aktualisiert am 25. Nov 2010 13:55Klimagipfel Cancún
Schutz tropischer Wälder wird konkreter
- Text:
Der Schutz der tropischen Wälder ist am Klimagipfel von Cancún ein grosses Thema. Die Chancen für einen Fortschritt stehen gut: Die Industrieländer wollen in Zukunft Geld zahlen, damit die Tropenländer ihre Wälder besser schützen.
An der Klimakonferenz in Cancún diskutieren kommende Woche über 190 Staaten, wie die Treibhausgasemission global reduziert werden können. Dabei rückt das Thema Waldschutz immer stärker in den Fokus – denn laut einer Studie von 2009 entstehen 18 Prozent aller Treibhausgasemissionen durch die Rodung von Wäldern. Zudem sind der Waldschutz oder die Aufforstung viel kostengünstiger als die meisten anderen Klimaschutz-Massnahmen.
So kommt es, dass der Schutz der Wälder zu den wenigen Themen zählt, bei denen man sich am Klimagipfel in Cancún konkrete Fortschritte erhofft. Denn mehrere Länder wie etwa Norwegen haben bereits beschlossen, selber aktiv zu werden – auch wenn die anderen Länder nicht mitziehen. Schon 2007 an der Uno-Klimakonferenz auf Bali hatte Norwegen sich bereit erklärt, jährlich bis zu einer halben Milliarde Dollar für den Kampf gegen die Entwaldung in Entwicklungsländern bereitzustellen. Im Frühjahr 2010 lancierte das Land dann gemeinsam mit Frankreich den sogenannten Paris-Oslo-Prozess. Und im Mai folgte in Oslo eine grosse Konferenz zum Thema REDD+.
REDD+ ist die Abkürzung für ein Programm namens «Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation in Developing Countries» im Rahmen der Klimakonvention. Wie der Name besagt, geht es dabei um die Reduktion der Emissionen aus Abholzungen und der Degeneration von Wäldern in Entwicklungsländern. Konkret sollen die Industrieländer den Drittweltstaaten Geld zahlen, damit letztere in ihren tropischen Wäldern die Abholzung und Degeneration nachprüfbar stoppen. Um die Rahmenbedingungen für solche Walderhaltungsverträge zu entwickeln, wurde an der Konferenz in Oslo eine REDD+-Partnerschaft aus der Taufe gehoben. Inzwischen gehören ihr 70 Länder an, darunter die Schweiz, und für die Jahre 2010 bis 2012 haben die Länder bereits finanzielle Zusagen von über 4 Milliarden Dollar gemacht.
In Oslo unterzeichneten Norwegen und Indonesien zudem eine gemeinsame Absichtserklärung, in der Oslo Jakarta eine Milliarde Dollar in Aussicht stellte, um damit die Emissionen aus Abholzungen und Walddegeneration zu reduzieren. Dafür will Indonesien während zweier Jahre auf die Vergabe neuer Lizenzen für die Umnutzung von Torfwäldern und natürlichen Wäldern verzichten. Dieser bilaterale Handel, der im August mit einer norwegischen Zahlung von 30 Millionen Dollar eingeläutet wurde, soll den Aufbau von Schutzprojekten und die Etablierung eines Kontrollsystems vorantreiben.
Zwar mangelte es nicht an Kritik an dem Vertrag. So wird kritisiert, dass die Milliarde für das Erdölförderland Norwegen nur ein kleiner Betrag sei. Auch sei denkbar, dass das zweijährige Abholzungs-Moratorium einzig dazu führe, dass der Wald später einfach noch intensiver abgeholzt werde. Vor allem aber bemängeln die Kritiker, dass die einheimische Bevölkerung nicht mitreden kann. Arme Bevölkerungsgruppen, die den Wald roden, um Land zu gewinnen, sind ein wichtiger Treiber der Entwaldung. Soll das Unterfangen zu einem Erfolg werden, müsste laut Experten zudem die weit verbreitete Korruption, von der kommerzielle Holzhändler profitieren, unter Kontrolle gebracht werden.
Trotzdem herrscht Einigkeit, dass ein besserer Waldschutz klimapolitisch eine grosse Chance darstellen würde. Ob es in Cancún bereits gelingt, REDD+ im Rahmen der Uno-Klimaverträge auf eine breite internationale Basis zu stellen, ist dagegen noch ungewiss. Noch gibt es viele Fragen zur Verifizierung, Dauerhaftigkeit und Anrechenbarkeit der Emissionsverminderung zu beantworten, sowie Bedenken, dass REDD+ zu einer Art billigem Weg für die Industrieländer zur Erfüllung ihrer Reduktionsauflagen werden könnte. Um dies zu verhindern, gilt es jetzt, das Programm REDD+ zielgerichtet in die zukünftigen Klimaschutz-Verträge einzubetten.
- Klimagifpel von A bis Z: Welche Ziele werden bei den Klimaverhandlungen in Cancún verfolgt? Wer spielt welche Rolle? Ein Glossar rund um Cancún, damit Sie im Bilde sind: zum Glossar
- Weltklimakonferenz Cancún: www.cc2010.mx
- Auch der ETH-Klimablog widmet sich dieser wichtigen Konferenz und bietet Wissenschaft aus erster Hand: Professoren, Gäste und Studierende analysieren die Ausgangslage aus verschiedenen Blickwinkeln, berichten über Aktualitäten und kommentieren die Konferenz: ETH-Klimablog
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aktualisiert am 25. Nov 2010 13:55Klimagipfel Cancún
Schutz tropischer Wälder wird konkreter
Der Schutz der tropischen Wälder ist am Klimagipfel von Cancún ein grosses Thema. Die Chancen für einen Fortschritt stehen gut: Die Industrieländer wollen in Zukunft Geld zahlen, damit die Tropenländer ihre Wälder besser schützen.
An der Klimakonferenz in Cancún diskutieren kommende Woche über 190 Staaten, wie die Treibhausgasemission global reduziert werden können. Dabei rückt das Thema Waldschutz immer stärker in den Fokus – denn laut einer Studie von 2009 entstehen 18 Prozent aller Treibhausgasemissionen durch die Rodung von Wäldern. Zudem sind der Waldschutz oder die Aufforstung viel kostengünstiger als die meisten anderen Klimaschutz-Massnahmen.
So kommt es, dass der Schutz der Wälder zu den wenigen Themen zählt, bei denen man sich am Klimagipfel in Cancún konkrete Fortschritte erhofft. Denn mehrere Länder wie etwa Norwegen haben bereits beschlossen, selber aktiv zu werden – auch wenn die anderen Länder nicht mitziehen. Schon 2007 an der Uno-Klimakonferenz auf Bali hatte Norwegen sich bereit erklärt, jährlich bis zu einer halben Milliarde Dollar für den Kampf gegen die Entwaldung in Entwicklungsländern bereitzustellen. Im Frühjahr 2010 lancierte das Land dann gemeinsam mit Frankreich den sogenannten Paris-Oslo-Prozess. Und im Mai folgte in Oslo eine grosse Konferenz zum Thema REDD+.
REDD+ ist die Abkürzung für ein Programm namens «Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation in Developing Countries» im Rahmen der Klimakonvention. Wie der Name besagt, geht es dabei um die Reduktion der Emissionen aus Abholzungen und der Degeneration von Wäldern in Entwicklungsländern. Konkret sollen die Industrieländer den Drittweltstaaten Geld zahlen, damit letztere in ihren tropischen Wäldern die Abholzung und Degeneration nachprüfbar stoppen. Um die Rahmenbedingungen für solche Walderhaltungsverträge zu entwickeln, wurde an der Konferenz in Oslo eine REDD+-Partnerschaft aus der Taufe gehoben. Inzwischen gehören ihr 70 Länder an, darunter die Schweiz, und für die Jahre 2010 bis 2012 haben die Länder bereits finanzielle Zusagen von über 4 Milliarden Dollar gemacht.
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In Oslo unterzeichneten Norwegen und Indonesien zudem eine gemeinsame Absichtserklärung, in der Oslo Jakarta eine Milliarde Dollar in Aussicht stellte, um damit die Emissionen aus Abholzungen und Walddegeneration zu reduzieren. Dafür will Indonesien während zweier Jahre auf die Vergabe neuer Lizenzen für die Umnutzung von Torfwäldern und natürlichen Wäldern verzichten. Dieser bilaterale Handel, der im August mit einer norwegischen Zahlung von 30 Millionen Dollar eingeläutet wurde, soll den Aufbau von Schutzprojekten und die Etablierung eines Kontrollsystems vorantreiben.
Zwar mangelte es nicht an Kritik an dem Vertrag. So wird kritisiert, dass die Milliarde für das Erdölförderland Norwegen nur ein kleiner Betrag sei. Auch sei denkbar, dass das zweijährige Abholzungs-Moratorium einzig dazu führe, dass der Wald später einfach noch intensiver abgeholzt werde. Vor allem aber bemängeln die Kritiker, dass die einheimische Bevölkerung nicht mitreden kann. Arme Bevölkerungsgruppen, die den Wald roden, um Land zu gewinnen, sind ein wichtiger Treiber der Entwaldung. Soll das Unterfangen zu einem Erfolg werden, müsste laut Experten zudem die weit verbreitete Korruption, von der kommerzielle Holzhändler profitieren, unter Kontrolle gebracht werden.
Trotzdem herrscht Einigkeit, dass ein besserer Waldschutz klimapolitisch eine grosse Chance darstellen würde. Ob es in Cancún bereits gelingt, REDD+ im Rahmen der Uno-Klimaverträge auf eine breite internationale Basis zu stellen, ist dagegen noch ungewiss. Noch gibt es viele Fragen zur Verifizierung, Dauerhaftigkeit und Anrechenbarkeit der Emissionsverminderung zu beantworten, sowie Bedenken, dass REDD+ zu einer Art billigem Weg für die Industrieländer zur Erfüllung ihrer Reduktionsauflagen werden könnte. Um dies zu verhindern, gilt es jetzt, das Programm REDD+ zielgerichtet in die zukünftigen Klimaschutz-Verträge einzubetten.
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