Das zeigt Wirkung: Bei einer Umfrage von BeobachterNatur unter rund 200 Neuntklässlern aus der ganzen Deutschschweiz fallen die Schüler aus dem Rämibühl-Schulhaus positiv auf. Hier trennt nach eigenen Angaben rund die Hälfte der befragten Jugendlichen den Abfall – das sind deutlich mehr als zum Beispiel in Basel, Altdorf oder Tiefencastel.
Wie viele grüne Flecken es in der Schweizer Schullandschaft gibt, weiss man nicht genau. Denn über die ökologische Gesinnung der rund 730 000 Schülerinnen und Schüler in unserem Land ist relativ wenig bekannt. «Es gibt praktisch keine Daten zum Umweltbewusstsein der Jungen», sagt Rolf Jucker, Geschäftsleiter der Stiftung Umweltbildung Schweiz (SUB). In der Schweiz fehle offenbar der politische Wille, diese zu erheben und zu reagieren.
Besser erforscht ist die Haltung der Jugendlichen betreffend Umweltschutz in Nachbarländern wie Österreich oder Deutschland. Gemäss einer Umfrage des renommierten Wiener Instituts für empirische Sozialforschung fürchten sich zum Beispiel rund 90 Prozent der österreichischen Jugendlichen vor den Folgen der Umweltzerstörung. Im Vergleich dazu haben bloss 27 Prozent Angst vor Arbeitslosigkeit. Ausserdem bezeichnet die Mehrheit der rund 1200 befragten Jugendlichen den Umweltschutz als «wichtigstes politisches Ziel».
Dass Klimawandel und Umweltzerstörung Jugendliche bewegen, zeigt auch eine Umfrage der Jugendzeitschrift «Bravo» von 2009: Über 80 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler sind bereit, für den Schutz des Klimas auf Annehmlichkeiten zu verzichten. Für die Schweiz liegen dank einer OECD-Sonderauswertung der Pisa-Studie von 2006 wenigstens Erhebungen zum Umweltwissen der 15-Jährigen vor: Unter den 57 untersuchten Ländern belegt unser Land Rang 18 – und liegt damit deutlich hinter Österreich und etwa auf gleicher Höhe wie Deutschland.
Doch beim «ökologischen Bewusstsein» handelt es sich um ein komplexes Phänomen, das sich nicht nur auf Wissen reduzieren lässt. Auch Befürchtungen und Betroffenheit spielen eine Rolle. «Ich habe manchmal grosse Angst vor der Zukunft, weil ich denke, dass die Natur nicht mehr lange überlebt», sagt etwa Sara Zgraggen aus Altdorf. Viele Teenager sehen für die Zukunft schwarz. Einige befürchten gar den baldigen Weltuntergang und führen das Jahr 2012 und den gleichnamigen Katastrophenfilm an. Andere erwähnen die Klimakonferenz in Kopenhagen vom vergangenen Dezember: Da habe man ja gesehen, dass nur das Geld zähle, lautet der Tenor. Oft begründen die befragten Schülerinnen und Schüler ihre pessimistische Haltung auch damit, dass sich die Menschen nicht ändern würden: Sie seien zu «bequem», «egoistisch» oder «dumm».
Über andere urteilen ist einfach. Doch wie steht es um das persönliche Engagement der Jugendlichen? Am häufigsten wird das Entsorgen des Mülls in Abfalleimern genannt, gefolgt von Abfalltrennung, dem Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel und dem Ausschalten nicht verwendeter Elektrogeräte. Nur zwei der befragten Schüler schreiben, dass sie «nichts für die Umwelt» tun. Auffallend ist, dass Schüler aus höheren Leistungsstufen mehr Ideen formulieren, wie sie die Umwelt schützen könnten, und mehr Massnahmen aufzählen. Schüler mit Migrationshintergrund verhalten sich nicht weniger umweltbewusst als solche mit Schweizer Wurzeln.
Das Problem bei Umfragen zur persönlichen Haltung besteht darin, dass immer nur die Absicht erhoben werden kann. So ist es durchaus möglich, dass sich die von BeobachterNatur befragten Schüler weniger umweltfreundlich verhalten, als sie behaupten. Oder in den Worten von Lehrer Tumasch Cathomen aus Altdorf: «Wie man es machen müsste, wissen sie sehr wohl. Aber mit dem Umsetzen hapert es dann und wann.» Bei sich selber anfangen sei eben mit Verzicht verbunden. Zudem lässt sich aus der Tatsache, dass 15-Jährige oft mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Velo unterwegs sind, keine ökologische Grundhaltung ablesen – schliesslich dürfen sie noch nicht Auto fahren. Deshalb wurden die 15-Jährigen auch gefragt, ob sie glauben, dass der Gedanke an die Umwelt sie auch später im Erwachsenenalter bei Konsumentscheidungen beeinflussen würde. Das Spektrum der Antworten reicht von «Nein, ich habe keine Lust, meine Träume und Wünsche einzuschränken – andere tun das schliesslich auch nicht» bis «Ich will Architekt werden und Ökohäuser bauen».
Jugendliche lassen sich, wie Erwachsene auch, nicht in einen Topf werfen: Die Jugend gibt es nicht. Je nach Geschlecht und sozialer Situation vertreten sie ganz unterschiedliche Meinungen. Diesen Aspekt berücksichtigt die Shell-Jugendstudie aus dem Jahr 2006. Sie unterscheidet zwischen «robusten Materialisten», «zögerlichen Unauffälligen», «pragmatischen Idealisten» und «selbstbewussten Machern».
Bei der Umfrage von BeobachterNatur ist die Kategorie der «pragmatischen Idealisten» mit Abstand die grösste. Diese Gruppe befürwortet Umweltschutz – wenn er nicht zu viel kostet oder den Lebensstandard nicht zu stark beeinträchtigt: Ist etwa der Preisunterschied zwischen Bio- und herkömmlichen Produkten zu gross, entscheiden sich «pragmatische Idealisten» eben für die konventionelle Variante. Viele verstricken sich in Widersprüche: Sie schreiben, dass ihnen die Natur wichtig sei – träumen aber trotzdem vom eigenen Auto. «Ökologisch gehandelt wird, wenn es billig und bequem ist – und wenn alle anderen es auch machen», erklärt Bildungsexperte Jucker das Phänomen. Das sei auch bei Erwachsenen so (siehe Artikel aus BeobachterNatur 3/09 «Wir handeln «grün», wo es am bequemsten ist»).
Egal, wie engagiert sie sind: Über 90 Prozent der 15-Jährigen finden Umweltschutz «wichtig» bis «sehr wichtig» – auch diejenigen, die praktisch nichts darüber wissen. Einige Jugendliche wünschen sich mehr Inputs. «Politiker sollten mehr Werbung für den Umweltschutz machen und auch die Jugendlichen dafür begeistern», meint zum Beispiel die Sekundarschülerin Larissa Eich aus Altdorf, «denn ich weiss praktisch nichts über Umweltschutz, und darum interessiert es mich nicht so.» Florian Egli aus St. Gallen findet sogar: «Wir haben in der Schule gar nichts über Umweltschutz erfahren. Da sollte etwas gemacht werden – und zwar schon ab der ersten Klasse.» Und was sein Klassenkamerad Liridon Gashi sagt, mutet schon fast wie ein Hilfeschrei an: «Etwas, was der Umwelt viel hilft, tue ich nicht. Ich würde gern, bloss – was?»
Eigentlich müssten die Jugendlichen einiges über Umweltschutz wissen. Denn Umweltbildung hat hierzulande eine lange Tradition. Sie basiert auf der Natur- und Heimatschutzerziehung, deren Wurzeln bis ins Jahr 1910 zurückreichen, als der Schweizerische Bund für Naturschutz gegegründet wurde. Damals engagierten sich Biologielehrer und Naturschützer für mehr Umweltbildung an den Schulen.
Bis das Thema einen festen Platz in den Lehrplänen hatte, dauerte es jedoch ein paar Jahrzehnte. Erst 1988 verabschiedete die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren eine Erklärung zur Umwelterziehung an Schulen. Darin heisst es etwa: «Umweltthemen sollen vermehrt Eingang in die Lehrpläne und die Lehrmittel finden» oder «Umwelterziehung soll keine Ängste wecken, sondern Möglichkeiten zur Bewältigung von Problemen aufzeigen».
Doch die kantonalen Lehrpläne weisen grosse Interpretationsspielräume auf. «Je nach Werthaltung lassen die Lehrkräfte Umweltthemen mehr oder weniger stark einfliessen», sagt SUB-Fachmann Rolf Jucker. «Zudem werden immer mehr Erziehungsaufgaben an die Schule delegiert – sogar die Rettung der Welt.»
Die SUB gilt als nationales Kompetenz- und Koordinationszentrum für Umweltbildung im Schulsystem. Als solches ist sie auch an der Erarbeitung des neuen «Lehrplans 21» beteiligt. Dieser soll ab dem Jahr 2014 in allen Deutschschweizer Kantonen gelten und endlich verbindliche Richtlinien schaffen. Von konkreten Zielsetzungen ist man derzeit aber noch weit entfernt. Bis jetzt steht einzig fest, dass der Aufbau von «Kompetenzen» gefördert werden soll.
Relevante Lernziele der Umweltbildung sind etwa Reflexionsfähigkeit und Medienkompetenz. Nur wer weiss, wie die Medien funktionieren, kann Schlagzeilen, wie sie im Zusammenhang mit fehlerhaften Daten des Weltklimaberichts aufgetaucht sind, etwa «Die Klimalüge – ein Skandal, der zum Himmel stinkt» oder «Klima-Gate», richtig einordnen.
Ginge es nach der SVP, hätten solche Themen in der Schule gar nichts verloren: Es brauche keine «Palaverstunden über die Klimaerwärmung», meint der Zürcher Nationalrat Ulrich Schlüer. Laut SVP-Positionspapier zur Qualität an Volksschulen würden klassische Schulfächer wie Naturkunde, Geografie oder Chemie verdrängt und der ideologischen Beeinflussung von Schülern Tür und Tor geöffnet.
Bei der Umweltbildung handle es sich nicht um «Palaver», halten Bildungsexperten wie Rolf Jucker dagegen: «Nachhaltigkeit ist seit 1999 als eines der obersten Staatsziele in der Verfassung festgehalten.» Zudem gehe es nicht darum, den Schülern «linke» oder «grüne» Meinungen aufzudrängen, «sondern ihnen zu ermöglichen, Funktionsmechanismen und Machtstrukturen unserer Gesellschaft zu verstehen».
So oder so: Die politisch korrekte Umsetzung der Lehrpläne ist nur die erste Hürde. «Die Schüler müssen das vermittelte Wissen auch aufnehmen, und Wissen muss zu Handeln werden – das ist die grösste Herausforderung», sagt Bildungsexperte Rolf Jucker.
«Wissen ist Voraussetzung, aber noch lange nicht Garant für ökologisches Handeln», betont auch Cornelia Haefeli von der Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz (Pusch) – einer Nonprofit-Organisation, die seit 20 Jahren sogenannten Abfallunterricht in Schulen durchführt. «Damit Umweltbildung erfolgreich ist, müssen Kinder und Jugendliche einen direkten Bezug zu ihrem Alltag und möglichst konkrete Handlungsmöglichkeiten sehen», erklärt Haefeli. Werde im Unterricht Abfalltrennung gepredigt, gebe es im Schulhaus aber weder einen Komposthaufen noch eine PET-Sammelstelle, dann könne Wissen nicht zum Handeln führen. Im Gegenteil: Die Schüler gewöhnten sich so leicht daran, Kompromisse einzugehen und sich wider besseres Wissen unökologisch zu verhalten.
Lernen im Alltag ist also wichtig. Alltag findet aber nicht nur in der Schule, sondern vor allem auch in der Familie und in der Freizeit statt. «Der normale Lebenskontext ist ein starker Bildner. Die Schule spielt in diesem Konzert mit, hat aber nicht immer die dominante Stimme», erklärt Rolf Jucker. Und für Cornelia Haefeli haben die Eltern sogar eindeutig den grössten Einfluss: «Wer als Kind häufig in der Natur unterwegs war und ihre Schönheit erlebt hat, wird sie auch als Erwachsener schätzen – und was man schätzt, das schützt man.» Die Schule könne zwar Wissenslücken beheben, aber die emotionale Basis könne eigentlich nur von den Eltern geschaffen werden.
Dass das Elternhaus einen grossen Einfluss hat, zeigt auch die BeobachterNatur-Umfrage: Ist Umweltschutz zu Hause ein Thema, verfügen die Jugendlichen meist über mehr Wissen und haben auch mehr Ideen, was sie persönlich zum Schutz
der Umwelt beitragen können. So schreibt etwa Stella Prandi aus Altdorf: «Meine Eltern trennen den Abfall, haben Stromsparlampen, kein Auto und kaufen ‹Bio›.» Das Trennen von Abfällen ist für Stella eine Selbstverständlichkeit, und als Erwachsene will sie ebenfalls biologisch einkaufen und weiterhin die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Ihre Haltung begründet die 14-Jährige mit den Worten: «Mir ist Umweltschutz wichtig, da ich gewohnt bin, so zu leben.»
Wie wichtig die Familie ist, zeigt das Beispiel des 14-jährigen Jakob Hochueli. Er hat seine Leidenschaft für Vögel bei einer Exkursion mit seiner Mutter entdeckt – und ist heute ein aktiver Vogelschützer (siehe Nebenartikel «Ich fühle mich den Vögeln einfach verbunden»).
Natürlich gibt es auch Ausnahmen von der Regel. «Zu Hause wird viel über die Umwelt diskutiert, aber ich finde das unwichtig», sagt der 15-jährige Fabrizio, der die Kantonale Mittelschule in Altdorf besucht. «Ich lasse meine Meinung dadurch nicht beeinflussen. Auto – egal, es muss einfach schnell sein. Kleider – egal, ich gehe einfach mit der Mode. Lebensmittel – egal, einfach Fleisch.» Ökologisch denkende Eltern sollten sich durch solche Beispiele nicht abschrecken lassen, sagt Rolf Jucker: «Auflehnung und Abgrenzung ist in diesem Alter völlig normal.» Betroffenen Eltern rät der Umweltbildner: «Mit gutem Beispiel vorangehen, Diskussionen austragen, aber nicht ins Predigen verfallen.»
Orientieren sich Kinder hauptsächlich an ihren Eltern, so suchen sich Jugendliche vermehrt Vorbilder ausserhalb der Familie – in den Medien oder im Freundeskreis. Im negativen Fall ist es ein Popstar ohne Tiefgang oder eine Jugendclique, in der das sogenannte Littering – das achtlose Wegwerfen von Flaschen und Fastfood-Verpackungen – zum guten Ton gehört.
Jugendliche suchen sich aber nicht aus Prinzip schlechte Idole. Nach Vorbildern befragt, nennen einige Knaben aus dem Entlebuch den Solarpionier Bertrand Piccard oder den Rapper Stress, dessen Texte oft eine ökologische Botschaft vermitteln. Schüler verschiedener Klassen erwähnen Al Gore und dessen Film «Eine unbequeme Wahrheit» (2007), den sie entweder in der Schule oder zu Hause gesehen haben. Einen besonders grossen Eindruck hat der ehemalige US-Vizepräsident beim 16-jährigen Tizian Ulber aus Tiefencastel hinterlassen. Er bezeichnet sich als «Fan von Al Gore» und schreibt: «Ich will andere Menschen zur gleichen Meinung bringen, wie ich sie habe.»
Schule, Eltern, Idole – sie formen das Umweltbewusstsein der Heranwachsenden massgeblich. Für SUB-Geschäftsleiter Rolf Jucker gibt es jedoch noch einen vierten Faktor: die Vorbildfunktion der Gesellschaft. «Wie ökologisch Jugendliche handeln, ist auch abhängig vom System.» Solange die Wirtschaft ökologisches Verhalten nicht preislich belohne, werde die Mehrheit ihre Konsumgewohnheiten nicht ändern, kritisiert er. «Diesbezüglich ist auch die Politik gefordert – mit regulierenden Massnahmen.»
Wer denkt, dass Kinder und Jugendliche komplexe Zusammenhänge nicht verstehen, unterschätzt sie. Sie wählen einfach direktere Worte. So fordern viele Schüler günstigere öffentliche Verkehrsmittel oder mehr Geld für Solaranlagen. Jugendliche spielen den Ball zuweilen auch elegant zurück. Während Erwachsene über die Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln debattieren, fordern Jugendliche mehr Taten statt Worte. So bringt Stefan Bieri aus dem Entlebuch die Meinung vieler Neuntklässler mit folgenden Worten auf den Punkt: «Politiker sollten nicht nur über Umweltschutz reden, sie sollten auch etwas dafür tun.»
www.umweltbildung.ch – die Stiftung Umweltbildung Schweiz (SUB) hat eine umfassende Datenbank erstellt, die sich beispielsweise nach Lehrmitteln, Institutionen oder Themen durchsuchen lässt.
Umweltbildung
Grün sein macht Schule
Die meisten Jugendlichen finden Umweltschutz wichtig und möchten etwas für den Erhalt der Natur tun. Das zeigt eine Umfrage von BeobachterNatur. Doch damit aus guten Absichten auch Taten werden, sind engagierte Lehrer und vorbildliche Eltern gefragt.
Nebenartikel
Jakob Hochuli, Vogelschützer: «Ich fühle mich den Vögeln einfach verbunden»
Andres Wirz, Solarförderer: «Es braucht einfach noch ein bisschen Überzeugungsarbeit»
Annalena Schatzmann, Claire Dentand, Redaktorinnen: «Manchmal tut Schreiben weh»
Artikel zum Thema
Schulprojekte: Klasse für Klassen
(Ausgabe: 0/2009)
Naturschutz: Werden Sie aktiv!
(Ausgabe: 0/2009)
Bildung: Das grünste Klassenzimmer
(Ausgabe: 9/11)
Es ist 10.20 Uhr. Ein Dreiklang ertönt, die Türen öffnen sich. Pause im Zürcher Realgymnasium Rämibühl. Schüler eilen in die nächste Stunde. Andere stehen in Gruppen zusammen und diskutieren über die soeben absolvierte Prüfung, schnöden über Lehrer und Mitschüler oder präsentieren die Errungenschaften ihrer letzten Shoppingtour: hier ein iPhone, da modische Ugg-Stiefel, dort die neusten Nike-Sportschuhe.
Eine ganz normale Schule mit ganz normalen Schülerinnen und Schülern – könnte man meinen. Doch etwas ist speziell im Rämibühl: In diesem Schulhaus wird Ökologie nicht nur grossgeschrieben, sondern auch im Alltag gelebt. Bewegungsmelder, Stromsparlampen und energieeffiziente Geräte drosseln den Stromkonsum. Die Verantwortlichen haben den Wasserverbrauch verringert, und in den Kopiergeräten verwendet die Lehrerschaft nur noch Recyclingpapier. Ausserdem stellt der Hausdienst die nötige Infrastruktur für die Abfalltrennung bereit.
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Das zeigt Wirkung: Bei einer Umfrage von BeobachterNatur unter rund 200 Neuntklässlern aus der ganzen Deutschschweiz fallen die Schüler aus dem Rämibühl-Schulhaus positiv auf. Hier trennt nach eigenen Angaben rund die Hälfte der befragten Jugendlichen den Abfall – das sind deutlich mehr als zum Beispiel in Basel, Altdorf oder Tiefencastel.
Wie viele grüne Flecken es in der Schweizer Schullandschaft gibt, weiss man nicht genau. Denn über die ökologische Gesinnung der rund 730 000 Schülerinnen und Schüler in unserem Land ist relativ wenig bekannt. «Es gibt praktisch keine Daten zum Umweltbewusstsein der Jungen», sagt Rolf Jucker, Geschäftsleiter der Stiftung Umweltbildung Schweiz (SUB). In der Schweiz fehle offenbar der politische Wille, diese zu erheben und zu reagieren.
Viele Jugendliche sehen schwarz
Besser erforscht ist die Haltung der Jugendlichen betreffend Umweltschutz in Nachbarländern wie Österreich oder Deutschland. Gemäss einer Umfrage des renommierten Wiener Instituts für empirische Sozialforschung fürchten sich zum Beispiel rund 90 Prozent der österreichischen Jugendlichen vor den Folgen der Umweltzerstörung. Im Vergleich dazu haben bloss 27 Prozent Angst vor Arbeitslosigkeit. Ausserdem bezeichnet die Mehrheit der rund 1200 befragten Jugendlichen den Umweltschutz als «wichtigstes politisches Ziel».
Dass Klimawandel und Umweltzerstörung Jugendliche bewegen, zeigt auch eine Umfrage der Jugendzeitschrift «Bravo» von 2009: Über 80 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler sind bereit, für den Schutz des Klimas auf Annehmlichkeiten zu verzichten. Für die Schweiz liegen dank einer OECD-Sonderauswertung der Pisa-Studie von 2006 wenigstens Erhebungen zum Umweltwissen der 15-Jährigen vor: Unter den 57 untersuchten Ländern belegt unser Land Rang 18 – und liegt damit deutlich hinter Österreich und etwa auf gleicher Höhe wie Deutschland.
Doch beim «ökologischen Bewusstsein» handelt es sich um ein komplexes Phänomen, das sich nicht nur auf Wissen reduzieren lässt. Auch Befürchtungen und Betroffenheit spielen eine Rolle. «Ich habe manchmal grosse Angst vor der Zukunft, weil ich denke, dass die Natur nicht mehr lange überlebt», sagt etwa Sara Zgraggen aus Altdorf. Viele Teenager sehen für die Zukunft schwarz. Einige befürchten gar den baldigen Weltuntergang und führen das Jahr 2012 und den gleichnamigen Katastrophenfilm an. Andere erwähnen die Klimakonferenz in Kopenhagen vom vergangenen Dezember: Da habe man ja gesehen, dass nur das Geld zähle, lautet der Tenor. Oft begründen die befragten Schülerinnen und Schüler ihre pessimistische Haltung auch damit, dass sich die Menschen nicht ändern würden: Sie seien zu «bequem», «egoistisch» oder «dumm».
Über andere urteilen ist einfach. Doch wie steht es um das persönliche Engagement der Jugendlichen? Am häufigsten wird das Entsorgen des Mülls in Abfalleimern genannt, gefolgt von Abfalltrennung, dem Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel und dem Ausschalten nicht verwendeter Elektrogeräte. Nur zwei der befragten Schüler schreiben, dass sie «nichts für die Umwelt» tun. Auffallend ist, dass Schüler aus höheren Leistungsstufen mehr Ideen formulieren, wie sie die Umwelt schützen könnten, und mehr Massnahmen aufzählen. Schüler mit Migrationshintergrund verhalten sich nicht weniger umweltbewusst als solche mit Schweizer Wurzeln.
Das Problem bei Umfragen zur persönlichen Haltung besteht darin, dass immer nur die Absicht erhoben werden kann. So ist es durchaus möglich, dass sich die von BeobachterNatur befragten Schüler weniger umweltfreundlich verhalten, als sie behaupten. Oder in den Worten von Lehrer Tumasch Cathomen aus Altdorf: «Wie man es machen müsste, wissen sie sehr wohl. Aber mit dem Umsetzen hapert es dann und wann.» Bei sich selber anfangen sei eben mit Verzicht verbunden. Zudem lässt sich aus der Tatsache, dass 15-Jährige oft mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Velo unterwegs sind, keine ökologische Grundhaltung ablesen – schliesslich dürfen sie noch nicht Auto fahren. Deshalb wurden die 15-Jährigen auch gefragt, ob sie glauben, dass der Gedanke an die Umwelt sie auch später im Erwachsenenalter bei Konsumentscheidungen beeinflussen würde. Das Spektrum der Antworten reicht von «Nein, ich habe keine Lust, meine Träume und Wünsche einzuschränken – andere tun das schliesslich auch nicht» bis «Ich will Architekt werden und Ökohäuser bauen».
Vielen fehlt das konkrete Wissen
Jugendliche lassen sich, wie Erwachsene auch, nicht in einen Topf werfen: Die Jugend gibt es nicht. Je nach Geschlecht und sozialer Situation vertreten sie ganz unterschiedliche Meinungen. Diesen Aspekt berücksichtigt die Shell-Jugendstudie aus dem Jahr 2006. Sie unterscheidet zwischen «robusten Materialisten», «zögerlichen Unauffälligen», «pragmatischen Idealisten» und «selbstbewussten Machern».
Bei der Umfrage von BeobachterNatur ist die Kategorie der «pragmatischen Idealisten» mit Abstand die grösste. Diese Gruppe befürwortet Umweltschutz – wenn er nicht zu viel kostet oder den Lebensstandard nicht zu stark beeinträchtigt: Ist etwa der Preisunterschied zwischen Bio- und herkömmlichen Produkten zu gross, entscheiden sich «pragmatische Idealisten» eben für die konventionelle Variante. Viele verstricken sich in Widersprüche: Sie schreiben, dass ihnen die Natur wichtig sei – träumen aber trotzdem vom eigenen Auto. «Ökologisch gehandelt wird, wenn es billig und bequem ist – und wenn alle anderen es auch machen», erklärt Bildungsexperte Jucker das Phänomen. Das sei auch bei Erwachsenen so (siehe Artikel aus BeobachterNatur 3/09 «Wir handeln «grün», wo es am bequemsten ist»).
Egal, wie engagiert sie sind: Über 90 Prozent der 15-Jährigen finden Umweltschutz «wichtig» bis «sehr wichtig» – auch diejenigen, die praktisch nichts darüber wissen. Einige Jugendliche wünschen sich mehr Inputs. «Politiker sollten mehr Werbung für den Umweltschutz machen und auch die Jugendlichen dafür begeistern», meint zum Beispiel die Sekundarschülerin Larissa Eich aus Altdorf, «denn ich weiss praktisch nichts über Umweltschutz, und darum interessiert es mich nicht so.» Florian Egli aus St. Gallen findet sogar: «Wir haben in der Schule gar nichts über Umweltschutz erfahren. Da sollte etwas gemacht werden – und zwar schon ab der ersten Klasse.» Und was sein Klassenkamerad Liridon Gashi sagt, mutet schon fast wie ein Hilfeschrei an: «Etwas, was der Umwelt viel hilft, tue ich nicht. Ich würde gern, bloss – was?»
Die Lernziele sind noch schwammig
Eigentlich müssten die Jugendlichen einiges über Umweltschutz wissen. Denn Umweltbildung hat hierzulande eine lange Tradition. Sie basiert auf der Natur- und Heimatschutzerziehung, deren Wurzeln bis ins Jahr 1910 zurückreichen, als der Schweizerische Bund für Naturschutz gegegründet wurde. Damals engagierten sich Biologielehrer und Naturschützer für mehr Umweltbildung an den Schulen.
Bis das Thema einen festen Platz in den Lehrplänen hatte, dauerte es jedoch ein paar Jahrzehnte. Erst 1988 verabschiedete die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren eine Erklärung zur Umwelterziehung an Schulen. Darin heisst es etwa: «Umweltthemen sollen vermehrt Eingang in die Lehrpläne und die Lehrmittel finden» oder «Umwelterziehung soll keine Ängste wecken, sondern Möglichkeiten zur Bewältigung von Problemen aufzeigen».
Doch die kantonalen Lehrpläne weisen grosse Interpretationsspielräume auf. «Je nach Werthaltung lassen die Lehrkräfte Umweltthemen mehr oder weniger stark einfliessen», sagt SUB-Fachmann Rolf Jucker. «Zudem werden immer mehr Erziehungsaufgaben an die Schule delegiert – sogar die Rettung der Welt.»
Die SUB gilt als nationales Kompetenz- und Koordinationszentrum für Umweltbildung im Schulsystem. Als solches ist sie auch an der Erarbeitung des neuen «Lehrplans 21» beteiligt. Dieser soll ab dem Jahr 2014 in allen Deutschschweizer Kantonen gelten und endlich verbindliche Richtlinien schaffen. Von konkreten Zielsetzungen ist man derzeit aber noch weit entfernt. Bis jetzt steht einzig fest, dass der Aufbau von «Kompetenzen» gefördert werden soll.
Relevante Lernziele der Umweltbildung sind etwa Reflexionsfähigkeit und Medienkompetenz. Nur wer weiss, wie die Medien funktionieren, kann Schlagzeilen, wie sie im Zusammenhang mit fehlerhaften Daten des Weltklimaberichts aufgetaucht sind, etwa «Die Klimalüge – ein Skandal, der zum Himmel stinkt» oder «Klima-Gate», richtig einordnen.
Ginge es nach der SVP, hätten solche Themen in der Schule gar nichts verloren: Es brauche keine «Palaverstunden über die Klimaerwärmung», meint der Zürcher Nationalrat Ulrich Schlüer. Laut SVP-Positionspapier zur Qualität an Volksschulen würden klassische Schulfächer wie Naturkunde, Geografie oder Chemie verdrängt und der ideologischen Beeinflussung von Schülern Tür und Tor geöffnet.
Die Eltern legen das Fundament
Bei der Umweltbildung handle es sich nicht um «Palaver», halten Bildungsexperten wie Rolf Jucker dagegen: «Nachhaltigkeit ist seit 1999 als eines der obersten Staatsziele in der Verfassung festgehalten.» Zudem gehe es nicht darum, den Schülern «linke» oder «grüne» Meinungen aufzudrängen, «sondern ihnen zu ermöglichen, Funktionsmechanismen und Machtstrukturen unserer Gesellschaft zu verstehen».
So oder so: Die politisch korrekte Umsetzung der Lehrpläne ist nur die erste Hürde. «Die Schüler müssen das vermittelte Wissen auch aufnehmen, und Wissen muss zu Handeln werden – das ist die grösste Herausforderung», sagt Bildungsexperte Rolf Jucker.
«Wissen ist Voraussetzung, aber noch lange nicht Garant für ökologisches Handeln», betont auch Cornelia Haefeli von der Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz (Pusch) – einer Nonprofit-Organisation, die seit 20 Jahren sogenannten Abfallunterricht in Schulen durchführt. «Damit Umweltbildung erfolgreich ist, müssen Kinder und Jugendliche einen direkten Bezug zu ihrem Alltag und möglichst konkrete Handlungsmöglichkeiten sehen», erklärt Haefeli. Werde im Unterricht Abfalltrennung gepredigt, gebe es im Schulhaus aber weder einen Komposthaufen noch eine PET-Sammelstelle, dann könne Wissen nicht zum Handeln führen. Im Gegenteil: Die Schüler gewöhnten sich so leicht daran, Kompromisse einzugehen und sich wider besseres Wissen unökologisch zu verhalten.
Lernen im Alltag ist also wichtig. Alltag findet aber nicht nur in der Schule, sondern vor allem auch in der Familie und in der Freizeit statt. «Der normale Lebenskontext ist ein starker Bildner. Die Schule spielt in diesem Konzert mit, hat aber nicht immer die dominante Stimme», erklärt Rolf Jucker. Und für Cornelia Haefeli haben die Eltern sogar eindeutig den grössten Einfluss: «Wer als Kind häufig in der Natur unterwegs war und ihre Schönheit erlebt hat, wird sie auch als Erwachsener schätzen – und was man schätzt, das schützt man.» Die Schule könne zwar Wissenslücken beheben, aber die emotionale Basis könne eigentlich nur von den Eltern geschaffen werden.
Dass das Elternhaus einen grossen Einfluss hat, zeigt auch die BeobachterNatur-Umfrage: Ist Umweltschutz zu Hause ein Thema, verfügen die Jugendlichen meist über mehr Wissen und haben auch mehr Ideen, was sie persönlich zum Schutz
der Umwelt beitragen können. So schreibt etwa Stella Prandi aus Altdorf: «Meine Eltern trennen den Abfall, haben Stromsparlampen, kein Auto und kaufen ‹Bio›.» Das Trennen von Abfällen ist für Stella eine Selbstverständlichkeit, und als Erwachsene will sie ebenfalls biologisch einkaufen und weiterhin die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Ihre Haltung begründet die 14-Jährige mit den Worten: «Mir ist Umweltschutz wichtig, da ich gewohnt bin, so zu leben.»
Wie wichtig die Familie ist, zeigt das Beispiel des 14-jährigen Jakob Hochueli. Er hat seine Leidenschaft für Vögel bei einer Exkursion mit seiner Mutter entdeckt – und ist heute ein aktiver Vogelschützer (siehe Nebenartikel «Ich fühle mich den Vögeln einfach verbunden»).
Natürlich gibt es auch Ausnahmen von der Regel. «Zu Hause wird viel über die Umwelt diskutiert, aber ich finde das unwichtig», sagt der 15-jährige Fabrizio, der die Kantonale Mittelschule in Altdorf besucht. «Ich lasse meine Meinung dadurch nicht beeinflussen. Auto – egal, es muss einfach schnell sein. Kleider – egal, ich gehe einfach mit der Mode. Lebensmittel – egal, einfach Fleisch.» Ökologisch denkende Eltern sollten sich durch solche Beispiele nicht abschrecken lassen, sagt Rolf Jucker: «Auflehnung und Abgrenzung ist in diesem Alter völlig normal.» Betroffenen Eltern rät der Umweltbildner: «Mit gutem Beispiel vorangehen, Diskussionen austragen, aber nicht ins Predigen verfallen.»
Orientieren sich Kinder hauptsächlich an ihren Eltern, so suchen sich Jugendliche vermehrt Vorbilder ausserhalb der Familie – in den Medien oder im Freundeskreis. Im negativen Fall ist es ein Popstar ohne Tiefgang oder eine Jugendclique, in der das sogenannte Littering – das achtlose Wegwerfen von Flaschen und Fastfood-Verpackungen – zum guten Ton gehört.
Jugendliche suchen sich aber nicht aus Prinzip schlechte Idole. Nach Vorbildern befragt, nennen einige Knaben aus dem Entlebuch den Solarpionier Bertrand Piccard oder den Rapper Stress, dessen Texte oft eine ökologische Botschaft vermitteln. Schüler verschiedener Klassen erwähnen Al Gore und dessen Film «Eine unbequeme Wahrheit» (2007), den sie entweder in der Schule oder zu Hause gesehen haben. Einen besonders grossen Eindruck hat der ehemalige US-Vizepräsident beim 16-jährigen Tizian Ulber aus Tiefencastel hinterlassen. Er bezeichnet sich als «Fan von Al Gore» und schreibt: «Ich will andere Menschen zur gleichen Meinung bringen, wie ich sie habe.»
Jugendliche wollen Taten sehen
Schule, Eltern, Idole – sie formen das Umweltbewusstsein der Heranwachsenden massgeblich. Für SUB-Geschäftsleiter Rolf Jucker gibt es jedoch noch einen vierten Faktor: die Vorbildfunktion der Gesellschaft. «Wie ökologisch Jugendliche handeln, ist auch abhängig vom System.» Solange die Wirtschaft ökologisches Verhalten nicht preislich belohne, werde die Mehrheit ihre Konsumgewohnheiten nicht ändern, kritisiert er. «Diesbezüglich ist auch die Politik gefordert – mit regulierenden Massnahmen.»
Wer denkt, dass Kinder und Jugendliche komplexe Zusammenhänge nicht verstehen, unterschätzt sie. Sie wählen einfach direktere Worte. So fordern viele Schüler günstigere öffentliche Verkehrsmittel oder mehr Geld für Solaranlagen. Jugendliche spielen den Ball zuweilen auch elegant zurück. Während Erwachsene über die Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln debattieren, fordern Jugendliche mehr Taten statt Worte. So bringt Stefan Bieri aus dem Entlebuch die Meinung vieler Neuntklässler mit folgenden Worten auf den Punkt: «Politiker sollten nicht nur über Umweltschutz reden, sie sollten auch etwas dafür tun.»
Link zum Thema
www.umweltbildung.ch – die Stiftung Umweltbildung Schweiz (SUB) hat eine umfassende Datenbank erstellt, die sich beispielsweise nach Lehrmitteln, Institutionen oder Themen durchsuchen lässt.
«Ich habe manchmal grosse Angst vor der Zukunft, weil ich denke, dass die Natur nicht mehr lange überlebt.»
Sara Zgraggen, Altdorf
«Politiker sollten mehr Geld für die Forschung im Bereich Elektroautos und Solaranlagen einsetzen – und das Wissen an andere Länder weitergeben.»
Armin Lustenberger, Entlebuch
«Ich finde Umweltschutz wichtig. Wir sollten zu unserer Welt Sorge tragen, denn sie ist die einzige Welt, die wir haben.»
Nina Solenthaler, St. Gallen
«Ich will Architekt werden und Ökohäuser bauen. Mein Vorbild ist Bertrand Piccard; er zeigt, dass man mit Sonnenenergie sogar fliegen kann.»
Raoul Dubois, Zürich
«An einem Sozialtag waren wir im Wald. Wir waren mit dem Förster unterwegs und haben aufgeräumt. Das war wirklich ein toller Tag.»
Jill Herger, Altdorf
«Die Menschen sind viel zu egoistisch, als dass sie auf die Umwelt Rücksicht nehmen würden – ich inbegriffen.»
Sheena Müller, Zürich
«Etwas, was der Umwelt viel hilft, tue ich nicht. Ich würde gern, bloss – was?»
Liridon Gashi, St. Gallen
«Am Kinofilm ‹2012› könnte was dran sein. Also bestimmt, wenn wir so weitermachen.»
Jennifer Renggli, Entlebuch
«Meine Mutter ist eine Umweltschützerin. Darum durfte ich kein Töffli haben. Später werde ich mir ein Auto kaufen, es aber nur brauchen, wenn ich weit weg muss.»
Ayumi Nojima, Altdorf
«Ich trenne Karton, Glas und Papier und verwende wenn möglich rezyklierte Sachen. Und ich bin Mitglied beim WWF.»
Sara Petrus, Zürich
«In der Schule haben wir gar nichts über Umweltschutz erfahren. Da sollte etwas gemacht werden – und zwar schon ab der ersten Klasse.»
Florian Egli, St. Gallen
«Politiker sollten die Zugbillette billiger machen, damit mehr Leute mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen.»
Simon Brun, Entlebuch
Aktiv sein: Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche
Die Umwelt braucht Nachwuchs, der sich engagieren möchte. Darum führen fast alle grösseren Natur- und Umweltschutzorganisationen spezielle Jugendprogramme. Neben Arbeit gibt es hier auch viel Spass – bei gemeinsamen Ausflügen, Lagern und Projekten.
Greenpeace
Die Umweltorganisation bietet Jugendlichen gleich mehrere Optionen. Wer gerne zupackt, kann mit dem «JugendSolar-Projekt» auf Dächer steigen und Solaranlagen installieren oder sich mit «Kids for Forest» für den Wald engagieren. In den «Greenteams» findet man Gleichgesinnte, und auf der Internetseite, Rubrik «Was kann ich tun?», gibt es unter dem Stichwort «Learning for the Planet» Tipps zur Erstellung von Facharbeiten über Umweltthemen.
www.greenpeace.ch
WWF
Der WWF holt Kinder bereits im zarten Alter von drei Jahren ab – mit den «LiLu-Panda»-Malheften. Für Primarschüler gibt es das «Panda»-Heft und die beliebten WWF-Lager. Auf Streifzügen im Freien sowie durch Spiele und Beobachtungen lernen die Kinder die Natur in ihrer Schönheit und Vielfalt kennen und schätzen. Die Internetplattform www.pandaction.ch richtet sich mit Tipps zum Aktivsein speziell an Jugendliche.
www.wwf.ch
Pro Natura
Die Naturschutzorganisation führt rund 50 regionale Jugendnaturschutzgruppen. Kinder und Jugendliche können sich in der Nähe ihres Wohnorts informieren und engagieren. Natürlich sind auch bei Pro Natura die Lager jeweils Höhepunkt des Jahres. Da viele der Ferienwochen in Zusammenarbeit mit «Jugend + Sport» stattfinden, stehen hier neben spannenden Naturbeobachtungen auch Outdoor-Aktivitäten auf dem Programm – zum Beispiel Schneeschuhlaufen, Bergwandern oder Hüttenbauen.
www.pronatura.ch
SVS/Birdlife Schweiz
Beim Schweizer Vogelschutz (SVS) gibt es sogar 75 regionale Jugendgruppen. Sie setzen sich auf lokaler Ebene für den Schutz von Vögeln ein. Höhepunkte des Jahres sind neben Lagern der internationale Zugvogeltag oder das Schweizer «Bird Race». Bei diesen «Vogelrennen» gilt es, innerhalb von 24 Stunden möglichst viele Vogelarten zu entdecken – es locken viele Preise und etwas Ruhm und Ehre.
www.birdlife.ch
Schweizer Tierschutz
Standaktionen, Postkartenverkauf oder Spendenaufruf: Krax.ch, das Kinderportal des Schweizer Tierschutzes, zeigt, wie Kinder bereits ab Primarschulstufe aktiv werden können, und steht den jungen Aktivisten beratend zur Seite. Zudem bietet sie viele Informationen für Tierfreunde, und natürlich lädt auch der Schweizer Tierschutz zum Sommerlager.
www.krax.ch
Silviva
Die Familienferien der Stiftung Silviva für Umweltbildung und Wald stehen Kindern in Begleitung der Eltern offen. Hier sollen Jung und Alt auf ihre Kosten kommen: Die Kinder entdecken die Natur unter professioneller Führung, während sich die Eltern auch mal alleine entspannen und Kraft tanken können.
www.silviva.ch
Now Future!
Die Stiftung Zukunftsrat unterstützt mit der Aktion «noW future!» Schulklassen, Jugendgruppen oder auch einzelne Jugendliche, die sich mit einem Projekt für die Zukunft engagieren möchten. Umweltschutz ist einer von mehreren möglichen Themenbereichen. Einzelne Projekte werden nach Bedarf mit Fördergeldern unterstützt.
www.now-future.ch
Stiftung Umwelteinsatz
Die Stiftung Umwelt-Einsatz plant, vermittelt und betreut einwöchige Gruppeneinsätze von Freiwilligen zum Schutz und zur Pflege der Natur. Die Einsätze finden schweizweit statt, meist in den Bergen. Jugendliche ab 15 können nur im Klassenverbund teilnehmen, junge Erwachsene ab 18 Jahren auch als Einzelpersonen.
www.umwelteinsatz.ch
naturschutz.ch
Das Portal bietet eine umfangreiche Linkliste, die sowohl für Kinder und Jugendliche wie auch für Eltern und Lehrkräfte ein idealer Ausgangspunkt für weitere Recherchen ist. Unter dem Stichwort «Umwelteinsätze und Lager» etwa finden sich diverse Projekteinträge.
www.naturschutz.ch
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© BeobachterNatur Ausgabe 2 vom 12. Mär 2010 - Alle Rechte vorbehalten