Wildtiere

Kein Grund zur Panik

Text:
  • Vera Sohmer
Bild:
  • Jupiterimages Stock-Kollektion
Ausgabe:
20/07

Wer auf einer Wanderung zufällig einem wilden Tier begegnet, hat Glück. Beachtet man nämlich ein paar wenige Verhaltensregeln, besteht selten Gefahr.

Bär

Ob Bär, Fuchs, Luchs, Wolf oder Wildschwein: «Dass Wildtiere Menschen angreifen, ist sehr selten», sagt Christoph Jäggi vom Bundesamt für Umwelt. Dennoch sollte man die Tiere nicht stören, sich ihnen nicht nähern und sie niemals in die Enge treiben. Denn versperrt man einem Wildtier den Fluchtweg, setzt es sich zur Wehr.

 

Beim Bären ist es wichtig, sich rechtzeitig als Mensch bemerkbar zu machen, bei Luchsen und Wölfen muss man sich aber nicht sorgen. Sie sind für Menschen ungefährlich und flüchten in aller Regel. Wer das seltene Glück hat, eines der scheuen Tiere zu entdecken, sollte sich möglichst ruhig verhalten und hastige Bewegungen vermeiden.

 

Nach Angaben des Bundesamts für Umwelt halten sich in der Schweiz in den Kantonen Bern, Graubünden, Waadt und Wallis zurzeit fünf bis sieben Wölfe auf. An die 100 Luchse leben in den Alpen, im Jura und in der Nordostschweiz. Wildschweinen kann man am ehesten im Mittelland und im Jura begegnen, vereinzelt leben sie ebenfalls in den Voralpen. «Wildschweine sind noch nicht wieder in alle Gebiete der Schweiz eingewandert», sagt Wildtierbiologe Fabio Bontadina. Allerdings erobern sie immer mehr Lebensraum zurück. Von Natur aus ist auch das Wildschwein scheu, Menschen geht es aus dem Weg. Vorsicht ist jedoch im Frühjahr angebracht: Dann sollte man besser nicht ins Unterholz gehen, denn dort kann ein Nest mit Frischlingen versteckt sein. Und eine aufgeschreckte Bache kann aus Angst um ihren Nachwuchs genauso rabiat werden wie eine Bärin.

 

Anzeige:


Der Fuchs hingegen ist ein weit verbreiteter Überlebenskünstler. Man kann ihn auf 2000 Metern Höhe ebenso antreffen wie in Stadt- oder Siedlungsgebieten. Oberste Regel: Nicht füttern, denn hat sich ein Fuchs erst einmal an Menschen gewöhnt, kann er ziemlich lästig werden.

 

Vorsicht vor dem Fuchsbandwurm

Wichtig: In der Schweiz und den angrenzenden Gebieten gibt es seit einiger Zeit keine Tollwut mehr. Von Wildtieren geht also keine Ansteckungsgefahr aus. Auch die Übertragung von anderen Krankheiten oder Parasiten auf den Menschen ist selten. Vorsicht geboten ist laut Christoph Jäggi allerdings beim Fuchsbandwurm: Die Krankheitserreger befinden sich im Kot der Füchse. Deshalb sollte man Beeren und Pilze aus dem Wald nicht einfach essen, sondern sie immer zuerst gründlich waschen.

So reagieren Sie richtig


  • Benutzen Sie nur ausgeschilderte Bike- und Wanderwege.

  • Hunde gehören immer an die Leine, denn bei ihnen ist der Jagdinstinkt sehr ausgeprägt.

  • Vorsicht ist grundsätzlich angezeigt, wenn man Junge sieht: Muttertiere können aus Angst um ihren Nachwuchs sehr angriffslustig werden.

  • Wer ein verletztes oder krankes Tier entdeckt, sollte es nicht anfassen, sondern die Wildhut oder die Jagdbehörde benachrichtigen.

  • Bären sind zwar grundsätzlich scheu. Sie lernen aber schnell, sich an Futterquellen zu gewöhnen und in Siedlungsgebiete vorzudringen. Daher gilt: Beim Wandern im Bärengebiet keine Essensreste zurücklassen und das Tier niemals mit Futter anlocken.

  • Falls Sie einen Bären sehen, entfernen Sie sich langsam, ohne ihn aus den Augen zu lassen und ohne ihm den Fluchtweg zu versperren. Wenn er Sie entdeckt: Reden Sie mit ruhiger Stimme und unterlassen Sie Drohgebärden, werfen Sie also nicht mit Steinen oder Stöcken. Verzichten Sie zugunsten Ihrer eigenen Sicherheit auf einen Bärenschnappschuss. Im Normalfall wird sich der Bär aus dem Staub machen.

  • Greift der Bär an, hilft nur eines: Ruhe bewahren! Legen Sie sich auf den Bauch, verschränken Sie die Hände im Nacken, stellen Sie sich tot. Rennen Sie auf keinen Fall davon. Der Bär erkennt so, dass Sie weder Beute noch eine Gefahr für ihn sind. In dieser Stellung müssen Sie ausharren, bis das Tier genug weit weg ist.

  • Begegnungen mit Bären sollte man der Jagdbehörde melden, besonders wenn sich der Bär aggressiv zeigt.

© BeobachterNatur Ausgabe 20 vom 26. Sep 2007 - Alle Rechte vorbehalten

created by snowflake productions gmbh