Fahrrad Die vier schönsten Routen der Schweiz

Ob Tourenvelo, Rennrad, Mountainbike oder für die ganze Familie: Für jeden Radtyp stellen wir die schönste Strecke der Schweiz vor.

aktualisiert am 04. Mai 2016 16:38

Route 1 – Bern: Urbane Kontraste

Start und Ziel: Bern BE
Velotyp: Fahrrad, familientauglich
Distanz: 27,1 km
Höhendifferenz: 530 m

Die GPS-Daten für diese Route können Sie hier gratis herunterladen.
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«Nume nid gschprängt!» – in Bern ticken die Uhren langsamer. So zumindest will es das gängige Klischee. Wer allerdings die meteorologischen Zeichen richtig deutet, sollte jetzt nicht mehr allzu viel Zeit verlieren. Schon der nächste heftige Herbststurm pustet die farbige Blätterpracht von den Bäumen, und die erste Kaltwetterfront kann einem die Freude an der geplanten Fahrradtour gründlich verderben.

Die familienfreundliche Bundesstadt hält für grosse und kleine Entdecker auf zwei Rädern manche Überraschung bereit. Natürlich kann sich die Schweizer Hauptstadt nicht mit der «Bike City» Kopenhagen und ihren über 400 Kilometern Radwegen messen, doch dafür sind hier die Wege besonders kurz. Zwischen den Sehenswürdigkeiten, Läden und gemütlichen Kaffees der historischen Altstadt einerseits und den kinderfreundlichen Ausflugszielen in unmittelbarer Zentrumsnähe andererseits.

Bundeshaus, Zytglogge, Kornhauskeller, Münster und Einsteinmuseum befinden sich in bequemer Distanz. Auch Bärenpark, Rosengarten, Aareufer, Tierpark Dählhölzli und den Berner Hausberg Gurten erreicht man bereits nach kurzer Fahrt. Und in kaum einer anderen Schweizer Stadt entflieht man dem geschäftigen Gewusel der Innenstadt so einfach und schnell wie in Bern. Wer der stets präsenten Aare folgt, taucht schon nach kurzer Zeit in den Thormeboden-, Richenbach- oder Bremgartenwald ein. Spätestens am Wohlensee, bei der aufgestauten Aare, vergessen die grossen und kleinen Stadtradler, dass sie sich eigentlich auf Besuch in der Schweizer Hauptstadt befinden.

Wer hat den Mut und hüpft bei der Wohleibrücke ins kühle Nass? Gut, dass einem auf der ansteigenden Asphaltstrasse zurück durch den Bremgartenwald wieder warm wird. Oder spätestens beim neu angelegten Pumptrack beim Kinderspielplatz, kurz bevor man in das Länggassquartier einbiegt. «Aber e chly hü!» geht es dann zurück zum Bahnhof, damit der Intercity den Ausflüglern nicht vor der Nase wegfährt.

Perfekt für einen Familientag: An der Aare können sich gross und klein vergnügen.
 

Route 2 – Stelvio: In Fausto Coppis Windschatten

Start und Ziel: Glurns GR
Velotyp: Rennrad
Distanz: 83,3 km (Tag 1) / 54,7 km (Tag 2) / 63,1 km (Tag 3)
Aufstieg total: 3600 m

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Unser zweiter Trip führt uns innert drei Tagen über drei Pässe – eine anspruchsvolle Tour, die sich aber beliebig abkürzen lässt. Am ersten Tag gehts durch die herrliche Nationalpark-Landschaft über den Ofenpass, das Spitzkehren-Feeling fehlt hier allerdings noch: Der Pass kommt ohne Haarnadelkurven aus.

Wir übernachten in Scuol, wo ein Sprung ins Thermalbad die Strapazen des Tages vergessen lässt. Am nächsten Morgen führt uns der Reschenpass kurz nach Österreich und Italien. Auf dem Pass ist für einmal nicht die Ortstafel das beliebteste Fotosujet der Rennradfahrer, sondern die Spitze des Kirchturms, die aus dem Reschenstausee ragt. Am dritten Tag nehmen wir das Stilfersjoch in Angriff. Insgesamt 48 Spitzkehren führen zum 2757 Meter hohen Pass. Im Kopfkino schaltet Rennradchampion Fausto Coppi beim Giro d’Italia 1953 gerade drei Gänge runter, schüttelt seinen ärgsten Rivalen Hugo Koblet ab und legt den Grundstein für seinen späteren Giro-Sieg: Eine Legende ist geboren.

Ein Triumph ist die Passhöhe auch für Hobbyrennfahrer. Immerhin 24,6 Kilometer und 1844 Höhenmeter geht es ab Prad die Nordrampe hinauf. Die «Königin der Passstrassen» war für viele besondere Momente verantwortlich.

Die Gelegenheit ist nie günstiger als jetzt: Wenn der Winter bald Einzug hält, kehrt auch am Pass etwas Ruhe ein. Der Blick schweift über das in herbstliche Farben getauchte Trafoital und zum vergletscherten Ortler. Einmal noch in Faustos Windschatten. Der Winter kann kommen!

Zur Passhöhe auf dem Stilfserjoch führen 48 Spitzkehren, die anschliessende Abfahrt belohnt Radsportler für die Strapazen.
 

Route 3 - Saflisch: Ein seltener Spass

Start und Ziel: Brig VS
Velotyp: Mountainbike
Distanz: 23,3 km (Tag 1) / 26,8 km (Tag 2)
Aufstieg total: 2790 m

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Hier sagen sich Wolf und Schneehase gute Nacht. Der Landschaftspark Binntal bietet unzähligen seltenen Tier- und Pflanzenarten einen geschützten Lebensraum. Insgesamt 184 Arten, die auf der Roten Liste stehen, leben in den Flachmooren, Magerwiesen, Fichten- und Föhrenwäldern dieses abgelegenen Walliser Seitentals. Wer also offenen Auges im Fahrradsattel sitzt, kann zwischen Gletschervorfeldern, alpinen Auen und Bergseen viel erleben. Auch jetzt noch, da von vielen Pflanzen nicht viel mehr übrig ist als ein dürrer Stängel oder eine leere Samenkapsel und sich zahlreiche Tiere schon für ihre Winterruhe zurückgezogen haben.

Auf dem 2563 Meter hohen Saflischpass herrscht sowieso himmlische Ruhe. Kein Motorengeheul, kein menschlicher Laut, nicht einmal der Wind findet hier Bäume oder Büsche, durch die er pfeifen könnte. Aber es sind gerade die Menschenleere und die Kargheit, die diesen relativ gut erreichbaren Übergang auszeichnen.

Und natürlich das, was danach folgt und die lange Bergfahrt erst recht lohnend macht: die Aussicht von der verkehrsfreien Sonnenterrasse Rosswald und der Singletrail, der in schier endlosen Schleifen via Bächwald und Salginatobel zurück nach Brig führt.

Diese Tour ist zwar anstrengend, der Biker wird aber mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt.
 

Route 4 – Appenzell: Tour durch die Voralpen-Toskana

Start und Ziel: Trogen AR
Velotyp: Tourvelo
Distanz: 33,6 km
Höhendifferenz: 1100 m

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Ein deutsches Rennradmagazin verglich das Appenzeller Vorderland einmal mit der Toskana. Die Gemeinsamkeiten sind nicht offensichtlich, weder meteorologisch noch kulinarisch.

Wer sich allerdings etwas eingehender mit der Topografie beschäftigt, merkt schnell, dass der Vergleich nicht komplett hinkt. Eine sanfte Hügellandschaft, landwirtschaftlich geprägte Streusiedlungen und ein weit verzweigtes Netz verkehrsarmer Nebenstrassen – die Beschreibung trifft auf beide Regionen uneingeschränkt zu. Eins hat die Ostschweizer Region ihrem italienischen Pendant allerdings voraus, das sie für Tourenradfahrer geradezu prädestiniert: eine perfekte Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Abhängig vom persönlichen Fitnessniveau und der gewünschten Tagesdistanz, bieten sich zwischen Bodensee und Alpsteinmassiv schier unendliche Kombinationsmöglichkeiten für Touren. Nicht verpassen sollte man das Biedermeierdorf Heiden, die alte Kantonshauptstadt Trogen und Aussichtspunkte wie den Fünfländerblick oder den St. Anton. Letzteren muss man sich zwar mit einiger Anstrengung verdienen, dafür ist der Ausblick auf Bodensee, Vorarlberger und Liechtensteiner Gipfel sowie Rheintal einmalig.

Hoch über dem Bodensee: Diese Route bietet sensationelle Ausblicke.
Autor:
  • Jürg Buschor
Bild:
  • Annette Boutellier
02. Oktober 2015, Beobachter 20/2015

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