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Magische Wasserfälle

Wuchtige 
Lebensspender

Text:
  • Andrea Freiermuth
  •  und Tatjana Stocker
Bild:
  • Gerry Nitsch
Ausgabe:
5/11

Tosende Gischt, schillernde Regenbogen im Sprühnebel und die gewaltige Kraft des Wassers.

Wenn Wasser tosend in die Tiefe stürzt, entsteht eine unvergleichliche Geräuschkulisse – zum Beispiel bei den Reichenbachfällen.

Wer sich in der Prallzone eines Wasserfalls aufhält, kann nicht anders, als beeindruckt zu sein. Manch einer fühlt sich sogar eigenartig erholt nach dem Genuss eines solchen Naturspektakels. Esoterik, Physik und Biologie haben ganz unterschiedliche Theorien, warum fallendes Wasser eine solche Wirkung auf uns hat.

Esoteriker nehmen an, dass die Luft am Fuss eines Wasserfalls mit negativen Ionen geschwängert sei – und dadurch wie ein ­Regenerator wirke. «Im Wasser eines Flusses gibt es immer negativ und positiv geladene Ionen», erklärt Andreas Vaterlaus, Professor für Festkörperphysik an der ETH Zürich. Ihm seien jedoch keinerlei Beweise bekannt, dass diese durch ihre Felder regenerierend auf den menschlichen Körper wirkten. Er nimmt an, dass das fein zerstäubte Wasser am Fuss eines Wasserfalls das Atmen erleichtert und so allenfalls eine belebende Wirkung haben könne. Für den Physiker ist vor allem die Umwandlung von Lage- in ­Bewegungsenergie faszinierend – sowie die komplizierten Strömungsmuster, die bei einem Wasserfall im Wasser und in der Luft entstehen. Auch für Biologen sind Luftfeuchtigkeit und Windströmungen von besonderem Interesse. Die feuchten und sich bewegenden Luftmassen lassen ein Mikroklima und spezielle Biotope entstehen. Ein besonders schönes Beispiel eines sich zerstäubenden Wasserfalls ist der Staubbachfall bei Lauterbrunnen mit seinem grossen, saftgrünen Algenteppich.

Wasserfälle sind in der Schweiz so selbstverständlich, dass ­lange niemand auf die Idee kam, sie zu erfassen. Diese Lücke ­haben die Geographen Christian Schwick und Florian Spichtig vor vier Jahren gefüllt, indem sie eine Datenbank erstellten und ein Buch schrieben. «Die Wasserfälle der Schweiz» enthält Beschreibungen zu 129 Wasserfällen, ist aber im Moment leider vergriffen. Eine Neuauflage ist für 2012 geplant. Für die Vorbereitung auf ­einen Ausflug empfiehlt sich die dazugehörige Website. www.waterfall.ch

An heissen Tagen: Tipps für alle Fälle


  • Rheinfall ZH/SH: Der ­bekannteste Wasserfall Europas zieht pro Jahr rund eineinhalb Millionen Besucher an – er ist das bestbesuchte Naturobjekt in der Schweiz. www.rheinfall.ch

  • Maderanertal UR: Während einer Zweitageswanderung lassen sich hier insgesamt acht grosse Wasserfälle in fünf Bächen bestaunen. www.silenen.ch

  • Staubbachfall BE: Als Goethe den Nebel aus feinen Wassertröpfchen erblickte, war er so ergriffen, dass er gleich seine Feder zückte – und den «Gesang der Geister über den Wassern» niederschrieb. www.mylauterbrunnen.com

  • Trümmelbachfälle BE: Nicht nur ein visuelles, sondern auch ein akustisches Erlebnis. Der Trümmelbach fällt über zehn Stufen auf 140 Höhenmetern durch eine zugängliche Schlucht – und kracht dabei ohren­betäubend gegen den Fels. www.truemmelbachfaelle.ch

  • Reichenbachfälle BE: Die Wasserfälle bei Meiringen sind in die Weltliteratur eingegangen. Hier fanden Sherlock Holmes und sein Gegenspieler Moriarty durch einen Sturz im Kampf den Tod. www.reichenbachfall.ch

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© BeobachterNatur Ausgabe 5 vom 01. Jun 2011 - Alle Rechte vorbehalten

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