• Gartenforum

    In unserem neuen Gartenforum sind nicht nur Ihre Fragen, sondern auch die besten Gartentipps von erfahrenen Hobbygärtnern herzlich willkommen!

    zum Forum

  • Emblem1

    Lust auf Garten

    Planen, pflanzen, pflegen - Tipps für Einsteiger und erfahrene Gärtnerinnen

  • Informiert bleiben zum Thema

    Flora und Fauna

    Faszinierendes und Wissenswertes aus der Tier- und Pflanzenwelt

     

    Stichworte zum Thema

    Themenbereich als

    Alert abonnieren
  • BeobachterNatur abonnieren

     
    Lassen Sie sich von spannenden Reportagen und attraktiven Bildstrecken faszinieren.

    Jetzt profitieren

  • Mimikry

    In der Natur wird mit harten Bandagen gekämpft. Die Vorspiegelung falscher Tatsachen ist dabei ein besonders erfolgversprechendes Prinzip.

  • Was bin ich?

    In diesem Bilderrätsel zeigt sich die Natur von ihrer überraschenden Seite.

  • Anzeige:

Biogarten

Entgiftungskur für Beete

Text:
  • Tatjana Stocker
Bild:
  • Jupiterimages
Ausgabe:
9/09

Die Schweiz ist ein Land von Hobbygärtnern, der Schrebergarten gilt neuerdings sogar als schick. Doch gesund ist das selbstgezogene Gemüse oft nicht: Die Böden sind mit Schadstoffen belastet, Hausgärten überdüngt. Worauf man achten muss, damit der Garten zur giftfreien Zone wird.

Die amerikanische First Lady Michelle Obama tut es. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel liebt es. Und selbst die britische Popsängerin Kim Wilde und der Rockmusiker Chris von Rohr werden schwach, wenn es ums Wühlen in der Erde geht. Gärtnern hat nichts Spiessiges mehr. Ähnlich wie das Kochen ist es Teil des gehobenen Lifestyles geworden. Der Trendforscher Matthias Horx hat für die neue «Lust auf Grün», der rund 700'000 Hobbygärtnerinnen und -gärtner in der Schweiz frönen, den Begriff «Gourmet-Gardening» geprägt.

Sogar Schrebergärten sind wieder gefragt, vor allem bei jungen städtischen Familien, die ihren Sprösslingen ein Stück unverfälschte Natur bieten wollen. Doch so heil ist diese Welt gar nicht. Die Böden im Schweizer Siedlungsgebiet sind oft mit Schadstoffen belastet: mit Schwermetallen wie Blei, Kupfer, Zink und Kadmium sowie organischen Schadstoffen wie den sogenannten Polizyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). 

Schädliche Altlasten im Garten

«Besonders hoch sind die Belastungen entlang den Verkehrswegen, auf alten Deponien oder in Gebieten, wo früher in grösseren Mengen Klärschlamm, Kehrichtschlacke oder Asche ausgebracht wurde», sagt Roland von Arx von der Sektion Boden des Bundesamts für Umwelt (Bafu). «Von diesen Belastungen sind teilweise auch Nutzgärten betroffen.» Eine gesamtschweizerische Studie über Haus- und Familiengärten liegt nicht vor. Verschiedene Kantone haben jedoch Gartenböden systematisch untersucht und setzen die Vorgaben um, die das Bafu 2005 im Handbuch «Gefährdungsabschätzung und Massnahmen bei schadstoffbelasteten Böden» zusammengefasst hat.

Mit teilweise harten Folgen. In Luzern musste kürzlich ein Nutzungsverbot für drei Gartenparzellen im Pilotareal Sedel-West ausgesprochen werden. Auf den übrigen 25 Parzellen wurde der Prüfwert für Blei, Kupfer und PAK überschritten. Für 13 davon verfügte der Kanton, dass nur noch Gemüse mit schwacher Schwermetallaufnahme angepflanzt werden darf und Kinder nur noch auf dichtem Rasen spielen dürfen. «Es besteht die Gefahr, dass Kinder belastetes Bodenmaterial über den Mund aufnehmen», sagt David Widmer von der Abteilung Umwelt und Energie des Kantons Luzern. Ursache für den hohen Schadstoffgehalt dürfte die Lage am Rand der einstigen städtischen Kehrichtdeponie sein.

Anzeige:

Falsches Düngen ist pures Gift

Die Belastung durch Schwermetalle ist das eine, die Überdüngung und der Einsatz von Spritzmitteln das andere. Bioterra, die grösste Schweizer Organisation für biologischen Gartenbau, schätzt, dass vier von fünf Gärten überdüngt sind. «Hobbygärtner setzen deutlich mehr Spezialdünger ein als Profis – und oft auch die falschen Pflanzenschutzmittel», sagt Carlo Vercelli vom Gartenunternehmerverband Jardin Suisse.

Offenbar ist der Einsatz von Dünger auch eine Generationenfrage. «Viele ältere Hobbygärtner verstehen nicht, dass jetzt schlecht sein soll, was früher gängige Praxis war», sagt Walter Schaffner, Präsident des Schweizer Familiengärtner-Verbands. Ein Umdenken finde aber statt: «Je jünger die Leute, desto biologischer wird gegärtnert.»

Ein erster Schritt zum giftfreien Garten ist der Verzicht auf phosphorhaltigen Dünger. Auch von chemischen Mitteln sollte man die Finger lassen: Laut Hans Peter Althaus, Gartenberater bei Bioterra, sind sie «wie Fast Food für die Pflanzen: Diese werden träge und bilden kaum noch Wurzeln». Alternativen sind natürliche Düngemittel wie Hornspäne oder Urgesteinsmehl, mit der nötigen Zurückhaltung eingesetzt. Auch hier gilt die Devise «Weniger ist mehr»: «Komposterde ist ein hochkonzentriertes Material, das man gezielt ausbringen sollte. Zudem enthält das Ausgangsmaterial des Komposts oft ebenfalls Schadstoffe, die sich nicht abbauen lassen.»

Die Qualität des Komposts lässt sich mit dem «Kressetest» prüfen: Man füllt ein Glas zur Hälfte mit Kompost, ein zweites mit Gartenerde, sät in beiden Kressesamen aus und verschliesst sie mit dem Schraubdeckel. Entwickeln sich die Keimlinge in beiden Gläsern einwandfrei, enthält die Komposterde keine giftigen Stoffe.

Wer einem ausgelaugten Gartenboden eine sanfte Kur angedeihen lassen will, versucht es am besten mit Gründüngung: Statt den Boden brachliegen zu lassen, bepflanzt man ihn mit Grünzeug, das dem Boden Nährstoffe zuführt (Senf, Spinat, Ackerbohne).

Auch regelmässiges Lockern bringt Luft und Leben in den Boden. Im Frühling ist eine Tiefenlockerung mit der Grabgabel angebracht. Während der Pflanzzeit reicht eine oberflächliche Bearbeitung, etwa mit einer Gartenkralle, um eine feinkrümelige Struktur zu erreichen. Denn wenn man sich vor Augen führt, wie komplex der Boden aufgebaut ist und wie viele Kleinstlebewesen sich auf jedem Zentimeter tummeln – auf eine Handvoll Erde kommen mehr Organismen als Menschen auf unserem Planeten –, spricht vieles dafür, dieses Gleichgewicht nicht unnötig zu stören.

Bio braucht einen langen Atem

Wer punkto Gartenerde auf Nummer sicher gehen will, lässt alle paar Jahre eine Bodenanalyse durch ein Fachlabor durchführen und die Bodenart, den Gehalt an Hauptnährstoffen und den pH-Wert bestimmen. Letzterer spielt insofern eine Rolle, als Gemüse in Böden mit tiefem pH-Wert nur noch schlecht gedeiht und Schwermetalle in sauren Böden von den Pflanzen eher aufgenommen werden.

Angehende Biogärtner sollten sich zudem über eines im Klaren sein: Die Umstellung braucht Zeit. «Mit Hauruck-Aktionen bewirkt man im Garten gar nichts. Daraus ergeben sich nur weitere Probleme», sagt Bioterra-Fachmann Althaus.

Doch mit Geduld und einem langen Atem wird aus dem grünen Flecken auch ein gesunder Fleck Erde.

Giftfrei gärtnern: Tipps, Ratgeberliteratur und Adressen

  • Düngen Sie so wenig wie möglich mit phosphorarmen, natürlichen Düngemitteln (kein Hühnermist) und Kompost.
  • Klärschlamm und Asche gehören nicht in den Garten (Schwermetalle!).
  • Boden nicht brachliegen lassen. Gründüngung ansäen, Boden abdecken.
    Pflanzenschutz, Schädlingsbekämpfung mit natürlichen Mitteln (Pflanzenbrühen, Urgesteinsmehl) sowie mit Mischkulturen. Chemische Präparate belasten die Umwelt.
  • Unkrautvertilgungsmittel (Herbizide) belasten den Boden und können ins Grundwasser gelangen. Gegen Unkraut hilft Jäten.
  • Schneckenzäune, Biokörner verwenden.
  • Bodenübersäuerung verhindern. In Böden mit einem pH-Wert unter 5,9 nehmen Pflanzen Schwermetalle leichter auf.
  • Pflanzen anbauen, die wenig Schadstoffe akkumulieren: Kürbis, Tomaten, Peperoni, Bohnen, Erbsen, Gurken, Zucchetti, Mais statt Salat, Blattgemüse, Sellerie, Lauch, Karotten.
  • Bodenschutz, biologisches Gärtnern, Kompost, Gärtnereien: www.naturnah.ch,www.biopflanzen.ch, www.biogarten.ch, www.kompost.ch, www.bioterra.ch
  • Gartenberatung von Bioterra: via E-Mail an gartenberatung@bioterra.ch oder Telefon 044 454 48 47 (Mo und Do, 16–18 Uhr; Stichwort «Beobachter» erwähnen)
  • Labors für Bodenanalysen: Liste unterwww.art.admin.ch/dms_files/02511_de.pdf
  • Standardwerk: Marie-Luise Kreuter: «Der Biogarten»; BLV 2009, Fr. 49.90
    Broschüre: «Familiengärten – naturnah gepflegt»; 8 Franken, zu bestellen über www.familiengaertner.ch
  • Handbuch: «Gefährdungsabschätzung und Massnahmen bei schadstoffbelasteten Böden»; herausgegeben vom Bundesamt für Umwelt 2005, zu beziehen als Druckversion oder PDF-Dokument unter www.bafu.admin.ch («Publikationen»)

© BeobachterNatur Ausgabe 9 vom 25. Jun 2009 - Alle Rechte vorbehalten

created by snowflake productions gmbh