Frage: Unser Kleine ist fünf und stottert. Haben wir etwas falsch gemacht? Und sollen wir wirklich einfach zuwarten, wie es uns die Kindergärtnerin empfiehlt?
Fünf Prozent der Kinder zwischen zwei und fünf Jahren beginnen zu stottern. In der Regel gibt es dafür keinen besonderen Anlass. Es steht nicht, wie in manchen Filmen suggeriert, ein Trauma am Anfang. Sie brauchen sich also keine Vorwürfe zu machen, etwas falsch gemacht zu haben.
Bei vier von fünf Kindern ist das Stottern eine vorübergehende Störung. Sie können getrost noch etwas zuwarten und erst eine Abklärung bei einer Logopädin der Schule ins Auge fassen, wenn das Stottern bestehen bleiben sollte.
Stottern ist als genau umschriebene Störung seit den alten Ägyptern bekannt. Moses soll gestottert haben. In neuerer Zeit sollen zum Beispiel Churchill und Bruce Willis betroffen gewesen sein. Rund ein Prozent aller Erwachsenen lebt heute mit dieser Störung.
Über die Ursachen ist sich die Wissenschaft nicht einig. Ein erbliches Moment spielt offenbar eine Rolle, Männer stottern häufiger als Frauen. Fachleute suchen die primäre Störung in einem Fehler in der komplexen Steuerung der vielen Muskeln, die am Sprechakt beteiligt sind. Stottern ist also kein Zeichen für mangelnde Intelligenz, unterdrückte Aggression oder grosse Gehemmtheit, sondern lediglich eine Störung des Sprechablaufs.
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Beim Singen wird weniger gestottert
Allerdings kommen leicht psychische Elemente hinzu. Wer stottert, versucht oft, sich zu kontrollieren, verkrampft sich dabei und gerät damit erst richtig in die Störung hinein. Daher wird interessanterweise beim Singen oder Flüstern oder beim Sprechen im Chor viel weniger oder gar nicht gestottert.
Stotterer wissen, bei welchen Wörtern sie anstossen. Einige haben eine Strategie entwickelt, die gefährlichen Wörter sofort durch gleichbedeutende zu ersetzen, die sie problemlos aussprechen können. So merkt unter Umständen niemand, dass er eigentlich einen Stotterer vor sich hat.
Stottern selbst hat allerdings schon sehr viel mit Stress zu tun. Unter seelischer Anspannung wird das Stottern stärker. Die Reaktion der Umgebung kann jedoch zusätzlich zu neurotischen und sozialen Störungen führen. Das stotternde Kind wird vielleicht ausgelacht oder von unverständigen Erziehungspersonen blossgestellt. Es fängt an, sich minderwertig und unfähig zu fühlen. Das kann dazu führen, dass es passiv, ängstlich und scheu oder in einer Flucht nach vorne zum frechen, verhaltensgestörten Kind wird.
Es gibt mehrere Arten der Therapie
Deshalb ist Therapie wichtig, für Schulkinder wie für betroffene Erwachsene. Zu jeder Therapie gehört das Erlernen von Sprechtechniken. Eine bekannte Methode lehrt einen, vor jedem Sprechen ganz leicht auszuatmen. Dadurch kann die Verkrampfung vermieden werden, und flüssiges Sprechen ist möglich.
Ein zweites Element ist die Behandlung der seelischen Folgeerscheinungen und das Erlernen von Entspannungstechniken. Das Leben der meisten Stotterer wird nämlich von der Angst dominiert, sich mit der Sprachstörung zu blamieren. Diese Angst muss verschwinden, der Stotterer muss lernen, sein Sprachproblem zu akzeptieren.
Als drittes Element ist die Teilnahme in einer Gruppe sehr fruchtbar. Zum einen ist das ein gefahrloses Übungsfeld für öffentliches Sprechen, zum andern können in der Gruppe Erfahrungen ausgetauscht werden. Man kann dort lernen, mit seinen sozialen Ängsten umzugehen. Versta, eine Vereinigung für Stotterer und Angehörige, vermittelt Informationen, Beratung und Selbsthilfegruppen.
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