Trinkwasser
Wo grünes Wasser fliesst
900 Millionen Liter Mineralwasser konsumiert die Schweizer Bevölkerung jährlich. Dabei ist gewöhnliches Leitungswasser mindestens ebenso gut – in der Ökobilanz aber 1000-mal besser.
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Wir sind ein Volk von Mineralwasserliebhabern. Rund 120 Liter trinken wir pro Kopf und Jahr – kein anderes Getränk wird in der Schweiz in grösseren Mengen konsumiert. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn Mineralwasser gilt als gesund und hat erst noch keine Kalorien. Was vielen aber nicht bewusst ist: Dasselbe gilt auch für Leitungswasser. «Der Konsum von Hahnenwasser sollte angesichts der hohen Qualität des Schweizer Trinkwassers gefördert werden», befand die Umweltkommission des Nationalrats kürzlich. Und der Baselbieter Kantonschemiker Peter Wenk betonte gegenüber der «Basler Zeitung», dass Hahnenwasser eines der am besten kontrollierten Lebensmittel der Schweiz sei: «Die Qualität ist bei Flaschen- und bei Leitungswasser gleich garantiert.»
Ein verbreitetes Argument für den Konsum von Mineralwasser ist dessen hoher Anteil an gelösten Mineralien wie Kalzium, Magnesium und Natrium. Doch dieser Vorteil ist weniger relevant als gemeinhin angenommen. Denn wir decken unseren Bedarf an den meisten Mineralstoffen vollumfänglich mit dem Essen ab: Kalzium nehmen wir zum Beispiel über Milchprodukte auf, Magnesium über Vollkornprodukte und Gemüse und Natrium über das Speisesalz. Kommt hinzu, dass der Mineraliengehalt in vielen Mineralwässern gar nicht höher als im Leitungswasser ist.
Ausserdem sprechen ökologische Argumente dafür, Leitungswasser zu trinken. Abfüllung, Verpackung und Transport von Mineralwasser schlagen sich negativ in der Umweltbilanz nieder – vor allem bei Wässern, die aus dem Ausland eingeführt werden. Der Import von Mineralwasser hat sich seit Mitte der neunziger Jahre verdreifacht und macht heute mit 300 Millionen Litern pro Jahr einen Drittel des schweizerischen Gesamtverbrauchs aus. Bis ein importierter Liter Mineralwasser beim Konsumenten auf dem Tisch steht, werden rund 0,3 Liter Erdöl verbraucht. Für Leitungswasser beträgt der Wert nur 0,3 Milliliter – rund 1000-mal weniger.
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Aber auch einheimisches Mineralwasser belastet die Umwelt um bis zu 100-mal mehr als Hahnenwasser. Hier fällt vor allem die Verpackung des Wassers ins Gewicht: Allein die Produktion der PET-Flaschen für den Schweizer Markt verschlingt eine halbe Million Tonnen Erdöl pro Jahr.
Die unbefriedigende Ökobilanz von Flaschenwasser hat Politiker auf den Plan gerufen: So wollte etwa der Waadtländer Nationalrat Jacques Neirynck (CVP) ein Verbot von Mineralwasser in PET-Flaschen durchsetzen. Ende Mai lehnte der Nationalrat seine parlamentarische Initiative zwar deutlich ab. Trotzdem haben die Schweizer Mineralwasserproduzenten reagiert und eine Interessengemeinschaft gegründet, die sich präventiv gegen ein Verbot von PET-Flaschen einsetzt. Sie sehen die Zukunft ihrer Branche und 25'000 Arbeitsplätze in Gefahr.
Die Gründung der IG Mineralwasser ist auch eine Reaktion auf Kampagnen in den USA, Grossbritannien und Frankreich. Dort fördern städtische und regionale Behörden mit Erfolg den Konsum von Leitungswasser. Der Hahnenwasser-Trend schwappt zunehmend auch in die Schweiz über. Schon heute sind viele Büros, Läden und Arztpraxen mit Wasserspendern ausgestattet, und in vielen Haushalten wird heute Leitungs- statt Mineralwasser getrunken. Eine Entwicklung, die nicht nur die Umwelt, sondern auch das Portemonnaie schont: Hahnenwasser kostet 0,16 Rappen pro Liter und ist das mit Abstand billigste Erfrischungsgetränk – und das kühle Nass wird erst noch bequem nach Hause geliefert.
Hahnenwasser – billig, ökologisch und gut
- Geniessen Sie, wenn immer möglich, Leitungswasser – zu Hause und auch unterwegs.
- Verfeinern Sie Ihr Leitungswasser mit frischen Zitronenmelisseblättern direkt vom Balkon.
- Wollen Sie nicht auf Sprudel verzichten, können Sie das Hahnenwasser auch mit Sodageräten aufbereiten. Ökologisch zahlt sich das aber nur dann aus, wenn Sie regelmässig Sprudelwasser für die ganze Familie herstellen und so den Konsum von Mineralwasser in Flaschen deutlich reduzieren. Doch Achtung: Auch der Transport und das Wiederauffüllen der Zylinder mit CO2 verbrauchen Energie. Achten Sie deshalb darauf, dass Sie die zum Gerät passenden CO2-Patronen in einem Laden in Ihrer Nähe umtauschen können und dass die Patronen nicht im Ausland rezykliert werden.
- Falls Sie trotz allem auf Mineralwasser schwören, kaufen Sie einheimisches Wasser von nahegelegenen Quellen. Transportieren Sie das Mineralwasser im Veloanhänger oder lassen Sie es sich nach Hause liefern.
Weitere Infos
www.wwf.ch/Lösung
© BeobachterNatur Ausgabe 18 vom 02. Sep 2009 - Alle Rechte vorbehalten






