Gemüsesorten

EU sorgt für Einheitsbrei

Text:
  • Tatjana Stocker
Bild:
  • Hans B., Wikimedia
Ausgabe:
18/09

Stein des Anstosses war die Kartoffel. Seit Monaten streiten die Stiftung Pro Specie Rara, die sich für die Erhaltung alter Sorten einsetzt, und das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) darüber, welche Gemüse weiter angebaut und verkauft werden dürfen und welche nicht.

Verbotene Kartoffel: die Vitelotte Noire

Fünf Kartoffelsorten hat das BLW bereits verboten: Corne de Gatte, Burgandy Red, Patates Verrayes, Roosevelt und Vitelotte Noire. Denn laut BLW muss jede Acker- und Futterpflanze im neuen Sortenkatalog ein­getragen sein. Dafür muss sie «neu», «unter­scheidbar», «homogen» und «stabil» sein und ihren Ursprung in der Schweiz haben. Voraussetzungen, die viele alte Gemüsesorten nicht erfüllen.

Dagegen wehrt sich Pro Specie Rara mit der Kampagne «Vielfalt für alle». Am 2. Septem­ber hat sie BLW-Vizedirektorin Eva Reinhard über 10'000 Unterschriften überreicht mit der Forde­rung, die Vielfalt an Gemüse- und Kartoffel­sorten zu erhalten. Der Ge­schäfts­führer von Pro Specie Rara, Béla Bar­tha, be­fürchtet, dass bereits 2010 «rund 150 alte Gemüse­sorten vom Markt verschwin­den». Das BLW dagegen weist darauf hin, dass das Saatgutgesetz über die bilateralen Verträge mit der EU geregelt ist. «Unsere Bestimmungen für Ge­müsesaatgut müssen künftig den EU-Richtlinien entsprechen», sagt Eva Reinhard. Verständnis für das Anliegen der Sortenschützer hat sie dennoch: «Pro Specie Rara hat einen wunden Punkt berührt.» Auch gegen eine grosse Sortenvielfalt hat sie nichts einzuwenden: «Wenn Umwelt- und Gesundheitsrisiken ausgeschlossen werden können, haben auch Lokalsorten ihren Platz.»

Bis Ende Jahr will das Bundesamt mit neuen Vorschlägen in die Vernehmlassung gehen. Doch letztlich ist es die EU, die über unser Gemüseangebot entscheidet. Das BLW be­wertet das erweiterte Agrarabkommen als vorteilhaft, denn es erlaubt dem Schweizer Gemüsebau den Zugriff auf den riesigen Sortenpool der EU. Pro Specie Rara befürchtet dagegen die «Ausmerzung» alter Sorten zuguns­ten moderner Hybriden. «Was nützen 1200 Kartoffelsorten, die sich kaum vonein­an­der unterscheiden?», fragt Bartha. Die neue Vielfalt sei nur eine scheinbare: «In Tat und Wahrheit droht eine Verarmung un­se­res Speisezettels.»

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