Blitze Suche nicht die Buche!

Nah oder fern?: Ein Blitz ist bis zu 100'000 Kilometer in der Sekunde schnell, 30'000 Grad heiss und 
dauert nur eine Tausendstelsekunde. Die Entladung, die wir bei einem Blitzschlag sehen, erzeugt eine unglaubliche Hitze. Dadurch dehnt sich die Luft schnell aus, zieht sich 
wieder zusammen – und es donnert. Weil sich Schall und Licht unterschiedlich schnell 
bewegen, lässt sich die Entfernung eines aufziehenden Gewitters einfach berechnen: Man zählt die Sekunden zwischen Blitz und Donnergrollen. Drei Sekunden stehen für einen 
Kilometer. Wenn es also neun Sekunden dauert, bis man es nach einem Blitz donnern hört, ist das Gewitter etwa drei Kilometer entfernt. Laut Armin Kälin befindet man sich bereits dann in Gefahr, wenn zwischen dem Blitz und dem Donnergeräusch weniger 
als zehn Sekunden vergehen. «Je nach Windverhältnissen bewegen sich Gewitterfronten enorm schnell, und es ist sinnvoll, sich früh genug in Sicherheit zu bringen.»
Weg vom Wasser: Offene Gewässer sind das Gefährlichste überhaupt, wenn ein 
Gewitter naht. Im Wasser verteilt sich der Blitzstrom über grosse 
Flächen, ähnlich wie im Erdboden. Bereits ein geringer Blitzstrom kann bei Schwimmern einen Schock auslösen, der zum Ertrinken führen kann. Wassersportler und Bootsfahrer sollten also bereits das Trockene suchen, wenn die ersten Gewitterwolken aufziehen. Auch Angler am Ufer sind vor Unbill nicht gefeit. Ihre Rute ist ein erhöhter Punkt und daher ein Ziel für Blitzeinschläge. Bild-Quelle: Fabian Zapatka/Laif/Keystone
Ab ins Auto: Autos mit einer Ganzmetallkarosserie 
bilden einen «Faradayschen Käfig». 
Das heisst, der Blitzstrom fliesst im Falle eines Einschlags aussen am Wagen 
herunter und wird zur Erde abgeleitet. Darum sind Autofahrerinnen und Autofahrer sicher. Was natürlich nicht heisst, dass man mit der normalen Geschwin­digkeit weiterfahren soll, wenn draussen der Sturm tobt. Blitze können ganz 
schön blenden, starke Niederschläge zu Aquaplaning führen, und auch herum­fliegende Gegenstände sind gefährlich. Im Zweifelsfall die Fahrt unterbrechen. Velo- und Töfffahrer müssen immer 
absteigen. Ihr Gefährt bietet keine 
Sicherheit. Am besten entfernt man 
sich mindestens drei Meter von Velo 
oder Töff und geht dort in die Hocke. Bild-Quelle: 123RF.com
Runter vom Berg: Viele Blitzunfälle geschehen in den 
Bergen. Darum: umkehren, sobald ein 
Gewitter aufzieht! Gerät man trotzdem in ein Unwetter, soll man sich so schnell wie möglich von der Bergspitze entfernen. Halbwegs sicher sind Senken oder Hütten mit Blitzableitern sowie Höhlen unter 
grossen Felsüberhängen. Die allerdings nur, wenn sie gross genug sind: Hinter der kauernden Person muss noch eine Körperlänge Platz sein, seitlich und oberhalb mindestens eine halbe Körperlänge Luft. Nasse Kletterseile, Pickel, Stöcke und andere Gegenstände aus Metall soll man möglichst weit weglegen. Bild-Quelle: Stefan Arendt/Topicmedia
Zu Hause entspannen: Zu Hause fühlt man sich bei einem Gewitter am sichersten. Meist zu Recht. Laut Rolf 
Meier von der Beratungsstelle für Brandverhütung (BfB) sind in der Schweiz die meisten grösseren Mehrfamilienhäuser durch Blitzschutzanlagen geschützt. Wer also, wie die meisten Schweizerinnen und Schweizer, in einer Mietwohnung lebt, darf davon ausgehen, dass er daheim sicher ist. In grösseren öffentlichen Gebäuden ist der Schutz Pflicht. 
Einfamilienhausbesitzer hingegen sind selber für den Blitzschutz verantwortlich, und die, sagt Müller, würden ihn nicht selten vernachlässigen. Wer also nicht sicher ist, wie es 
um das Gebäude steht, in dem er sich gerade befindet: den Kontakt zu allen metallenen Leitungen meiden. Nicht baden oder duschen, denn auch Wasserleitungen leiten Blitzstrom weiter. Empfindliche elektrische Geräte wie Fernseher und Computer, die nicht über einen Überspannungsschutz verfügen, müssen ausgesteckt werden. Auch herkömmliche Telefonanlagen sind nicht ungefährlich. Wer also während eines Gewitters telefonieren muss, verwendet am besten das Mobiltelefon oder das schnurlose Gerät.
Vorsicht im Zelt: Laut Blitzforschern sollen Zelte, Caravans und Wohnwagen nie an exponierten Stellen 
aufgebaut werden. Auch die Nähe von Masten oder alleinstehenden Bäume soll man 
meiden. Wohnwagen und Wohnmobile mit metallener Aussenhülle bieten sicheren Schutz, 
aber der Aufenthalt in einem Zelt ohne Metallgestänge ist genauso unsicher wie jener 
in freiem Gelände. Wenn kein geeigneter Schutzraum in der Nähe ist: im Zelt auf eine 
trockene Matte hocken, den Abstand zu den metallenen Zeltstangen so gross wie möglich halten und die Zeltwand nicht berühren.
In die Hocke: Wird man im Freien von einem Gewitter überrascht, sollte man darauf achten, nicht den höchsten Punkt zu bilden. Also weg von Bergspitzen, Hügeln oder frei stehenden Bäumen. Hingegen bieten Bodenmulden oder der Fuss eines Felsvorsprungs einen gewissen Schutz. Dort geht man am besten in die Hocke, hält die Füsse dicht beieinander und die Arme am Körper. Achtung: Händchen halten verboten! Menschen oder Tiere sollten 
mindestens einen halben Meter Abstand voneinander halten, besser mehr. Besonders gefährdet sind übrigens Outdoor-Sportler – in den USA geschehen rund 20 Prozent der Blitzunfälle auf Golfplätzen. Bild-Quelle: Christian Heeb/Laif/Keystone
Wenn der Blitz trotzdem einschlägt: Die Aussage, dass man die Opfer eines Blitzschlags nicht berühren soll, gehört ins Reich der Märchen. Spätestens zwei Sekunden nach einem Blitzeinschlag ist die Spannung abgebaut. Erste Hilfe kann dann lebensrettend sein: sofort Rettungsdienst anrufen und auch selber Hand anlegen! Ist der Betroffene nicht bewusstlos, braucht er so schnell wie möglich viel zu trinken. Das hilft, einen schweren Schock zu verhindern. Wenn der Patient bewusstlos ist, aber noch atmet, gehört er in eine stabile Seitenlage. Atmet er scheinbar nicht mehr, aber der Puls schlägt immer noch regelmässig, ist die Mund-zu-Mund-Beatmung angezeigt.

Neun Tipps, was man tun und lassen soll, wenn man von Blitz und Donner überrascht wird. 

Autor:
  • Tanja Polli
Bild:
  • Istockphoto.com  
23. August 2013, Beobachter 17/2013