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Wespen

Vorsicht, Stachel!

Text:
  • Marianne Siegenthaler
Bild:
  • Thinkstock Kollektion
Ausgabe:
6/11

Wenn Wespen sich als ungebetene Gäste auf Speisen und Getränke stürzen, können sie das gemütlichste Picknick in einen Dauerstress verwandeln. Während das für die meisten bloss ein Ärgernis ist, stellen Wespen für Allergiker eine reale Gefahr dar.

Wespen: Vorsicht, Stachel!

Sie fallen über fast alles her, was der Mensch gerne isst und trinkt. Ob Zwetschgenwähe, Cervelat, Bier oder Eistee – Wespen sind nicht wählerisch. Darum können sie zur Plage werden. Und gerade im Spätsommer treten Wespen in grossen Mengen auf.

Im Frühling beginnt die Wespenkönigin damit, ihr Volk aufzubauen. Sie legt 
Eier, aus denen Arbeiterinnen schlüpfen, die die Brutpflege übernehmen. Die Königin ist dann nur noch mit der Eiablage 
beschäftigt. Ende Sommer ist das Volk komplett. Die Arbeiterinnen haben ihre Aufgabe erfüllt und können sich nun ganz der Nahrungssuche widmen.

Manchmal gehen sie dabei recht aggressiv vor, so scheint es uns. Im Grunde sind Wespen aber friedlich. Sie attackieren nur, wenn sie sich angegriffen fühlen. Von den sechs häufigen Wespenarten, die bei uns vorkommen, belästigen uns nur die Deutsche und die Gemeine Wespe – und diese Arten stechen auch mal zu.

Rund fünf Prozent sind allergisch

Für normal empfindliche Menschen ist ein Wespenstich zwar schmerzhaft, aber ungefährlich. Eine Ausnahme sind Stiche im Mund- und Rachenbereich, die wegen der Schwellung zu Atemnot führen können. In diesem Fall muss sofort ein Arzt aufgesucht werden. Ansonsten reicht es, wenn man die Einstichstelle mit Eis kühlt, eine halbierte Zwiebel auflegt oder die Schwellung mit Zitronensaft oder Essig beträufelt.

Keineswegs harmlos ist ein Wespenstich für Menschen, die unter einer Insektengiftallergie leiden. In der Schweiz sind rund fünf Prozent davon betroffen. «Insektengifte gehören mit Nahrungsmitteln und Medikamenten zu den drei häufigsten Auslösern einer Anaphylaxie, also einer bedrohlichen allergischen Allgemeinreaktion», sagt Georg Schäppi, Bio­loge und Geschäftsführer des Schweizerischen Zentrums für Allergie, Haut und Asthma (Aha). «Wenige Minuten nach dem Stich kommt es zu Juckreiz, Hautrötungen und Gesichtsschwellungen bis hin zu Nesselfieber, Magen-Darm-Symptomen, in schweren Fällen Atemnot, Kreislaufbeschwerden und Bewusstlosigkeit», erklärt er.

Nicht ganz so gefährlich ist eine schwere Lokalreaktion. Dabei entsteht an der Stichstelle eine über zehn Zentimeter grosse Schwellung, die länger als 24 Stunden anhalten kann. «Betroffene müssen jederzeit ihr Notfallset mitführen und je nach Schwere der Reaktion ein Antihistaminikum einnehmen oder Adrenalin spritzen», so Schäppi.

In beiden Fällen wäre es beruhigend, schon vor einem Notfall zu wissen, ob man allergisch auf Insektengift reagiert. Um das herauszufinden, trägt der Arzt Proben mit stark verdünntem Bienen- und Wespengift auf die Haut auf und beurteilt die Reaktion. Ausserdem können auch spezifische Antikörper im Blut, die das Immunsystem gegen das Gift der Insekten bildet, einen Hinweis auf eine Insektengiftallergie geben.

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Negativer Test ist keine Garantie

Soll man sicherheitshalber seine Kinder testen lassen? «Nein. Das kann man sich allenfalls überlegen, wenn das Kind auch an anderen Allergien leidet oder wenn 
eine familiäre Häufung besteht», sagt Schäppi. «Dazu kommt, dass ein negativer Test keine Garantie dafür ist, dass es auch so bleibt. Allergien aller Art können in jedem Lebensalter auftreten.»

Bleibt als Trost die Gewissheit, dass die Wespeninva­sion von kurzer Dauer ist, denn im Herbst sterben fast alle Tiere an Kälte und Nahrungsmangel.

Apropos Nahrung: Wespen spielen 
eine wichtige Rolle in der Natur. Sie bestäuben nicht nur Blüten, sondern vertilgen auch grosse Mengen an Insekten wie Fliegen oder Mücken – dafür müssten wir doch auch ein bisschen dankbar sein. n

So werden Wespen nicht zur Plage

Ob Allergiker oder nicht: Am besten, es kommt gar nicht erst zu einem Stich. Folgende Verhaltensregeln können helfen:

  • Halten Sie Distanz zu blühenden Blumen und Bäumen und verzichten Sie auf Parfüm, Haarspray oder parfümierte Sonnencremes. Bestimmte Düfte provozieren Wespen zum Angriff.

  • Tragen Sie lange Kleidung und bei der Gartenarbeit Handschuhe.

  • Decken Sie Lebensmittel und Getränke im Freien zu. Kinder bekommen einen Trinkhalm.

  • Keine Garantie, aber einen Versuch wert: eine halbe Zitrone mit Gewürznelken spicken und auf den Tisch stellen. Die meisten Wespen mögen den Duft nicht.

  • Falls es trotz allem zu einer Attacke kommt: Geraten Sie nicht in Panik, machen Sie keine hastigen Bewegungen, und entfernen Sie sich langsam.

Mehr Infos

  • Schweizerisches Zentrum für Allergie, 
Haut und Asthma: www.ahaswiss.ch, Aha-Infoline: 031 359 90 50
  • Kommentar Formular

© BeobachterNatur Ausgabe 6 vom 12. Aug 2011 - Alle Rechte vorbehalten

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