Massage
Flinke Finger sorgen für ein Spitzengefühl
- Text:
- Susanne Wagner
- Bild:
- Thinkstock Kollektion
Die Berührung und Bearbeitung des Körpers mit Händen oder gar Füssen gehört zu den ältesten Heilmethoden.
Eine Massage weckt die Lebensgeister und bringt uns wieder ins Gleichgewicht: Danach fühlen wir uns beweglicher und entspannter. Doch welche Massage ist die richtige? Das Angebot der verschiedenen Techniken ist in den letzten Jahren fast unübersichtlich gross geworden. Zwar erfreut sich die klassische Sport- oder Schwedenmassage nach wie vor grosser Beliebtheit. Aber zunehmend buhlen auch Massageformen aus anderen Kulturkreisen um die Gunst der Kundschaft.
Auffällig ist auch der Trend, Lebensmittel in Wellnessbehandlungen einzubauen, wie bei der vor ein paar Jahren lancierten Schokoladenmassage. Die Körpermassage mit geschmolzener Schokolade und Mandelöl soll ein luxuriöses Entspannungsgefühl vermitteln und durch das Einwirken der Stoffe in der Kakaobutter die Haut samtweich pflegen.
Zu Beginn aller Massagekünste ging es nicht allein ums Wohlbefinden, sondern ums Heilen. Massagen gehören zu den ältesten Formen medizinischer Behandlung. Während Jahrtausenden spielte die Massage in vielen Kulturen bei der Behandlung von Verletzungen und Krankheiten eine wichtige Rolle. Dies zeigen etwa Malereien von massierenden Menschen in alten ägyptischen Grabstätten.
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Auch in der jahrtausendealten traditionellen chinesischen Medizin, im antiken Griechenland und in Rom waren Massagen wichtige Heilmethoden bei unterschiedlichen Krankheiten. Julius Cäsar etwa soll sich täglich eine Massage gegen seine Nervenschmerzen gegönnt haben. Dass das Massieren bei Schmerzen hilft, liegt auf der Hand: Instinktiv reiben wir eine schmerzende Körperstelle, um uns Linderung zu verschaffen.
Heute gehören Massagen nicht mehr zum Aufgabengebiet der Ärzte, sondern werden von professionellen Masseuren oder Physiotherapeuten ausgeführt. Ein Geschäft, das boomt: Immer mehr Menschen lassen sich massieren, um die Muskeln zu lockern, Verspannungen zu lösen, durch die Entspannung Stress abzubauen und das Wohlbefinden zu steigern. Jeder moderne Wellnessbetrieb, der etwas auf sich hält, bietet verschiedene Formen von Massagen an.
Die beliebteste Massage ist die klassische Massage, nach ihrem Erfinder auch schwedische Massage genannt. Anfang des 19. Jahrhunderts hatte der Schwede Per Henrik Ling verschiedene Handgriffe wie Streichen, Kneten, Reiben, Klopfen und Vibrieren entwickelt. Haut und Muskulatur werden direkt massiert. Durch das Kneten der verspannten und harten Muskeln normalisiert sich die Spannung: Die Muskeln werden wieder weich und elastisch.
Asiatische Massagetechniken wie Akupressur, Shiatsu oder Thaimassage arbeiten ebenfalls mit sanftem oder stärkerem Druck direkt auf die verschiedenen Körperteile. Die Techniken verbessern das Wohlbefinden, regen die Durchblutung an und lösen Verspannungen.
Die abendländische Medizin tut sich mit asiatischen Massagemethoden zum Teil schwer, weil diese auf der Vorstellung von Energielinien durch den Körper basieren – ein Konzept, das viele westliche Ärzte für «unwissenschaftlich» halten. Unbestritten aber ist: Bei jeder Art von Massage reagiert der Körper allein schon dank Berührung der Haut mit der Freisetzung des Hormons Oxytocin, das Bindungen und positive Emotionen gegenüber Menschen schafft. Zudem schüttet das Hirn während der Massage Endorphine aus – körpereigene Glückshormone.
Zur gesundheitsfördernden Wirkung von Massagen auf den Körper gibt es zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen – die allerdings zu unterschiedlichen Schlüssen kommen. Einzelne Massagetherapiesitzungen reduzieren demnach Blutdruck und Herzfrequenz; nach wiederholten Sitzungen verzögerte sich zudem die Schmerzempfindlichkeit.
Eine andere Studie dagegen belegte, dass sich die Herzfrequenz und die Konzentration des Stresshormons Cortisol im Speichel zwar während der Massage verminderten – aber nur kurzfristig. Einen anhaltenden Effekt konnte man nicht nachweisen. Eine lindernde Wirkung stellten die Forscher vor allem bei Schmerzen im unteren Rückenbereich sowie bei Schulter- und Kopfschmerzen fest.
Die bekanntesten Massagetechniken
Es ist nicht leicht, die Übersicht über alle Massageformen zu behalten, denn das Angebot hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Dies sind die Methoden, die am häufigsten angewandt werden:
- Unter der schwedischen Massage werden die klassische Massage, die Sportmassage und die Tiefengewebsmassage zusammengefasst. Es geht darum, Verknotungen (Triggerpunkte) und Verspannungen zu erspüren und zu behandeln.
- Die Thaimassage ist seit rund 3000 Jahren bekannt. Sie löst Verspannungen und Verhärtungen. Einzelne Punkte an den Energielinien des Körpers werden behandelt; dabei setzt der Therapeut Daumen, Handballen, Ellbogen oder auch Füsse ein.
- Auch die Fingerdruckmassage Shiatsu hat ihren Ursprung im Fernen Osten: Das Shiatsu (japanisch: Druck mit den Fingern) vereint Handgriffe der Akupressur (Fingerdruckmassage) mit modernen Massagetechniken wie Dehnungen oder Gelenkrotation. Das Shiatsu basiert auf derselben Grundlage wie die Akupunktur: Die Druckpunkte liegen auf Energielinien, den sogenannten Meridianen, die im ganzen Körper verlaufen.
- Die Fussreflexzonenmassage geht davon aus, dass sich auf unserer Fusssohle der gesamte Körper mit seinen Organen abbildet. Berührung und Massage bestimmter Druckpunkte an Fusssohle und Zehen wirken anregend auf verschiedene Körperpartien und Organe.
- Ebenfalls asiatischen Ursprungs ist die Kräuterstempelmassage: Der Körper wird mit warmem Öl und heissen Kräuterstempeln (in Baumwollstoff eingepackte Kräuter) massiert. Die Streichung der Meridianpunkte führt zu Entspannung und Gleichgewicht.
- Die Ayurvedamassage stammt aus Indien. Der Körper wird mit Kräuterölen und rhythmischen Streichbewegungen sanft massiert.
- Bei der Hot-Stone-Massage wird der Körper mit Öl und runden, glatten, auf etwa 60 Grad erhitzten Steinen massiert. Die Wärme wirkt angenehm, löst Verspannungen und regt die Blutzirkulation an.
Weitere Infos
Schweizerischer Verband der Berufsmasseure: www.svbm.ch
© Beobachter Online 11. Apr 2011 - Alle Rechte vorbehalten












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