Schönheit ab 50
Makellose Männlichkeit
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- 22/10
Möglichst lange jung und attraktiv aussehen: Die Pflegelinien für den Herrn boomen, und bereits jeder fünfte Kunde der ästhetischen Chirurgie in der Schweiz ist männlich.
Seit den neunziger Jahren werben ästhetische und spärlich bekleidete Männerkörper auf Plakaten für Unterwäsche und Parfüm. Stars wie der englische Fussballer David Beckham pflegen den sogenannten metrosexuellen Look und propagieren Verhaltensweisen, die einst eher dem Lebensstil von Frauen oder dem Klischee des homosexuellen Mannes zugeordnet wurden: Sie rasieren den ganzen Körper, gehen regelmässig zur Kosmetikerin und trainieren im Fitnessstudio.
Mode und Medien haben die männliche Körperpflege längst salonfähig gemacht. Für viele Männer gelten ein jugendliches Gesicht und ein sportlicher Körper auch als Karrierefaktoren. Das ist mit ein Grund, dass sich immer mehr Männer nicht mit den äusseren Zeichen des Älterwerdens abfinden wollen und Hilfe beim Schönheitschirurgen suchen. Wie die Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland mitteilte, stören sich Männer vor allem an der Zornesfalte zwischen den Brauen, die das Gesicht alt und vergrämt aussehen lässt. In Deutschland hat die Zahl der Faltenbehandlungen mit Botox im letzten Jahr um 44 Prozent zugenommen. Manche Männer machen kein Geheimnis daraus, dass sie der Natur nachgeholfen haben. So berichtete etwa der 64-jährige Ex-Fussballer Fritz Künzli in der TV-Sendung «Rundschau», dass er sich die Falten wegspritzen lässt, weil er für seine Frau immer noch gut aussehen will.
Hierzulande werden sich gemäss einer Studie des Beratungszentrums für plastische Chirurgie Acredis bis Ende Jahr rund 9500 Männer unters Messer eines Schönheitschirurgen gelegt haben. Das bedeutet einen Anstieg um etwa fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vertreter des starken Geschlechts machen damit bereits rund 19 Prozent des Gesamtmarkts in der Schweiz aus.
Bei den 50- bis 60-jährigen Männern sind chirurgische Augenlidstraffungen mit 3500 Eingriffen im Jahr 2010 mit Abstand am beliebtesten, gefolgt von Faceliftings mit 500 Operationen. Eingriffe wie Fettabsaugen oder Nasenkorrekturen mit 2500 beziehungsweise 1500 Operationen werden bereits in früheren Jahren vorgenommen und sind vor allem bei den 30- bis 40-Jährigen verbreitet.
Die Kosmetikindustrie hat den Mann schon vor über zehn Jahren als Zielgruppe entdeckt. Die Auswahl an spezifischen Pflegecremen für ihn ist zwar kleiner, doch die Zahl der Pflegelinien wächst. Auch Männer haben Hautprobleme, wie etwa zu fettige, zu trockene oder gerötete Haut. Was viele nicht wissen: Männerhaut ist anders aufgebaut als die Haut der Frauen. Sie ist etwa 20 Prozent dicker und robuster, stärker durchblutet und produziert mehr Talg. Daher benötigt sie auch eine Pflege, die weniger Fett und mehr Feuchtigkeit enthält. Der Griff in den Cremetopf der Partnerin kann deshalb kontraproduktiv wirken. Strapaziert wird die Männerhaut vor allem durch die ultravioletten Strahlen der Sonne und die tägliche Rasur des Barthaars.
In der Regel sind langwierige Schönheits- und Pflegerituale nicht die Sache des Mannes. Für viele beschränkt sich die tägliche Schönheitspflege maximal auf die Rasur und das kurze Wangentätscheln mit Aftershave. Allzu ausführliche Anwendungen von Cremen, Peelings, Lotionen oder Masken sind den meisten zu aufwendig, zu zeitraubend oder schlicht zu mühsam. Manchen harten Kerl plagt auch die Angst, durch übertriebene Pflege unmännlich zu wirken. Dies widerspiegelt sich auch in der Werbung für Männerkosmetika. Während Cremen für Frauen mit den Faktoren Anti-Aging, Verwöhnen und Luxus beworben werden, geht es bei den Pflegeprodukten für die Männerhaut bedeutend sachlicher, praktischer und unkomplizierter zur Sache: Statt zu schmeichelnden Cremen greift der Mann zu energiespendenden Gelen für den Frischekick der Haut oder zu Roll-on-Sticks mit Koffein gegen Augenringe.
Weil für viele Männer ein gepflegtes Erscheinungsbild dazugehört, findet man sie auch immer öfter als Kunden in Wellnessoasen oder bei der Kosmetikerin, wo sie sich pflegen und verschönern lassen. Oft buchen sie gleich ein ganzes Schönheitsweekend in einem Wellnesshotel mit Massagen, Gesichtspflege, Maniküre und Pediküre. «Viele Männer haben im Alltag gar keine Zeit für Wellness, weil sie permanent unter Strom stehen», erklärt Kosmetikerin Beatrice Aeberhard. Speziell für gestresste Manager bietet sie deshalb in ihrem Kosmetikstudio in Münsingen BE eine Businesspflege über Mittag an. Die 50-minütige Powerbehandlung für die Haut umfasst ein Peeling, das Einmassieren eines Wirkstoffkonzentrats, eine Gesichtsmaske oder eine Gesichtsmassage. Einige Männer kommen wegen Hautproblemen zu Aeberhard, andere wollen frischer aussehen oder einfach mal wieder entspannen.
Auch das Zupfen der Augenbrauen gehört zur Basispflege. Aeberhard, die auch Männer über 50 zu ihren Kunden zählt, weiss genau, wie Männer wirken wollen: «Natürlich, aber gepflegt.»
Soll man die Spuren des Älterwerdens zu verwischen versuchen – oder alles so belassen, wie es wächst? Diese Frage stellt sich fast jedem Mann früher oder später auch beim Thema Haare. Prominente wie Thomas Gottschalk haben die Antwort für sich längst gefunden. Seit Beginn der Moderation von «Wetten, dass…?» vor über 20 Jahren hat sich die «männliche Blondine» äusserlich nur unmerklich verändert: Die lockige Haarpracht des heute 60-Jährigen dürfte kaum aus eigener Kraft so blond geblieben sein.
Doch aufgepasst: Was für Männer aus dem Showbusiness passen mag, kann bei Otto Normalverbraucher schnell angestrengt und lächerlich wirken. Allzu offensichtlich gefärbte Haare oder die immer zum Scheitern verurteilten Versuche, eine Glatze mit Hilfe von drapierten Haarsträhnen zu verstecken, führen meist zum Gegenteil – sie lassen einen Mann älter aussehen, als er ist. Viel souveräner wirkt es, bei sich lichtender Haarpracht die Haare ganz kurz zu schneiden, eine sexy Glatze stehen zu lassen oder sich über die ergrauenden Haare einfach zu freuen. Sie wirken auf viele Frauen attraktiv. Oder hat jemals jemand gehört, dass sich der Schauspieler George Clooney die Haare färbt? Eben.
Zu wenig Feuchtigkeit: Schon ab Mitte 30 verliert die Männerhaut langsam und kontinuierlich die Fähigkeit, Feuchtigkeit zu binden. Tägliches Duschen oder Waschen mit Wasser und Seife sorgt häufig für eine zu trockene Haut im Gesicht und am ganzen Körper, weil damit immer wieder der schützende Fettfilm entfernt wird. Waschen mit einer rückfettenden Lotion und regelmässiges Eincremen mit einer harnstoffhaltigen Lotion versorgt die Haut mit der benötigten Feuchtigkeit.
Sonne: Der grösste Feind der Haut ist die Sonne. Weil Sonnenbrände die Hautalterung fördern, sollte man sich konsequent schützen. Ein Grund mehr, Tagescremen zu benutzen, die häufig schon einen Lichtschutzfaktor enthalten. Wer sich länger im Freien aufhält, sollte die der Sonne ausgesetzten Hautpartien zusätzlich mit einer Sonnenschutzcreme mit ausreichendem Schutzfaktor eincremen.
Ungesunder Lebensstil: Zu wenig Schlaf, schlechte Ernährung und Stress zeigen sich auch auf der Haut. Gönnen Sie sich Ruhezeiten, essen Sie ausgewogen, bewegen Sie sich viel, trinken Sie genügend Wasser. Die Haut wird es Ihnen danken.
Rauchen: Schon kleine Mengen Nikotin sorgen dafür, dass die Haut weniger mit Nährstoffen versorgt wird. Die Haut von Rauchern wird schneller rau, spröde, grobporig und faltig.
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© Beobachter Ausgabe 22 vom 27. Okt 2010 - Alle Rechte vorbehalten
Schönheit ab 50
Makellose Männlichkeit
Möglichst lange jung und attraktiv aussehen: Die Pflegelinien für den Herrn boomen, und bereits jeder fünfte Kunde der ästhetischen Chirurgie in der Schweiz ist männlich.
Seit den neunziger Jahren werben ästhetische und spärlich bekleidete Männerkörper auf Plakaten für Unterwäsche und Parfüm. Stars wie der englische Fussballer David Beckham pflegen den sogenannten metrosexuellen Look und propagieren Verhaltensweisen, die einst eher dem Lebensstil von Frauen oder dem Klischee des homosexuellen Mannes zugeordnet wurden: Sie rasieren den ganzen Körper, gehen regelmässig zur Kosmetikerin und trainieren im Fitnessstudio.
Mode und Medien haben die männliche Körperpflege längst salonfähig gemacht. Für viele Männer gelten ein jugendliches Gesicht und ein sportlicher Körper auch als Karrierefaktoren. Das ist mit ein Grund, dass sich immer mehr Männer nicht mit den äusseren Zeichen des Älterwerdens abfinden wollen und Hilfe beim Schönheitschirurgen suchen. Wie die Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland mitteilte, stören sich Männer vor allem an der Zornesfalte zwischen den Brauen, die das Gesicht alt und vergrämt aussehen lässt. In Deutschland hat die Zahl der Faltenbehandlungen mit Botox im letzten Jahr um 44 Prozent zugenommen. Manche Männer machen kein Geheimnis daraus, dass sie der Natur nachgeholfen haben. So berichtete etwa der 64-jährige Ex-Fussballer Fritz Künzli in der TV-Sendung «Rundschau», dass er sich die Falten wegspritzen lässt, weil er für seine Frau immer noch gut aussehen will.
Hierzulande werden sich gemäss einer Studie des Beratungszentrums für plastische Chirurgie Acredis bis Ende Jahr rund 9500 Männer unters Messer eines Schönheitschirurgen gelegt haben. Das bedeutet einen Anstieg um etwa fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vertreter des starken Geschlechts machen damit bereits rund 19 Prozent des Gesamtmarkts in der Schweiz aus.
Bei den 50- bis 60-jährigen Männern sind chirurgische Augenlidstraffungen mit 3500 Eingriffen im Jahr 2010 mit Abstand am beliebtesten, gefolgt von Faceliftings mit 500 Operationen. Eingriffe wie Fettabsaugen oder Nasenkorrekturen mit 2500 beziehungsweise 1500 Operationen werden bereits in früheren Jahren vorgenommen und sind vor allem bei den 30- bis 40-Jährigen verbreitet.
Anzeige:
Die Kosmetikindustrie hat den Mann schon vor über zehn Jahren als Zielgruppe entdeckt. Die Auswahl an spezifischen Pflegecremen für ihn ist zwar kleiner, doch die Zahl der Pflegelinien wächst. Auch Männer haben Hautprobleme, wie etwa zu fettige, zu trockene oder gerötete Haut. Was viele nicht wissen: Männerhaut ist anders aufgebaut als die Haut der Frauen. Sie ist etwa 20 Prozent dicker und robuster, stärker durchblutet und produziert mehr Talg. Daher benötigt sie auch eine Pflege, die weniger Fett und mehr Feuchtigkeit enthält. Der Griff in den Cremetopf der Partnerin kann deshalb kontraproduktiv wirken. Strapaziert wird die Männerhaut vor allem durch die ultravioletten Strahlen der Sonne und die tägliche Rasur des Barthaars.
In der Regel sind langwierige Schönheits- und Pflegerituale nicht die Sache des Mannes. Für viele beschränkt sich die tägliche Schönheitspflege maximal auf die Rasur und das kurze Wangentätscheln mit Aftershave. Allzu ausführliche Anwendungen von Cremen, Peelings, Lotionen oder Masken sind den meisten zu aufwendig, zu zeitraubend oder schlicht zu mühsam. Manchen harten Kerl plagt auch die Angst, durch übertriebene Pflege unmännlich zu wirken. Dies widerspiegelt sich auch in der Werbung für Männerkosmetika. Während Cremen für Frauen mit den Faktoren Anti-Aging, Verwöhnen und Luxus beworben werden, geht es bei den Pflegeprodukten für die Männerhaut bedeutend sachlicher, praktischer und unkomplizierter zur Sache: Statt zu schmeichelnden Cremen greift der Mann zu energiespendenden Gelen für den Frischekick der Haut oder zu Roll-on-Sticks mit Koffein gegen Augenringe.
Weil für viele Männer ein gepflegtes Erscheinungsbild dazugehört, findet man sie auch immer öfter als Kunden in Wellnessoasen oder bei der Kosmetikerin, wo sie sich pflegen und verschönern lassen. Oft buchen sie gleich ein ganzes Schönheitsweekend in einem Wellnesshotel mit Massagen, Gesichtspflege, Maniküre und Pediküre. «Viele Männer haben im Alltag gar keine Zeit für Wellness, weil sie permanent unter Strom stehen», erklärt Kosmetikerin Beatrice Aeberhard. Speziell für gestresste Manager bietet sie deshalb in ihrem Kosmetikstudio in Münsingen BE eine Businesspflege über Mittag an. Die 50-minütige Powerbehandlung für die Haut umfasst ein Peeling, das Einmassieren eines Wirkstoffkonzentrats, eine Gesichtsmaske oder eine Gesichtsmassage. Einige Männer kommen wegen Hautproblemen zu Aeberhard, andere wollen frischer aussehen oder einfach mal wieder entspannen.
Auch das Zupfen der Augenbrauen gehört zur Basispflege. Aeberhard, die auch Männer über 50 zu ihren Kunden zählt, weiss genau, wie Männer wirken wollen: «Natürlich, aber gepflegt.»
Soll man die Spuren des Älterwerdens zu verwischen versuchen – oder alles so belassen, wie es wächst? Diese Frage stellt sich fast jedem Mann früher oder später auch beim Thema Haare. Prominente wie Thomas Gottschalk haben die Antwort für sich längst gefunden. Seit Beginn der Moderation von «Wetten, dass…?» vor über 20 Jahren hat sich die «männliche Blondine» äusserlich nur unmerklich verändert: Die lockige Haarpracht des heute 60-Jährigen dürfte kaum aus eigener Kraft so blond geblieben sein.
Doch aufgepasst: Was für Männer aus dem Showbusiness passen mag, kann bei Otto Normalverbraucher schnell angestrengt und lächerlich wirken. Allzu offensichtlich gefärbte Haare oder die immer zum Scheitern verurteilten Versuche, eine Glatze mit Hilfe von drapierten Haarsträhnen zu verstecken, führen meist zum Gegenteil – sie lassen einen Mann älter aussehen, als er ist. Viel souveräner wirkt es, bei sich lichtender Haarpracht die Haare ganz kurz zu schneiden, eine sexy Glatze stehen zu lassen oder sich über die ergrauenden Haare einfach zu freuen. Sie wirken auf viele Frauen attraktiv. Oder hat jemals jemand gehört, dass sich der Schauspieler George Clooney die Haare färbt? Eben.
Worunter die Haut am meisten leidet
Zu wenig Feuchtigkeit: Schon ab Mitte 30 verliert die Männerhaut langsam und kontinuierlich die Fähigkeit, Feuchtigkeit zu binden. Tägliches Duschen oder Waschen mit Wasser und Seife sorgt häufig für eine zu trockene Haut im Gesicht und am ganzen Körper, weil damit immer wieder der schützende Fettfilm entfernt wird. Waschen mit einer rückfettenden Lotion und regelmässiges Eincremen mit einer harnstoffhaltigen Lotion versorgt die Haut mit der benötigten Feuchtigkeit.
Sonne: Der grösste Feind der Haut ist die Sonne. Weil Sonnenbrände die Hautalterung fördern, sollte man sich konsequent schützen. Ein Grund mehr, Tagescremen zu benutzen, die häufig schon einen Lichtschutzfaktor enthalten. Wer sich länger im Freien aufhält, sollte die der Sonne ausgesetzten Hautpartien zusätzlich mit einer Sonnenschutzcreme mit ausreichendem Schutzfaktor eincremen.
Ungesunder Lebensstil: Zu wenig Schlaf, schlechte Ernährung und Stress zeigen sich auch auf der Haut. Gönnen Sie sich Ruhezeiten, essen Sie ausgewogen, bewegen Sie sich viel, trinken Sie genügend Wasser. Die Haut wird es Ihnen danken.
Rauchen: Schon kleine Mengen Nikotin sorgen dafür, dass die Haut weniger mit Nährstoffen versorgt wird. Die Haut von Rauchern wird schneller rau, spröde, grobporig und faltig.
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