Schwanger Die doppelte Last des Rauchens

Noch immer schaden (zu) viele schwangere Raucherinnen ihren Ungeborenen.
Noch immer schaden (zu) viele schwangere Raucherinnen ihren Ungeborenen.

Wenn ein Kind im Bauch heranwächst, schadet der Zigarettenkonsum zwei Menschen. Trotzdem können viele Frauen auch während der Schwangerschaft nicht auf Nikotin verzichten. Doch wie den Raustopp schaffen?

In der Schwangerschaft haben viele Mühe, das Rauchen aufzugeben. Dabei sind die Folgen des Zigarettenkonsums für das ungeborene Kind massiv: Weil die rauchende Schwangere ihrem Kind Sauerstoff und Nahrung entzieht, wird das Wachstum und das Gewicht des Fötus negativ beeinflusst. Seine Startbedingungen ins Leben sind beeinträchtigt – mit vielfältigen Nachteilen für seine Entwicklung.

Der Ausstieg lohnt sich in jeder Phase der Schwangerschaft: Selbst im achten Monat macht es noch Sinn aufzuhören. Das Argument, das werdende Kind leide unter dem plötzlichen Nikotinentzug, stimmt nicht. Jede Zigarette, die nicht geraucht wird, fördert die Entwicklung des Kindes. Wer es nicht schafft, den Konsum ganz einzuschränken, sollte ihn so weit wie möglich reduzieren.

Rauchfrei wohnen mit Kindern

Genau dies machte Beatrix W.: Statt fast zwei Schachteln wie bis anhin rauchte sie nur noch sechs Zigaretten pro Tag. «Daran habe ich mich die ganzen neun Monate und auch während der Stillzeit gehalten.» Angst, mit ihrem Zigarettenkonsum die Entwicklung ihres Sohnes zu behindern, verspürte sie nie. «Ich hatte während der ganzen Schwangerschaft ein gutes Gefühl.» Sohn Jason wog bei der Geburt 3550 Gramm und war 50 Zentimeter gross. Kaum war er da, erklärten Harald und Beatrix W. die ganze Wohnung zur rauchfreien Zone. «Wir wollen Jason nicht unnötig mit Schadstoffen belasten.»

Diese Haltung ist nicht selbstverständlich. Kinderärzte staunen immer wieder, wie egoistisch rauchende Eltern sind. Von den Kindern, die sie wegen Ohrenentzündung, Bronchitis, Asthma oder anderen Atemwegsbeschwerden behandeln, wachsen mehr als die Hälfte in einer Raucherfamilie auf. Das heisst: Mindestens ein Elternteil raucht in der Wohnung.

Die Risiken

Geringere Fruchtbarkeit
Die Wahrscheinlichkeit, ein Kind zu empfangen, ist bei rauchenden Paaren mehr als 30 Prozent kleiner. Die Schadstoffe beeinträchtigen die Eizellenreifung und die Spermienproduktion.

Frühgeburt
Raucht eine Schwangere zehn Zigaretten pro Tag, erhöht sich das Risiko einer Frühgeburt um 70 Prozent.

Entwicklungsstörungen
Babys von Raucherinnen kommen oft zu klein und zu leicht zur Welt. Je mehr die Frau während der Schwangerschaft raucht, umso weniger wiegt später das Neugeborene. Babys starker Raucherinnen sind bei der Geburt oft runzlig und grau.

Plötzlicher Kindstod
Bei einer Schwangeren, die bis zu neun Zigaretten pro Tag raucht, ist die Wahrscheinlichkeit eines plötzlichen Kindstodes fünfmal höher als bei Nichtraucherinnen.

Allergien und Asthma
Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft rauchten, oder Kinder, die später Zigarettenrauch ausgesetzt sind, haben häufiger Allergien. Das Asthmarisiko liegt 30 Prozent höher.

Krebsrisiko
Krebs erregende Substanzen im Tabakrauch sind im Blut ungeborener Kinder nachweisbar – auch wenn die Mutter Passivraucherin ist. Die Plazenta ist keine Barriere gegen solche Schadstoffe.

Unterstützung beim Rauchstopp

Die einzig richtige Anleitung, um sich das Rauchen abzugewöhnen, gibt es nicht. Jede ausstiegswillige Person sucht ihren eigenen Weg. Einige verzichten von heute auf morgen auf Zigaretten, andere schwören auf Akupunktur, Hypnose oder Nikotinpräparate. Hier ein paar Tipps, die den Ausstieg erleichtern:

 

  1. Bei Unruhe, Nervosität, Reizbarkeit:
    Entspannungsübungen machen, für genügend Schlaf sorgen, an die frische Luft gehen.
  2. Bei starkem Bedürfnis nach Nikotin:
    Warten Sie ab. Das Verlangen klingt nach kurzer Zeit ab. Bis dahin ein Glas Wasser trinken, einen Apfel essen, ein Bonbon oder einen Kaugummi nehmen, Zähne putzen oder spazieren gehen.
  3. Bei Schlafschwierigkeiten:
    Abends keinen Kaffee trinken, vor dem Schlafen ein Glas Wasser oder warme Milch trinken, genügend Bewegung am Tag.
  4. Bei gesteigertem Appetit:
    Kalorienarme Lebensmittel bevorzugen, mehr Früchte und Gemüse essen.
Autor:
  • Denise Battaglia
Bild:
  • Thinkstock Kollektion