Kamikatze Fast-Amputation wegen Katzenspucke

Kamikatze: Fast-Amputation wegen Katzenspucke

Als ich mit meiner Katze Faramee in Zürich ankam, lernte ich, dass man sich manchmal wegen der falschen Dinge Sorgen macht.

aktualisiert am 13. Aug 2010 14:59

«War das ein Stress: Wir standen da mit unserer Katze, und der Zöllner wollte uns partout nicht durch lassen - eine Stunde lang hat er mit uns geschimpft. Ich kam mir vor, als versuche ich, waffenfähiges Uran zu schmuggeln.» Dies hatte mir eine Bekannte berichtet, die rund einen Monat zuvor eine Katze aus Spanien geholt hatte. Darum hatte ich die Einfuhrbestimmungen des Bundesamts für Veterinärwesen (BVET) auswendig gelernt, ausgedruckt und mir per E-Mail nochmals bestätigen lassen, was ich brauche und tun muss, um meine neue Katze Faramee von Berlin nach Zürich zu importieren. All das hatte meine Bekannte allerdings auch vorgekehrt...

Nach der schweisstreibenden Gepäckkontrolle am Berliner Flughafen (siehe dazu auch: «Kamikatze: Wenn einer eine Reise tut...») stellte ich mich also auf eine schweisstreibende Zollkontrolle am Zürcher Flughafen ein, während ich mich mit meiner kläglich piepsenden Katzentransporttasche auf unserem Flugzeugsitzplatz einrichtete und dabei versuchte, aus den Bisswunden in meiner linken Hand nicht allzu stark zu bluten. (Fleissige Mitlesende erinnern sich: Faramee hatte sich ja wenige Stunden zuvor in meine Hand verbissen).

Ich konnte mich im Flugzeug nicht über mangelnde Aufmerksamkeit beklagen - sämtliche Sitzreihen vor, neben und hinter uns sahen interessiert zu uns und rundherum erklangen entzückte «Jöös». Ich bedeckte unauffällig meine zerbissene Hand, blickte mich lächelnd um und meinte: «Ja, ganz liebes kleines Kätzchen, ganz, ganz lieb.»

Nach der Landung ging ich schnurstracks in den roten Zollbereich, wie man mir das gesagt hatte. Ich stellte mich auf Ärger ein...

Zehn Minuten später sass ich mit Faramee im Taxi. Der Zoll war überhaupt kein Problem gewesen, und so dachte ich, nun sei alles überstanden.

 

Wenns weh tut, ists gut

Endlich zu Hause, fingen nach rund zwei Stunden allerdings meine Bisswunden an zu tuckern. Vor allem der linke Ringfinger sah ziemlich mitgenommen aus. Ich überlegte, wer mir an einem Sonntagabend um 22 Uhr sagen könne, ob ich mir Sorgen machen muss, und rief beim Ärztefon an.

Die Dame am anderen Ende der Leitung liess sich alles genau erläutern und fasste dann meine Schilderungen zusammen: «Katzenbiss also. Und der betroffene Finger ist dick geschwollen und bläulich-schwarz gefärbt. Tut er denn weh?»
Ich: «Ja, absolut, das tut er.»
Dame: «Das ist gut.»
Ich: ???
Dame: «Wenn ein Gliedmass bläulich-schwarz ist, dann ist es entweder abgestorben, oder es liegt nur ein Bluterguss vor. Wenn der Finger abgestorben wäre, täte er aber nicht mehr weh, also ist es wohl ein Bluterguss.»

Sie meinte, ich solle mir keine Sorgen machen, nur wenn die Schmerzen stärker würden, solle ich meinen Arzt konsultieren, was ich am nächsten Tag auch tat. Als mein Hausarzt den Finger sah, wurde er etwas blass und meinte: «Sie brauchen die Fingerkuppe noch, oder?» Ich wurde sofort in die Notaufnahme des Unispitals überwiesen.

Auch dort guckte man einigermassen besorgt, als man mir erklärte, die Wundränder seien schon sehr entzündet, weshalb man sie auskratzen müsse. Nach einer Stunde am Infusionstropf wurde meine Hand örtlich betäubt und operiert. Das fühlte sich an, als ob ein Vogel mit dem Schnabel kleine Stückchen aus dem Finger zupft. Die Chirurgin erklärte mir derweil, ich sei schon ihr fünfter Katzenbissfall an diesem Tag. Katzenspeichel sei wegen seines Reichtums an Keimen und Erregern eine Ausgeburt der Hölle, weshalb sich solche Wunden fast immer böse entzünden. Rund drei Stunden später wurde mein linker Arm in eine Gipsschiene gelegt, ich wurde krankgeschrieben und bekam die Anweisung, die nächsten vier Tage jeweils um 8 Uhr morgens zur Infektionskontrolle zu erscheinen. Nicht mal ausschlafen lassen sie einen...

Inzwischen ist der Finger gut verheilt und Faramee lebt sich ein.

Kürzlich flog ich wieder nach Berlin, um Verwandtschaft zu besuchen. Aber ohne Katze ist Reisen irgendwie langweilig.

Reisen mit Tieren: Das müssen Sie wissen

Wer mit einem Tier verreisen oder ein Heimtier in die Schweiz einführen will, sollte folgende Einfuhr- und Zollbestimmungen kennen:

 

Wie Faramee sich eingelebt hat...

... erfahren Sie hier.

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Ich habe mich schon lange gefragt, was meine Katzen eigentlich so machen, wenn ich nicht dabei bin... Jetzt bin ich nicht mehr sicher, ob ichs wirklich so genau wissen wollte. Sehen Sie selbst: Der Film

Text:
  • Daniela Blum
Bild:
  • Christoph Aro, pixelio.de

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