Online-Umfrage

Die Beobachter-Leserschaft diskutiert über Energiepolitik

Text:
  • Otto Hostettler
Ausgabe:
20/08

Die AKW-Serie des Beobachters hat auf www.beobachter.ch zu einer sehr engagierten und lebhaften Diskussion geführt. Wie kontrovers das Thema ist, zeigt sich auch in der Online-Umfrage zur Stromproduktion der Zukunft.

52 Prozent der Teilnehmer sprachen sich dabei für den Bau neuer Atomkraftwerke aus. Damit steht die Beobachter-Online-Umfrage im Gegensatz zu einer neuen repräsentativen Umfrage des Bundesamts für Energie, in der sich 52 Prozent gegen nukleare Stromproduktion aussprechen. Tatsächlich ist die Online-Befragung zu relativieren, erklärt Markus Röösli von der Beobachter-Online-Redaktion: «Wir gehen davon aus, dass einige Personen mehrmals abgestimmt haben.» An der Umfrage nahmen bis Redaktionsschluss 2241 Personen teil, nur 435 von ihnen gaben auch ihren Namen und ihre Adresse an.

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Obwohl die Online-Umfrage also keinen repräsentativen Charakter hat, können aus den Ergebnissen interessante Schlüsse gezogen werden. Denn während sich die Grundsatzfrage pro/kontra AKW vor allem bei der ersten Frage ob die Schweiz ein neues Atomkraftwerk braucht als Glaubenskrieg offenbart, wurden die Einschätzungen bei den fünf nächsten Fragen diffe-renzierter. So antworteten auf die Frage, ob mit einem neuen AKW in der Schweiz die Strompreise sinken würden, 62 Prozent mit Nein. Bei der Frage, welche Form der Energiegewinnung die Zukunft bestimmen wird, tippten 64 Prozent der Teilnehmer auf Solarenergie, 45 Prozent sehen die Atomenergie als wichtigste Produktionsart, und nur für 10 Prozent sind es fossile Brennstoffe (mehrere Antworten möglich).

Welche Form der Energiegewinnung wird die Zukunft bestimmen?

(Mehrfachnennungen möglich)
Solarenergie
64%
 
Wasserkraft
64%
 
Atomenergie
45%
 
Windkraft
40%
 
Andere
18%
 
fossile Brennstoffe
10%
 



In den Diskussionsrunden wurde nicht nur kontrovers, sondern auch sehr ausführlich debattiert. Die Beiträge sind teils sehr fachlich und engagiert abgefasst. Markus Röösli: «Die Diskussion verläuft grösstenteils fair. Vereinzelt sind aber auch Beiträge auf erschreckend tiefem Niveau zu finden.» Gelöscht wurden in der Diskussion nur einige wenige Beiträge mit verletzendem oder strafrechtlich relevantem Inhalt. Nicht nur feurige Atomkritiker und -befürworter tauschten sich aus, sondern auch selbstkritisch argumentierende Personen. So schrieb User «veritim»: «Jeder sollte sich mal seine eigene Energiebilanz aufstellen: ehrlich und allumfassend. Da würden manchem Schuppen von den Augen fallen.» Wenig zuversichtlich gab sich jedoch «Pi51»: «Ich glaube, keiner will ernsthaft Abstriche bei der heutigen Lebensweise machen.»

Wer sich allzu missionarisch für oder gegen AKWs äusserte, erhielt postwendend Antwort. So schrieb etwa der Autor mit dem Pseudonym «Atommichi» geradezu euphorisch: «Wir brauchen in der Schweiz und auf der ganzen Welt dringend neue AKWs. Das Atomzeitalter hat erst so richtig begonnen.» Darauf schrieb «Camaldoli»: «Die Art und Weise, wie Sie die Kernkraft anhimmeln, schönreden und befürworten, führt eher in eine Sackgasse als in eine konstruktive Lösung.»

Braucht die Schweiz ein neues Atomkraftwerk?
Grafik zur Umfrage
 
Glauben Sie, dass durch mehr Atom­energie der Strompreis sinken würde?
Grafik zur Umfrage
Quelle: Beobachter-Online-Umfrage (Stand: 26. September 2008); Infografik: Beobachter/dr

© BeobachterNatur Ausgabe 20 vom 01. Okt 2008 - Alle Rechte vorbehalten

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