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Klima
Immer schön cool bleiben
Wenn die Sommerhitze wie Blei auf den Köpfen lastet, wollen alle nur noch eins: Abkühlung. Wer sich dann eine Klimaanlage zulegt, holt sich damit einen extremen Stromfresser ins Haus. Mit Ventilatoren und einigen gezielten Massnahmen ist man besser bedient.
Wenn sich die Klimaerwärmung wie bisher fortsetzt, werden wir schon bald kalifornische Verhältnisse haben», prophezeit Heini Glauser, Energieingenieur aus Windisch. Konkret heisst das: Der Gesamtenergieverbrauch wird nicht etwa im Winter am grössten sein, sondern während extremer Hitzephasen im Sommer. Wenn wie im Hitzesommer 2003 die Sonne während Wochen schonungslos auf Dächer und Fenster brennt, bringen, wenn überhaupt, nur noch Ventilatoren und Klimageräte Abkühlung.
Vor allem Klimaapparate mit einem Energieverbrauch von 1000 Watt und mehr sind allerdings Stromfresser sondergleichen - wer ein solches Gerät in Betrieb nimmt, verbraucht etwa gleich viel Strom wie 100 Energiesparlampen, die gleichzeitig brennen.
Michael Kaufmann vom Bundesamt für Energie (BFE) sieht Handlungsbedarf. «Als eine erste Sofortmassnahme regelten wir 2006 in einer Verordnung, dass neu auch Klimageräte mit einer Energieetikette angeschrieben werden müssen», sagt er. Demnach erhalten die besten, energieeffizientesten Geräte das Prädikat A, die schlechtesten das G. Dass es damit aber noch längst nicht getan ist, weiss der BFE-Fachmann nur zu gut: «Der Hausbau und die Gebäudetechnik sind in der Schweiz überhaupt nicht fit für das Thema Kühlung.»
Tatsache ist, dass immer noch weit mehr als die Hälfte aller Gebäude unzureichend mit Isolationsmaterial geschützt sind. Die Experten sind der Auffassung, dass dem Thema Kühlung im Sommer gleich viel Aufmerksamkeit geschenkt werden muss wie einem guten Wärmeschutz für die kalte Jahreszeit. «Es geht darum», so Michael Kaufmann, «dass die Leute gar nicht erst Klimageräte einsetzen müssen. Denn das ist reine Symptombekämpfung.»
Beim Schutz vor der Hitze sind folgende Aspekte ausschlaggebend:
- Fensteranteil: Der grösste Teil der Wärmeenergie tritt durch die Fenster ein. Auch wenn voll verglaste Fassaden und raumhohe Fenster in sind, ist davon abzuraten. Die Verglasung sollte einen Anteil von 30 bis 40 Prozent an der Fassade nicht übersteigen. Dabei kommt es auch auf Neigung und Ausrichtung der Fenster an. Abgeschrägte, gen Süden geneigte Gläser bringen zwar Licht ins Haus, heizen aber an Hitzetagen buchstäblich wie ein Backofen.
- Fenstergläser: Es gibt Gläser, die sich eher für den Winter eignen, und solche, die für sommerliche Temperaturen zweckmässig sind. Wer Kälte und Wärme draussen halten will, sollte sich auf jeden Fall beraten lassen und vielleicht auch mal ein etwas teureres Produkt wählen. Der Fokus in hiesigen Breitengraden liegt gemäss dem Zürcher Bauexperten Roland Wolfseher «auf Gläsern, die vor allem Wärmeschutz für den Winter bieten». Um im Sommer die Hitze draussen zu halten, sollte man nicht auf Sonnenschutzgläser setzen, sondern vor allem auf eine gute Beschattung der Fenster achten.
- Masse und Dämmung: Ein massiv gebautes Haus mit einer dicken Dämmschicht an der Aussenwand ist klar ein Vorteil. Eine solche Bauweise minimiert im Winter den Verlust an Wärmeenergie. Ausserdem reagieren massive Bauteile generell träger auf Temperaturschwankungen. Wenn es gelingt, massive Bauteile im Sommer während der Nacht wieder abzukühlen, können sie tagsüber auch wieder mehr Wärme aufnehmen und wirken als Wärmepuffer.
- Beschattung: In der neueren Architektur kommen gute Beschattungssysteme viel zu kurz. Mit einfachen Details wie etwa grosszügigen Vordächern kann der Sonneneinstrahlung wirksam begegnet werden. Sinnvoll sind auch Dächer und Fassaden, die unter- beziehungsweise hinterlüftet sind: Hinter einer ersten Aussenhaut zirkuliert Luft, was das Eindringen von Wärme zumindest teilweise verhindert.
- Storen: Weder im Wohn- noch im Bürohausbau hat die Beschattung der oftmals gross bemessenen Glasflächen einen gebührenden Stellenwert. Einen guten Schutz bieten zum Beispiel Lamellenstoren - an der Aussenseite heruntergelassen, halten sie die Lichteinstrahlung weitgehend ab und ermöglichen je nach Sonnenstand eine gute Feinjustierung. «Höchst fragwürdig sind hingegen Aussenrollos, die bei vielen Architekten sehr beliebt sind», so Energieingenieur Heini Glauser. Denn Stoff lässt mehr als die Hälfte der Energie des Lichts ungehindert passieren.
- Lüftung: Häuser, die nach dem Minergie-Standard gebaut sind, müssen nicht nur mit einer guten Wärmedämmung, sondern auch mit einer kontrollierten Wohnungslüftung ausgestattet sein. Die kontinuierliche Zufuhr von Frischluft erweist sich im Sommer als sehr nützlich: Wenn sich die Bewohner richtig verhalten und die Fenster geschlossen lassen, bleibt die Hitze draussen. Wichtig ist aber, dass die Frischluft tatsächlich über die automatische Lüftung und nicht durch das Öffnen der Fenster tagsüber zugeführt wird.
- Trennung zu Dachstock und Anbauten: In vielen Häusern finden sich heute komfortable Ausbauten von Dachgeschossen, verglaste Loggien oder Anbauten wie Wintergärten. Diese Gebäudeteile sind der Sonneneinstrahlung extrem stark ausgesetzt und heizen sich, einem Treibhaus ähnlich, auf - das gilt vor allem für Wintergärten. Damit die aufgestaute Hitze nicht ins übrige Gebäude eindringt, sollten diese Anbauten vom Hauptgebäude klar abgetrennt sein, etwa durch eine isolierte Wand mit Tür.
Hitzestau im Haus: Tipps für den Alltag
- Fenster tagsüber schliessen: Selbst wenn etwas Durchzug subjektiv erfrischend wirkt, kommt durch das Öffnen der Fenster die Hitze erst recht in die Wohnräume.
- Frischluft nach Mitternacht: In der Nacht - am besten nach 24 Uhr - die Fenster öffnen und kühle Luft einströmen lassen. Von extremen Hitzetagen abgesehen, sinkt die Temperatur dann unter 20 Grad und bringt willkommene Abkühlung.
- Ventilatoren statt Klimageräte: Wenn schon Kühlung, dann am besten mit Ventilatoren - Deckenventilatoren sind in südlichen Breitengraden weit verbreitet. Sie verschaffen ein Gefühl der Frische, brauchen aber viel weniger Strom als Klimageräte.
- Auf die Energieetikette und den Stromverbrauch von Geräten achten: Energieeffiziente Geräte sind teils etwas teurer, zeichnen sich aber durch einen deutlich tieferen Stromverbrauch aus.
- Computer und andere elektronische Geräte nicht im Dauerbetrieb: Die Temperatur in Gebäuden hängt auch von all den Geräten ab, die in Büros und Privathaushalten fast dauernd in Betrieb sind: Computer, Bildschirme, Modems, Drucker, Kopiergeräte, Kaffeemaschinen, Lampen - nicht nur eine Stromverschwendung, sondern auch eine unnötige Abgabe von Wärme. Deshalb gilt: Ausschalten, was nicht gebraucht wird.
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© Beobachter Ausgabe 14 vom 04. Jul 2007 - Alle Rechte vorbehalten









