Beobachter: Wie geht es Ihnen?
EHEC-Patient*: Ich könnte jetzt sagen: «beschissen» – und das würde es ziemlich exakt treffen.

Beobachter: Schmerzen?
EHEC-Patient
: Ja. Ich hatte noch nicht oft in meinem Leben so grosse Schmerzen wie jetzt wegen diesem EHEC-Bakterium. Ich habe nun seit acht Tagen blutigen Durchfall. Am meisten zu schaffen machen mir die Magenkrämpfe. Bevor es zum Stuhlgang kommt – anfangs alle 30 Minuten, jetzt etwa jede Stunde -, merkst du jede Windung des Darms, spürst, wie alles nachrutscht. Auf eine Schmerzskala von Eins bis Zehn gäbe ich eine glatte Acht.

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Beobachter: Aber Sie sind zuhause, nicht etwa in Spitalquarantäne?
EHEC-Patient
: Ja, ich liege eigentlich den ganzen Tag herum. So ist mir am wohlsten. Man kann nicht viel mehr tun als abwarten und Tee trinken, viel Tee trinken.

Beobachter: Wissen Sie, wo Sie sich angesteckt haben?
EHEC-Patient: Vermutlich an einem Salatbuffet in Kiel, Norddeutschland. Ich war beruflich dort. Meine Freundin, die mich besuchen kam, hat sich auch angesteckt. Ihr geht es aber bedeutend besser als mir. Vielleicht habe ich mich aber auch schon zuvor in Hamburg angesteckt. Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit, kann ja offenbar bis zu zehn Tage betragen.

Beobachter: Wann haben Sie gemerkt, dass es sich nicht um eine «gewöhnliche» Magenverstimmung handelt?
EHEC-Patient: Leider erst im Flugzeug zurück in die Schweiz. Ich las in der Zeitung vom EHEC-Keim und den klassischen Symptomen. Da war der Fall für mich eigentlich klar. Im Spital in Zürich wurde der Verdacht dann bestätigt.

Beobachter: Nun sind schon mehrere Personen an den Folgen der Bakterien-Infektion gestorben. Haben Sie Angst?
EHEC-Patient: Nein, Angst nicht. Aber unwohl ist mir schon. Diese enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) sollen ja ziemlich aggressiv sein und können Blut, Gehirn und Nieren angreifen. Meine Blut- und Nierenwerte sind jedoch noch okay. Aber das kann sich leider jederzeit ändern. Vielleicht könnte ich schon morgen nicht mehr mit Ihnen telefonieren.

Beobachter: Bekommen Sie Medikamente?
EHEC-Patient: Nur eines gegen die Krämpfe. Und am Wochenende war ich im Spital für eine Infusion, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Mehr kann man nicht machen. Antibiotika darf man ja auf keinen Fall nehmen, weil dies die Sache nur noch giftiger machen würde.

Beobachter: Wie reagieren die Menschen in Ihrem Umfeld auf Ihre Erkrankung?
EHEC-Patient: Sie gehen mir natürlich aus dem Weg. Ist ja klar bei Schlagzeilen wie «Killer-Keim», «Killer-Gurke» oder «Todes-Bakterium».

Beobachter: Haben Ihnen die Ärzte irgendwelche Verbote oder Verhaltensregeln auferlegt?
EHEC-Patient: Ich muss einfach regelmässig, sicher aber nach jedem Stuhlgang, meine Hände desinfizieren. Und jetzt wäre nicht gerade die Zeit, um Freunde zum Essen einzuladen. Aber darauf hätte ich, ehrlich gesagt, auch keine grosse Lust.

* Name der Redaktion bekannt.

In Deutschland mehren sich die Fälle von EHEC-Infektionen - auch weitere europäische Länder sind inzwischen betroffen. Der Erreger Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) kann blutigen Durchfall verursachen und bei Komplikationen zu Nierenversagen, Blutarmut und im schlimmsten Fall zum Tode führen. Mehrere Menschen in Deutschland sind in den letzten Tagen daran gestorben. In der Schweiz liegen gemäss Bundesamt für Gesundheit die aktuellen Fallzahlen weiterhin im Rahmen der üblichen saisonalen Schwankungen der letzten Jahre.

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