Wasserkraft
Bleiben Stauseen leer, fliesst auch kein Strom
Mehr als die Hälfte des Schweizer Elektrizitätsverbrauchs stammt aus der Wasserkraft; der Klimawandel bedroht die Produktion der «sauberen» Energie.

Lago di Vogorno bei Mergoscia, im Hintergrund ist der Lago Maggiore zu sehen.
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Die Klimaerwärmung und die damit verbundene Veränderung der Wasserabflüsse in den Alpen setzen die Elektrizitätsfirmen unter Druck. Können die Stauseen auch in Zukunft effizient gefüllt und genutzt werden? Diese Frage treibt die Branche um. Laut einer Studie des Bundesamts für Energie (BFE) wird die Abflussmenge im Alpenraum bis 2035 um sieben Prozent abnehmen. Das führt zu einer ebenso hohen Einbusse bei der Stromproduktion aus Speicherkraftwerken (Stauseen). «Wir gehen auch von dieser Prognose aus», bestätigt Jörg Aeberhard, Leiter Wasserkraft beim Energieunternehmen Alpiq.
54%
beträgt der Anteil der Wasserkraft am in der Schweiz produzierten Strom.
Abschmelzende Gletscher sind aber nur ein Teil der Herausforderung. Auch mit zunehmend heftigeren Niederschlägen ist zu rechnen. Fällt viel Regen in kurzer Zeit, kann nicht alles Wasser in die Speicherseen geleitet werden, weil die Fassungen überlaufen. Und auch weil die Verdunstung zunimmt, bleibt weniger Wasser für die Stromproduktion.
Laut Glaziologen wird die Gletscherschmelze zwar zunächst zu einem Anstieg, längerfristig jedoch zu einer massiven Abnahme der Wassermenge führen. Ausserdem fällt wegen der Klimaerwärmung das Wasser vermehrt im Winter statt im Sommer an. Wenn es in einem wärmeren Klima vermehrt Regen statt Schnee gibt, erhöhen sich die Abflüsse im Winterhalbjahr. Im Sommer wird dafür weniger Schmelzwasser anfallen.
Ein Problem ist jetzt schon akut: Der Rückzug der Gletscher destabilisiert die Schutthaufen neben, unter und vor dem Eis. Gestein und Bodenmaterial werden in die Speicherseen geschwemmt und führen zu grossen Ablagerungen. Zum Beispiel im Massastausee, der mit Wasser vom Aletschgletscher gefüllt wird. Momentan wird nach Lösungen für dieses Problem gesucht.
«Die Herausforderungen sind vielfältig, die Prognosen der Klimatologen unterschiedlich», sagt Jörg Aeberhard. Die Speicherbetreiber müssen sich auf unsichere Zeiten einstellen. Das gilt auch für die Betreiber von Flusskraftwerken, die mit häufigeren Hochwassern konfrontiert werden dürften. Diese erschweren die Stromproduktion, die auf steten Wasserfluss ausgerichtet ist.
Laut BFE wird sich das Problem noch verschärfen. Zwischen 2070 und 2099 rechnet das Amt mit einem Rückgang des Wasserabflusses um 17 Prozent. Dabei wird die prognostizierte Erwärmung den Strombedarf für Kühlzwecke im Sommer erhöhen.
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© BeobachterNatur Ausgabe 7 vom 09. Sep 2010 - Alle Rechte vorbehalten











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