Ackerland

Die Welt im Afrika-Fieber – Agrarland-Geschäfte seit 2006

Ausgabe:
1/10

Chinesen, Araber, Europäer und Amerikaner: Die wohlhabenden Länder haben Afrika neu entdeckt. Diesmal sind sie nicht an Sklaven oder nur an Erdöl oder Gold interessiert. Sie kaufen in grossem Stil fruchtbares Ackerland.

Um wie viel es dabei geht, zeigen die Zahlen, die das Internationale Forschungs­institut für Ernährungspolitik (IFPRI) anhand von Medienberichten und anderen Quellen in Erfahrung bringen konnte.

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  • 1. Ägypten
    10'000 Hektaren an Jenat (Saudi-Arabien) für den Anbau von Gerste und Weizen und für Viehfutter.

    2. Angola
    25000 Hektaren für Reis an die britische Firma Lonrho (geleast), die derzeit Verhandlungen über weitere 125'000 Hektaren in Mali und Malawi führt.

    3. Äthiopien
    Investition von 4 Milliarden Dollar durch Indien, unter anderem in Nahrungsmittelproduktion, Blumenzucht und Zuckeranbau.
    Land im Gegenwert von 100 Millionen Dollar an unbekannte private saudi-arabische Investoren (geleast).
    5000 Hektaren an die saudi-arabische Dubai World Trading Company (Joint Venture für den Anbau von Tee).
    13'000 Hektaren an die deutsche Flora Eco Power für den Anbau von Pflanzen für Biotreibstoff.
    Land für den Anbau von Jatropha (für Biotreibstoff) an die britische Sun Biofuels.


    4. Kamerun
    10'000 Hektaren an eine unbekannte chinesische Firma für die Produktion von Reis.

    5. Kenia
    40'000 Hektaren von Katar geleast – für den Anbau von Früchten und Gemüsen – im Austausch für den Bau eines 2,3 Milliarden Dollar teuren Hafens.

    6. Madagaskar
    1,3 Millionen Hektaren an Südkorea für den Anbau von Mais. Ein Deal mit dem Autohersteller Daewoo wurde abgebrochen.

    7. Malawi
    Eine unbekannte Fläche von Landwirtschaftsland an Dschibuti (geleast).

    8. Mali
    100'000 Hektaren an Libyen für den Anbau von Reis.

    9. Nigeria
    10'000 Hektaren an die britische Firma Trans4mation Agritech.

    10. Mosambik
    Über 800 Millionen Dollar von China zur Steigerung der Reisproduktion von 100'000 auf 500'000 Tonnen investiert.
    100'000 Hektaren an die schwedische Firma Skebab für Biotreibstoff-Pflanzen.
    Land für Biotreibstoff (Jatropha-Anbau) an die britische Sun Biofuels.

    11. Sudan
    Land für den Anbau von 2 Millionen Tonnen Weizen jährlich an Ägypten.
    25'000 Hektaren an Jordanien für Ernte- und Weideland.
    «Gigantische» strategische Partnerschaft mit Kuwait (keine weiteren Informationen).
    Holding mit Katar, die in die Landwirtschaft investieren will.
    9200 bis 10'117 Hektaren von Hail Agricultural Development Company geleast für den Anbau von Weizen, Gemüse und Futtermittel. 60 Prozent des Leasingbetrags übernimmt die saudische Regierung.
    690'000 Hektaren an Südkorea für Weizen. In 378'000 Hektaren haben die Vereinigten Arabischen Emirate investiert.
    30'000 Hektaren an Abu Dhabi Fund for Development (Vereinigte Arabische Emirate) für den Anbau von Mais, Alfalfa und gegebenenfalls Weizen, Kartoffeln und Bohnen.
    400'000 Hektaren an den US-Konzern Jarch Capital (unterzeichnet hat ein lokaler Armeeführer in Südsudan).

    12. Tansania
    500'000 Hektaren will Saudi-Arabien leasen.
    300 Hektaren an China über Chongqing Seed für den Anbau von Reis.
    45'000 Hektaren an die britische CAMS Group (Zuckerhirse für Biotreibstoff).
    5500 Hektaren an die britische Sun Biofuels (Jatropha-Anbau für Biotreibstoff).

    13. Demokratische Republik Kongo
    2,8 Millionen Hektaren über ZTE International an China (Ölpalmen für Biotreibstoff).
    10 Millionen Hektaren an die Bauernunion Agriculture South Africa.

    14. Sambia
    2 Millionen Hektaren von China beantragt für den Anbau von Jatropha (für Biotreibstoff).

  • USA
    Die USA sind in Afrika vor allem an Rohstoffen interessiert. Das schlägt sich in der Handelsbilanz nieder: Die Amerikaner importieren ­dreimal mehr Waren aus Afrika, als sie dorthin verkaufen.

    Europa
    Europa ist nach wie vor Afrikas ­erster Handelspartner. In den Norden gehen fast so viele afrikanische Waren wie nach Asien und in die USA zusammen.

    Asien
    China und die Golfländer treten in Afrika immer aggressiver auf. Früher konzentrierten sie sich auf Öl, Erze und Gold. Nun verlegen sie den Fokus auf Agrarland. Das Ziel: ihren künftigen Bedarf an Lebensmitteln sicherstellen.



    Quellen: Le monde diplomatique: «Atlas der Globalisierung», Welthungerindex 2009, International Food Policy Research Institute (IFPRI); Infografik: beobachter/daniel Röttele

  • Das Rennen um Ackerland: China schlägt alles

    Wer in Afrika wie viel Land erwirbt (in Hektaren, ausgewählte Länder, 2006 bis Frühling 2009)

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© BeobachterNatur Ausgabe 1 vom 06. Jan 2010 - Alle Rechte vorbehalten

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