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Beziehung und Stress

«Wir haben kaum noch Sex»

Text:
  • Koni Rohner
Bild:
  • Stock-Kollektion colourbox.com
Ausgabe:
15/08

Frage: Seit mein Mann in eine leitende Position aufgestiegen ist, sind körperliche Nähe und Sex bei uns kaum noch ein Thema. Er arbeitet länger, denkt nur noch ans Geschäft und ist oft gereizt. Ist das der Preis, den man heute für eine Karriere bezahlen muss? Jenny G.

«Wir haben kaum noch Sex»

Nicht unbedingt. Beruflicher Stress belastet eine Beziehung zwar, aber in der Partnerschaft liegt auch eine Chance, diesen besser zu meistern. Sie können Ihren Mann bei der Stressbewältigung unterstützen und ihn so als Liebespartner ein Stück weit zurückgewinnen.

Stress ist eigentlich eine Alarmreaktion des Körpers, ein archaisches Muster, um den Organismus bei Gefahr auf Kampf oder Flucht einzustellen. Was in der Urzeit in der Wildnis sinnvoll war, passt nicht mehr in die moderne Arbeitswelt. Ein mittleres Stressniveau fördert zwar die Leistungsfähigkeit, aber ein hohes schädigt den ­Organismus und die Seele. Körperliche Folgen sind ­Magenübersäuerung, Bluthochdruck, Überzuckerung und Cholesterinablagerungen. Langfristig drohen Herzerkrankungen, Magengeschwüre, Kopfschmerzen und Diabetes. Psychische Folgen sind Anspannung, Nervosität, Überempfindlichkeit und emotionale Überreaktionen. Langfristig können sich Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen oder Depressionen bemerkbar machen.

Den Partner emotional unterstützen

Es liegt auf der Hand, dass diese seelischen Reaktionen eine Partnerschaft schwer belasten. Der Betroffene hat nicht nur weniger Zeit für den Partner, er reagiert auch gereizt und ist in Gedanken oft abwesend, worunter die Kommunikation leidet. Die Anspannung verhindert auch die Hingabe an körperliche Begegnungen. Wenn Gespräche versiegen und die sexuellen Kontakte immer seltener werden, ist der Fortbestand der Beziehung bedroht. Schätzungen gehen davon aus, dass in der Tat rund 80 Prozent der Managerehen gefährdet sind.

Gerade die Partnerschaft aber kann zur Rettung werden. Guy Bodenmann, Psychologieprofessor an der Universität Freiburg, zählt in seinem Buch auf, wie man seinen gestressten Partner unterstützen kann. Eine sachbezogene Unterstützung besteht darin, dass Sie ­Ihrem Partner Arbeiten abnehmen oder mithelfen, ein Problem zu analysieren. Noch wichtiger aber ist die emotionale Unterstützung. Dazu gehört:

  • Hören Sie Ihrem Partner zu: Oft wird unterschätzt, welche Wirkung verständnisvolles und engagiertes Zuhören hat. Erstens ist geteiltes Leid nur noch halbes Leid - erzählen erleichtert -, und zweitens hilft einem die Formulierung von Problemen, Lösungen dafür zu finden.

  • solidarisieren Sie sich mit ihm;

  • glauben Sie an ihn;

  • machen Sie ihm Mut;

  • beruhigen Sie ihn;

  • zeigen Sie Verständnis, wenn er in Ruhe gelassen ­werden möchte;

  • animieren Sie ihn zu einer entspannenden Aktivität;

  • helfen Sie ihm, schwierige Situationen umzubewerten (das halbvolle statt das halbleere Glas);

  • nehmen Sie Ihn einfach mal zärtlich in den Arm.

Die Zweierbeziehung birgt nicht nur Konfliktpoten­tial, sondern ist auch eine Ressource für Heilung und Entwicklung. Nicht umsonst leben Menschen in Partnerschaften im Durchschnitt länger als Singles.

Buchtipp

Guy Bodenmann: «Stress und Partnerschaft. Gemeinsam den Alltag bewältigen»; Verlag Hans Huber, 2007, 204 Seiten, Fr. 32.90

 

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© Beobachter Ausgabe 15 vom 23. Jul 2008 - Alle Rechte vorbehalten

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