• Anzeige:

aktualisiert am 16. Sep 2009 15:40Kamikatze

Ganz – schön – hässlich?

Text:
  • Daniela Blum
Bild:
  • Artroup, Wikimedia

Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters – ein Plädoyer für die nachsichtige Optik.

Ganz – schön – hässlich?

Sphinx-Katzen kam das Fell ursprünglich durch Mutation abhanden; heute werden sie absichtlich so gezüchtet und stellen für manche Menschen ein Schönheitsideal dar.

«Wieso kaufst du dir eigentlich nicht mal ein Haustier, das nicht kaputt ist?», fragte sie. Mein pikierter Blick fand im Gesichtsausdruck der Sprechenden keine Häme: Meine Bekannte meinte das offenbar nicht wertend. Gut für sie. Und ja, ok: Zwei meiner fünf Katzen sind körperlich etwas herausgefordert – der einen fehlt ein Auge, der anderen ein Bein. Und meine dritte ehemalige spanische Strassenkatze kann man ungelogen als ausgesprochen exzentrische Persönlichkeit bezeichnen. Die beiden Kater wiederum sind so alt, dass ich mich nicht wundern würde, fielen sie auf dem Weg zum Futternapf demnächst einfach auseinander. Aber was heisst denn hier «kaputt»?

Meine Bekannte streichelte gerade den 21-jährigen Sahib, als sie bemerkte: «Und schön sind sie ja auch nicht gerade…» So, jetzt aber! Ich nehme ihr meinen unschönen Kater weg. Zugegeben, der alte Mann zeichnet sich durch einen recht gewagten Haarschnitt aus: Sein Pelz ist etwas – sehr – verfilzt, zumal er sich nicht mehr selber putzen kann. Und Bürsten hasst er so sehr, dass er mich jeweils krankenhausreif beisst, wenn ich damit nur schon in seine Nähe komme. Aber rausschneiden geht. Darum sieht er aus wie eine explodierte Fellmütze. Das ist aber nicht «nicht schön», sondern bedarf halt des geübten Auges, um darüber hinwegzusehen.

Anzeige:

Und ja, auch richtig: Als der liebe Gott schmeichelhafte Proportionen, gerade Beine und gut sortierte Gebisseinheiten verteilte, muss meine Katze Mogwai tief geschlafen haben. Und dann verlor sie aufgrund der misslichen Lebensumstände als Strassenkatze auch noch ihr rechtes Auge. Mogwai ist alles in allem vielleicht ein bisschen schief, aber auch sehr tapfer. Und dankbar.

Mogwai betrachtet alles mit einem Augenzwinkern.

Sie ist so dankbar, dass sie an meinen Füssen klebt wie ein Schatten – weshalb ich andauernd über sie stolpere und uns beiden dabei fast das Genick breche. Sie ist so dankbar, dass sie auch nachts nicht von meiner Seite weicht, weshalb ich im Schlaf regelmässig mit dem Erstickungstod ringe, weil ich die Katze beinahe eingeatmet hätte, nachdem sie sich wiedermal quer über mein Gesicht gelegt hat. Diese kleinen Macken machen sie für mich schön. Wie alle meine fünf Katzen nicht zuletzt wegen ihrer mitunter bescheuerten Eigenarten wunderschön sind.

Optische Schönheit hingegen wird völlig überschätzt – Menschen sind ja auch die einzigen Lebewesen, die so viel Wert auf etwas ebenso Subjektives wie Vergängliches legen. Oder glauben Sie etwa, meine Katzen bleiben bei mir, weil ich so schön bin? Nein: Sie bleiben bei mir, weil sie nicht raus können.

Launen der Natur

Das blinde Streben nach Schönheit kann sogar fatal sein: Würden zum Beispiel Beutelteufel, Truthähne oder Warzenschweine ihre Artgenossen nach ästhetischen Kriterien beurteilen, wären sie sehr wahrscheinlich längst ausgestorben.

In der Bildgalerie finden Sie ein paar schöne Beispiele von Geschöpfen, die unser Schönheitsempfinden herausfordern:

Beutelteufel Mike Lehmann

Der Beutelteufel, auch bekannt als Tasmanischer Teufel, müffelt ein bisschen. (Bild: Mike Lehmann)

Truthahn Ltshears

Truthahn; in den USA an Thanksgiving ein beliebtes Festessen (Bild: Ltshears)

Hyaene

Streifenhyäne, schlecht gelaunt (Bild: עמוס חכמון)

Warzenschwein BS Thurner Hof

Warzenschwein – ein äusserst wehrhaftes Tier, das sogar Leoparden in die Flucht schlagen kann (Bild: BS Thurner Hof)

Langschnabeligel Laikayiu

Langschnabeligel; sein Fleisch gilt in seiner Heimat Neuguinea als Delikatesse. (Bild: Laikayiu)

Kalifornischer Kondor Chuck Szmurlo

Der Kalifornische Kondor hat eine Flügelspannweite von bis zu drei Metern. (Bild: Chuck Szmurlo)

Sechsbinden-Guerteltier Whaldener Endo

Gürteltiere werden mancherorts als Schädlingsbekämpfer oder Haustiere gehalten. (Bild: Whaldener Endo)

Marabu Bjwebb

Marabu; seine Federn werden von Kriminalbeamten sehr geschätzt, um an Tatorten Fingerabdrücke sichtbar zu machen. (Bild: Bjwebb)

Nacktmull Trisha M Shears

Nacktmulle können angeblich keinen Schmerz empfinden. (Bild: Trisha M Shears)

Sternmull NPS

Sternmull; mit den fingerförmigen Fortsätzen an seiner Schnauze kann dieser Maulwurf in Sekundenschnelle potenzielle Beute abtasten und auf ihre Geniessbarkeit untersuchen. (Bild: NPS)

Nasenfrosch Karthickbala wiki

Nasikabatrachus sahyadrensis; diese Art der Froschlurche wurde erst 2003 entdeckt. (Bild: Karthickbala)

Schlammspringer Esv

Schlammspringer; dank ihren Brustflossen können sich diese Fische an Land fortbewegen und sogar in Bäume klettern. (Bild: Esv)

Emu Benjamint444

Emus verbringen den grössten Teil des Tages damit zu fressen. (Bild: Benjamint444)

Nasenaffe Bjørn Christian Tørrissen

Nasenaffen sind ausgezeichnete Schwimmer. (Bild: Bjørn Christian Tørrissen)

Ruesselhuendchen Ze Wrestler

Rüsselhündchen; Waldrodungen gefährden den Lebensraum dieser putzigen Tierchen. (Bild: Ze Wrestler)

Uakari Evgenia Kononova

Uakaris werden in manchen Teilen dieser Welt wegen ihres Fleisches gejagt oder auch als Haustiere gehalten. (Bild: Evgenia Kononova)

Helmkasuar Dezidor

Der Helmkasuar ist ein flugunfähiger Vogel aus Australien. (Bild: Dezidor)

Vampirfledermaus Gcarter wiki

Vampirfledermaus; ein Enzym im Speichel dieses kleinen Blutsaugers soll als Medikament Herzinfarkten und Schlaganfällen vorbeugen. (Bild: Gcarter)

Westlicher Schaufelfuss Takwish

Westlicher Schaufelfuss; dieser Froschlurch ist ein entfernter Verwandter des Laubfroschs. (Bild: Takwish)

 

Nächster Artikel: Ganz schön - doof?

Ist Ihr Haustier schlau? Sicher? lesen.

  • Kommentar Formular

© BeobachterNatur Online 16. Sep 2009 - Alle Rechte vorbehalten

created by snowflake productions gmbh