«Intuition hat nichts mit Esoterik zu tun. Sie ist das Resultat von Lernprozessen, die unser Gehirn speichert.»
Vertrauen Sie der abgebildeten Person auf dieser Seite? Eine seltsame Frage, denken Sie jetzt vielleicht, liebe Leserin, lieber Leser. Vermutlich wenden Sie ein, dass man einen Menschen erst beurteilen kann, wenn man ihn näher kennt. Oder dass Vertrauen eine Frage der Zeit ist.
Nicht unbedingt. Glauben wir der Hirnforschung, hat Ihr Bauchgefühl die Vertrauensfrage längst geklärt – schon beim ersten flüchtigen Blick auf diese Seite, noch bevor Sie zu lesen und denken begonnen haben.
Täglich fällen wir Entscheide, bei denen nicht allein der Verstand regiert. Soll man den Vertrag unterschreiben? Die Unterführung meiden? Sein Herz verschenken? In 90 Prozent der Fälle ist es die Intuition, die den Impuls gibt, etwas zu tun oder zu lassen – selbst wenn wir im Nachhinein glauben, völlig rational gehandelt zu haben.
Tatjana Stocker ist für unsere Titelgeschichte dem Bauchgefühl nachgegangen (siehe Artikel zum Thema): seiner in heiklen Momenten oft verblüffenden Überlegenheit gegenüber dem Verstand – aber auch seinem Scheitern. Denn der Bauch ist keine unfehlbare Instanz. Vor allem dann nicht, wenn wichtige Informationen fehlen. Wäre dies anders, dann gäbe es nur Börsengewinner und arbeitslose Paartherapeuten auf der Welt.
Bauchgefühle lassen sich schwer fassen und einordnen. Das zeigt auch eine Meinungsumfrage, die wir für unsere Titelgeschichte in Auftrag gegeben haben. Über 80 Prozent der Befragten glauben, dass Tiere eher als Menschen intuitiv reagieren – eine wissenschaftlich nicht haltbare These. Ins Reich der Klischees gehört auch die verbreitete Ansicht, dass Intuition Frauensache sei. Über 70 Prozent der befragten Frauen glauben, bei wichtigen Entscheiden eher auf den Bauch zu hören als auf den Kopf; bei den Männern waren es 55 Prozent. Tatsächlich handeln Frauen nicht intuitiver als Männer und Männer nicht überlegter als Frauen.
Intuition hat auch nichts mit Esoterik oder übersinnlichen Kräften zu tun, wie viele meinen. Sie ist vielmehr das Resultat von Lernprozessen und Erfahrungen, die unser Gehirn tagtäglich speichert. Stehen wir vor komplexen Problemen, rufen wir unbewusst Informationen aus dieser mentalen «Wissensdatenbank» ab.
Intuition stand auch Pate, als wir vor einem Jahr BeobachterNatur – zunächst als Gratisbeilage des Beobachters – aus der Taufe hoben. Die vielen positiven Reaktionen haben unserem Bauchgefühl recht gegeben: Die Freude an der Natur und die Sorge um die Umwelt sind ungebrochen – auch bei angespannter Wirtschaftslage. In den letzten Wochen haben weit über 10'000 Leserinnen und Leser BeobachterNatur abonniert – noch bevor die erste Ausgabe des neuen «grünen Beobachters» als eigenständige Zeitschrift erschienen ist. Wir danken Ihnen herzlich für dieses Vertrauen und wünschen viel Spass bei der Lektüre.
Editorial
Kopf im Bauch
«Intuition hat nichts mit Esoterik zu tun. Sie ist das Resultat von Lernprozessen, die unser Gehirn speichert.»
Artikel zum Thema
Bauchgefühl: Wie unsere Entscheide entstehen
(Ausgabe: 1/10)
Vertrauen Sie der abgebildeten Person auf dieser Seite? Eine seltsame Frage, denken Sie jetzt vielleicht, liebe Leserin, lieber Leser. Vermutlich wenden Sie ein, dass man einen Menschen erst beurteilen kann, wenn man ihn näher kennt. Oder dass Vertrauen eine Frage der Zeit ist.
Nicht unbedingt. Glauben wir der Hirnforschung, hat Ihr Bauchgefühl die Vertrauensfrage längst geklärt – schon beim ersten flüchtigen Blick auf diese Seite, noch bevor Sie zu lesen und denken begonnen haben.
Täglich fällen wir Entscheide, bei denen nicht allein der Verstand regiert. Soll man den Vertrag unterschreiben? Die Unterführung meiden? Sein Herz verschenken? In 90 Prozent der Fälle ist es die Intuition, die den Impuls gibt, etwas zu tun oder zu lassen – selbst wenn wir im Nachhinein glauben, völlig rational gehandelt zu haben.
Tatjana Stocker ist für unsere Titelgeschichte dem Bauchgefühl nachgegangen (siehe Artikel zum Thema): seiner in heiklen Momenten oft verblüffenden Überlegenheit gegenüber dem Verstand – aber auch seinem Scheitern. Denn der Bauch ist keine unfehlbare Instanz. Vor allem dann nicht, wenn wichtige Informationen fehlen. Wäre dies anders, dann gäbe es nur Börsengewinner und arbeitslose Paartherapeuten auf der Welt.
Bauchgefühle lassen sich schwer fassen und einordnen. Das zeigt auch eine Meinungsumfrage, die wir für unsere Titelgeschichte in Auftrag gegeben haben. Über 80 Prozent der Befragten glauben, dass Tiere eher als Menschen intuitiv reagieren – eine wissenschaftlich nicht haltbare These. Ins Reich der Klischees gehört auch die verbreitete Ansicht, dass Intuition Frauensache sei. Über 70 Prozent der befragten Frauen glauben, bei wichtigen Entscheiden eher auf den Bauch zu hören als auf den Kopf; bei den Männern waren es 55 Prozent. Tatsächlich handeln Frauen nicht intuitiver als Männer und Männer nicht überlegter als Frauen.
Intuition hat auch nichts mit Esoterik oder übersinnlichen Kräften zu tun, wie viele meinen. Sie ist vielmehr das Resultat von Lernprozessen und Erfahrungen, die unser Gehirn tagtäglich speichert. Stehen wir vor komplexen Problemen, rufen wir unbewusst Informationen aus dieser mentalen «Wissensdatenbank» ab.
Intuition stand auch Pate, als wir vor einem Jahr BeobachterNatur – zunächst als Gratisbeilage des Beobachters – aus der Taufe hoben. Die vielen positiven Reaktionen haben unserem Bauchgefühl recht gegeben: Die Freude an der Natur und die Sorge um die Umwelt sind ungebrochen – auch bei angespannter Wirtschaftslage. In den letzten Wochen haben weit über 10'000 Leserinnen und Leser BeobachterNatur abonniert – noch bevor die erste Ausgabe des neuen «grünen Beobachters» als eigenständige Zeitschrift erschienen ist. Wir danken Ihnen herzlich für dieses Vertrauen und wünschen viel Spass bei der Lektüre.
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© BeobachterNatur Ausgabe 1 vom 10. Feb 2010 - Alle Rechte vorbehalten