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Drei Fragen an…

Claude Longchamp

Text:
  • Balz Hosang
Bild:
  • Website www.zoonpoliticon.ch
  •  und selbst, pixelio.de
Ausgabe:
3/09

Vor 20 Jahren war die Umwelt Sorge Nummer eins in der Schweiz. Heute ist Umweltschutz nur noch für jeden Fünften ein wichtiges Problem. Claude Longchamp, Leiter des Forschungsinstituts GFS Bern, erklärt warum.

Überschwemmungen, Stürme, Ozon: Nur wenn sich Umweltprobleme konkret bemerkbar machen, rücken sie wieder ins Bewusstsein.

BeobachterNatur: Klimaveränderung, Überschwemmungen, Gletscherschwund – warum nehmen die Menschen diese Themen nicht stärker als Bedrohung wahr?
Claude Longchamp: Das hängt mit der Erfahrbarkeit dieser Bedrohungen zusammen. Bis die Klimaveränderung im Alltag wahr­genommen wird, braucht es viel. Doch wenn abstrakte Klima­fragen zu konkreten Gesund­heits­prob­le­men führen, steigt die Sen­sibilität sprunghaft an. Das haben wir in den letzten Jahren mehrfach festgestellt, etwa bei der Ozonbelastung.

BeobachterNatur: Vor 20 Jahren war die Umwelt Sorge Nummer eins in der Schweiz. Heute ist Umweltschutz nur noch für jeden Fünften ein wichtiges Problem. Überrascht?
Claude Longchamp: Jein. Wenn wir in der Schweiz nach den grössten Zukunftsproblemen fragten, gehörte die Umwelt stets zu den wichtigsten drei Themen. Seit den neunziger Jahren ist die Umweltfrage aber von politischen Alltagsthemen wie Wirtschaft, Sozialwerke oder Asyl überlagert worden. Es braucht aber nur eine spektakuläre Katastrophe, und schon wird die Zukunftsproblematik «Umweltschutz» wieder ins Alltagsbewusstsein zurückgeholt.

BeobachterNatur: Ist bei einem so labilen Problembewusstsein glaubwürdige Umweltpolitik überhaupt möglich?
Claude Longchamp: Für die Tagespolitik reicht es allemal. Wenn es aber solide Mehrheiten für tiefgreifende Massnahmen braucht, wird die Lage rasch prekär. Die Ökologiebewegung kann zwar Themen auf die politische Agenda setzen, aber keine Lösungen erzwingen, die einen breiten politischen Konsens brauchen.

Claude Longchamp ist Leiter des Forschungsinstituts GFS Bern, das das Schweizer Sorgenbarometer erstellt.

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© BeobachterNatur Ausgabe 3 vom 04. Feb 2009 - Alle Rechte vorbehalten

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