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Bekannteste Wahrsage-Methoden

Ausgabe:
26/09

Der Mensch hat eine riesige Anzahl von Methoden entwickelt, die einen Blick in die Zukunft gewähren sollen.

Die alten Griechen hatten gegen 230 Verfahren, rund 60 sind näher bekannt. Alle haben ­ihre eigene Theorie, ihre Rituale, Vokabulare und Hilfsmittel. Viele sind längst untergegangen und wirken heute abstrus, andere erfreuen sich seit Jahrhunderten ungebrochenen Zuspruchs. Derzeit werden in Europa etwa 25 Methoden praktiziert.

Bibelstechen

Diese Methode wurde im 15. Jahrhundert Mode. ­Dabei werden Textstellen einer zufälligen Seite der Bibel gedeutet oder als Entscheidungshilfen genutzt. Um die Stelle zu finden, wird ein Holzstab zwischen die Seiten gesteckt oder die Bibel zufällig aufgeschlagen.

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Bleigiessen

Hier werden zufällige Muster erzeugt, indem man geschmolzenes Blei, Zinn oder Wachs in kaltes Wasser giesst. Die Muster werden dann gedeutet. Bereits im 3. Jahrtausend vor Christus wurde in Mesopotamien Öl in Wasser getropft, auch mit Eiweiss soll es funktionieren.

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Channeling

Channeling (von «channel», englisch für «Kanal») meint die Fähigkeit, Bot­schaften von übernatürlichen Wesen (Geister, Seelen, Engel) wahrzunehmen. Der Hellseher wird zum Me­dium für Botschaften aus dem Jenseits, hört Stimmen, nimmt Bilder, Gefühle und Ahnungen wahr. So soll der Blick in die Zukunft möglich sein.

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Delphi-Orakel

Das Orakel von Delphi war die bedeutendste Kultstätte der Weissagung in der griechischen Antike, bestand 1000 Jahre lang und hatte grossen politischen Einfluss. Priesterin Pythia sass im Apollon-Heiligtum über einer Dämpfe ausstossenden Erdspalte. In Trance äusserte sie oft mehrdeutige Prophezeiungen, die gegensätzliche Auslegungen zuliessen.  

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Eingeweideschau

Die Wahrsagerei aus Eingeweiden von Opfertieren ist eine alte und aus der Mode gekommene Methode. Bei den alten Römern sollte der Haruspex, ein spezialisierter Seher, herausfinden, ob die Götter ein Vorhaben billigen oder nicht. Er beriet die Politik und begleitete Feldzüge.

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Floromatie

Pflanzenbeobachtungen aller Art werden seit der Antike praktiziert. Zum Beispiel: das Wahrsagen aus der Form von Zwiebelsprossen oder vertrockneten Feigenblättern oder aus dem Geräusch, das beim Schlagen von Rosenblättern in die Hand entsteht.

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Handlesen

Weit verbreitet ist die seit dem Altertum praktizierte Chiromantie. Handform und -linien sollen etwas aussagen über den Verlauf des Lebens. In dieselbe Kategorie gehören die Deutung von Stirnfalten, der Fusssohlen und die Schau des eigenen Nabels. Auch Miss­bildungen werden von alters her als Zeichen gedeutet.

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I Ging

Das «Buch der Wandlungen» entstand um 500 vor Christus in China. Es enthält eine Kosmologie und eine Philosophie, die auf der Ausgewogenheit der Gegenteile beruhen, und wird als Orakel befragt: Ein Schildkrötenpanzer wurde ins Feuer gelegt und das entstehende Rissmuster interpretiert. Oder Schafgarbestängel wurden nach komplizierter Nume­rologie gedeutet. Heute verwendet man Stäbchen.

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Kartenlegen

Mit Hilfe spezieller Karten (Zigeuner-, ­Lenormand- oder Tarotkarten) soll der Blick in die Zukunft möglich sein. Die Weis­sagung ergibt sich aus der Bedeutung der Karten und ihrer Position. In ­Europa kam das Kartenlegen im 15. Jahrhundert auf, wahrscheinlich durch fahren­des Volk. Im 18. Jahrhundert nahmen es Okkultisten auf und machten es populär.

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Kristallkugel-Lesen

Diese Form von Zukunftsschau verbrei­tete sich in Europa im 19. Jahrhundert, vor allem auf Jahrmärkten. Lichtmuster werden gedeutet, künftige Ereignisse gesehen und geistige Reisen unternommen. Verwandte Verfahren sind die Beobachtung dreier Kerzen, die Deutung von ­Reflexen von Kerzenlicht auf Edelsteinen oder von Sonnenlicht auf Fingernägeln.

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Meterologische Phänomene

Die Interpretation von atmosphärischen und meteorologischen Erscheinungen aller Art hat eine lange Tradition. Man ­deutete ­Färbungen des Himmels und der Luft, Formationen und Bahnen von Wolken und den Wind.

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Nekromantie

Die Totenbeschwörung gibt es in vielen Kulten. ­Nekromantie ist die Kontaktaufnahme mit Toten, um sie zur Zukunft zu befragen. Dabei nutzt man okkulte Techniken wie Gläserrücken, Pendeln, das Hexenbrett und die Planchette, ein Brett mit einem Stift, der unbewusste Handschwingungen aufzeichnen soll. Bei der Sciomantie wird ein Abbild des Toten herbei­beschworen und diese Erscheinung gedeutet.

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Numerologie

Diese Zahlenmystik schreibt ­Ziffern Bedeutungen jenseits der Mathematik zu. Zahlen und Zahlenkonstellationen bei Menschen und Ereignissen werden ­gedeutet. Verwandt damit ist das Zahlen­orakel, bei dem zufällige Zahlenfolgen erzeugt und interpretiert werden.

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Pendeln

Pendel sind wie Wünschelruten esoteri­sche Mittel, um Schwingungen aufzuzeichnen, etwa solche von «Wasseradern» und «Erdstrahlen» oder innere Schwingungen des Unbewussten. Inzwischen behaupten viele Wahrsager, sie könnten mit Pendeln auch in die Zukunft blicken, vor Gefahren warnen, den Tag für eine wichtige Handlung erkennen und vieles mehr.

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Runenwerfen

Die Germanen benutzten bis zum 10. Jahrhundert Runenschriftzeichen für kultische Handlungen. Sie waren nicht nur Buch­staben, sondern auch Symbole für Tiere, Pflanzen und Eigenschaften. Beim Runen­orakel wurden gravierte Hölzchen auf ein Tuch geworfen, blind gezogen und ­anschliessend gedeutet. Das Runenorakel kommt wieder in Mode.

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Tierverhalten

Als Boten aus der Zukunft wurden Tiere in vielen Deutungsmethoden verstanden. Im antiken Rom war das Augurium populär, die Deutung des Vogelflugs. Man beobachtete auch Schlangen, Katzen, Mäuse, Ratten, Fische und das Fressverhalten heiliger Hühner. Auch Tierknochen wurden gedeutet – und der Gang von Pferden.

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Traumdeutung

Zustände, in denen die Kontrolle des Verstands re­duziert ist, galten schon früh als Tor zur Zukunft. In antiken und biblischen Zeiten wurden Träume und nächtliche Visionen als göttliche Botschaften ­gesehen, die auf künftige Ereignisse hinweisen und den Träumer warnen. Man deutete auch das Stammeln in Ekstase und Trance sowie hysterisches ­Gelächter. Erst mit der modernen Psychologie wurden Träume als Ausdruck des Unbewussten erkannt.

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Uromantie

Eine spezielle, in der Antike und besonders im Mittelalter gebräuchliche Methode ist die Untersuchung und Deutung von Urin. Durch die Harnschau wurden zahlreiche Krankheiten und auch Schwangerschaften vorausgesagt. Überwunden wurde diese Art der ­Wahrsagerei erst im 19. Jahrhundert mit der modernen Wissenschaft.

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Verbrennen

Eine breite Palette von Methoden nutzt die Magie des Feuers. Sehr alt ist die Deutung von Opferfeuer, Rauch, Glut und Asche. Man streute auch Salz ins Feuer, kochte Ziegen- oder Eselsköpfe, verbrannte Wildrosen- oder Eisenkrautzweige und deutete die Geräusche, die Lorbeerzweige im Feuer erzeugen.

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Wasserzeichen

Viele Weissageverfahren nutzen die Magie des Wassers. Man ­interpretierte die Reflexionen in Wasserlachen, betrachtete Bäche und Brunnen, vertiefte sich in Spiegelbilder und las Strömungen und Wellenmuster, die entstehen, wenn man Dinge ins Wasser wirft.

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Würfeln und Werfen

Beliebt ist, mit geworfenen Gegenständen zufällige Muster zu erzeugen. Würfel sind schon sehr lange gebräuchlich, ebenso Knöchelchen und Steinchen. Man deutete auch die Flugbahn von Pfeilen, die Lage von Schwertern und Messern, ­Formen von Stroh, das auf heisses ­Eisen fällt, oder Kaffeesatz-Muster.

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Zufallsmystik

Zufällige Vorkommnisse und Formen werden gern als Vorzeichen gelesen. So deutete man Formen oder Malereien im Sand, dürre Zweige, die man auf dem Weg findet, oder Muster von blind gemalten Punkten. Im volkstümlichen Aberglauben kündet eine schwarze Katze Unglück und der Ruf des Käuzchens den Tod an. Marien­käfer, Kaminfeger und andere bringen Glück.

© BeobachterNatur Ausgabe 26 vom 24. Dez 2009 - Alle Rechte vorbehalten

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