Energieverbrauch
Gottes Werk braucht kühlere Kirchen
Kirchliche Hilfswerke fordern, dass die Schweiz ihren CO2-Ausstoss drastisch senkt. Doch auch die Kirchen selber sind Energiesünder. Umweltbewusste Christen begnügen sich nicht mehr mit Petitionen, sondern wollen auch die Gotteshäuser energetisch in Ordnung bringen.
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Im Vorfeld der Uno-Klimakonferenz in Kopenhagen legen die kirchlichen Hilfswerke die Latte für die Schweiz hoch. Bis 2020 soll sie den CO2-Ausstoss im Inland um 40 Prozent reduzieren, fordern Fastenopfer und «Brot für alle» in einer Petition an den Bundesrat. Die von über 10'000 Personen unterzeichnete Forderung ist ehrgeizig – und politisch wohl chancenlos.
Immerhin könnte die Petition bewirken, dass sich die Kirchgemeinden um den Balken im eigenen Auge kümmern: um die Energieverschwendung in den Kirchen. «Die Kampagne der Hilfswerke, aber auch der letzte Ölpreisschock haben das Interesse am Thema geweckt», sagt Kurt Aufdereggen vom Verein «oeku Kirche und Umwelt», der sich für das kirchliche Energiesparen engagiert.
Schäden durch Wärme
Emil Giezendanner, Architekt und Experte für die Bauphysik von historischen Gebäuden, benennt das Problem schonungslos: «Die Kirchen werden kaputtgeheizt, und es wird Energie verschleudert.» Die meisten Gotteshäuser werden auch aufgeheizt, wenn sie leer stehen. Das schadet nicht nur dem Klima, sondern verursacht auch Luftströmungen, die historische Kirchen und ihre Kunstwerke schwärzen. Allein deswegen sind nach Giezendanner jährlich Renovationen von 50 bis 100 Millionen Franken nötig.
Meist aber würde es reichen, die Kirche jeweils für die Gottesdienste auf 18 Grad aufzuheizen. Damit könnte der Energieverbrauch in den 6500 Schweizer Kirchen jährlich um mehr als ein Drittel oder um 100 Millionen Kilowattstunden gesenkt werden, hat Giezendanner errechnet – was dem jährlichen Stromverbrauch von 20'000 Haushalten entspricht. Noch grösser wäre das Sparpotential, wenn die Gemeinden bei Kirchen, Pfarrhäusern und Gemeindezentren konsequent auf Energiesanierung und Alternativenergie setzen würden.
Dutzende von Beispielen listet «oeku Kirche und Umwelt» auf: die Biogasheizung im Kloster Kappel am Albis, die Energiesparlampen in der katholischen Stadtkirche Baden, die Wärmepumpenheizung mit Seewasser für das wegen der Chagall-Fenster berühmte Zürcher Fraumünster.
Am konsequentesten geht wohl die katholische Kirche der Stadt Luzern vor. Sie hat beschlossen, den Verbrauch bis 2012 um mindestens zehn Prozent zu senken und zudem zehn Prozent des Bedarfs mit erneuerbarer Energie zu decken. «Die Bewahrung der Schöpfung gehört zu den christlichen Kernaufgaben und verpflichtet uns zu konkretem Handeln», erklärt Kirchenrat Herbert Mäder.
Dank einem Fonds, mit einer Million Franken dotiert, liess der Erfolg nicht auf sich warten: Von 2007 bis 2008 konnte die Gemeinde den Bedarf nach eigenen Angaben um vier Prozent senken. Für das laufende Jahr erwartet sie eine Reduktion um noch einmal fünf Prozent.
Auch die reformierten Stadtzürcher Kirchen verfügen über einen Ökofonds von 1,2 Millionen Franken. Und die Kirchen beider Basel sind Vorreiter in Sachen Sonnenenergie. Die denkmalgeschützte reformierte Kirche Laufen etwa erhielt 2003 den Schweizer Solarpreis für die gelungene Integration von Solarzellen.
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Ermutigende Vorbilder
Schon 1993 wurden Solarzellen auf dem Betonturm der St.-Jacobus-Kirche in Steckborn TG angebracht. «So sieht unser Kirchturm sehr gut aus», sagt Monika Zampieri, Mitarbeiterin der Kirchgemeinde. Und da die Anlage im Sommer erneuert wurde, soll die Stromproduktion um 30 Prozent steigen.
Doch dies sind eher die löblichen Ausnahmen. Insgesamt ist in den Kirchen noch wenig zu spüren vom geforderten nationalen Klimaeffort. Darum sei es an der Zeit, dass die Kirchen «ihr eigenes Haus in Ordnung bringen», sagt Kurt Aufdereggen. Immerhin habe sich in Luzern gezeigt, «dass ehrgeizige Ziele umsetzbar sind».
Weitere Infos
Der Verein «oeku Kirche und Umwelt» hat einen Leitfaden und einen CO2-Rechner für Kirchenverantwortliche erstellt. www.oeku.ch
© BeobachterNatur Ausgabe 23 vom 12. Nov 2009 - Alle Rechte vorbehalten





