Das Motto «ich kaufe, also bin ich» ist in Frage gestellt: Erlebnisse machen zufriedener als Konsum, stellte ein Forscherteam fest.
Eigentlich ist es eine Binsenwahrheit: Wer ökologisch leben will, darf keine Ressourcen verschwenden, nicht unnötig Materielles anhäufen und keine Gegenstände entsorgen, die noch intakt sind.
Bloss: Shoppen macht Spass und Konsumieren glücklich – das zumindest suggeriert die Werbung. Glücksforscher gehen allerdings schon seit längerem davon aus, dass uns der Kauf von Objekten nicht nachhaltig glücklich macht.
Der US-Psychologe Thomas Gilovich hat eine Erklärung für dieses Phänomen: Objekte seien vergleichbar – es gebe immer ein besseres und neueres Modell, schreibt er im «Journal of Personality and Social Psychology». Erlebnisse hingegen seien diesem Wettbewerb nicht ausgesetzt, da ein Ereignis von jedem anders erlebt würde. Zudem würden Erlebnisse in der Erinnerung oft noch schöner, während ein Objekt sich mit der Zeit abnütze und veralte.
Um seine These zu überprüfen, hat Gilovich verschiedene Experimente durchgeführt. In einem Test wurden einer Gruppe von Probanden eine günstige Packung Chips und ein teurer Schokoladeriegel gezeigt. Die Chips durften die Teilnehmer essen, der Riegel, so sagte man ihnen, sei für jemand anders bestimmt. Einer zweiten Probandengruppe wurden zwei Gegenstände präsentiert. Das minderwertige Objekt durften diese Teilnehmer behalten, der andere Gegenstand, hiess es wiederum, sei für jemand anders bestimmt. Die Erlebnisgruppe (Chips) schätzte sich bei der Schlussbefragung glücklicher ein als die Objektgruppe (Gegenstand).
In einem weiteren Test sollten sich die Teilnehmer an eine Ausgabe von mindestens 50 Franken erinnern – entweder für etwas Materielles oder für etwas Immaterielles. Wer sich einen Gegenstand vor Augen rief, mass diesem rückblickend weniger Wert zu; diejenigen, die sich an ein Erlebnis erinnerten, waren mit ihrer Wahl immer noch zufrieden.
Das Fazit der Glücksforscher: Lieber einen Ausflug ins Grüne unternehmen als einen neuen Fernsehapparat kaufen. Das macht länger glücklich – und schont erst noch die Umwelt.
Forschung
Gekauftes Glück ist kurzlebig
Das Motto «ich kaufe, also bin ich» ist in Frage gestellt: Erlebnisse machen zufriedener als Konsum, stellte ein Forscherteam fest.
Ganz oben: Erinnerungen an Erlebnisse sind unbezahlbar.
Eigentlich ist es eine Binsenwahrheit: Wer ökologisch leben will, darf keine Ressourcen verschwenden, nicht unnötig Materielles anhäufen und keine Gegenstände entsorgen, die noch intakt sind.
Bloss: Shoppen macht Spass und Konsumieren glücklich – das zumindest suggeriert die Werbung. Glücksforscher gehen allerdings schon seit längerem davon aus, dass uns der Kauf von Objekten nicht nachhaltig glücklich macht.
Der US-Psychologe Thomas Gilovich hat eine Erklärung für dieses Phänomen: Objekte seien vergleichbar – es gebe immer ein besseres und neueres Modell, schreibt er im «Journal of Personality and Social Psychology». Erlebnisse hingegen seien diesem Wettbewerb nicht ausgesetzt, da ein Ereignis von jedem anders erlebt würde. Zudem würden Erlebnisse in der Erinnerung oft noch schöner, während ein Objekt sich mit der Zeit abnütze und veralte.
Um seine These zu überprüfen, hat Gilovich verschiedene Experimente durchgeführt. In einem Test wurden einer Gruppe von Probanden eine günstige Packung Chips und ein teurer Schokoladeriegel gezeigt. Die Chips durften die Teilnehmer essen, der Riegel, so sagte man ihnen, sei für jemand anders bestimmt. Einer zweiten Probandengruppe wurden zwei Gegenstände präsentiert. Das minderwertige Objekt durften diese Teilnehmer behalten, der andere Gegenstand, hiess es wiederum, sei für jemand anders bestimmt. Die Erlebnisgruppe (Chips) schätzte sich bei der Schlussbefragung glücklicher ein als die Objektgruppe (Gegenstand).
In einem weiteren Test sollten sich die Teilnehmer an eine Ausgabe von mindestens 50 Franken erinnern – entweder für etwas Materielles oder für etwas Immaterielles. Wer sich einen Gegenstand vor Augen rief, mass diesem rückblickend weniger Wert zu; diejenigen, die sich an ein Erlebnis erinnerten, waren mit ihrer Wahl immer noch zufrieden.
Das Fazit der Glücksforscher: Lieber einen Ausflug ins Grüne unternehmen als einen neuen Fernsehapparat kaufen. Das macht länger glücklich – und schont erst noch die Umwelt.
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© BeobachterNatur Ausgabe 4 vom 06. Mai 2010 - Alle Rechte vorbehalten