Raumplanung Neues Konzept soll die Landschaft retten

Raumplanung: Neues Konzept soll die Landschaft retten

Mit dem neuen «Raumkonzept Schweiz» soll die Zersiedlung gestoppt und die Raumentwicklung besser koordiniert werden. Landschaftsschützer bezweifeln aber, dass das Papier viel bewegen wird.

Die Zersiedelung der Schweiz schreitet beinahe ungebremst voran, Siedlungsräume und Landschaft büssen zunehmend an Qualität ein. Doch in Zukunft soll der beschränkt vorhandene Platz nachhaltiger genutzt werden. Bund, Kantone und Gemeinden haben deshalb gemeinsam ein neues Raumkonzept entwickelt und am 21. Januar der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Ziel des Konzepts ist, «erstmals eine gemeinsame, von Bund, Kantonen und Gemeinden akzeptierte Vorstellung der künftigen räumlichen Entwicklung der Schweiz zu erhalten». Ein zentrales Anliegen sei es, das Denken und Planen in überregionalen Gebieten zu fördern, schreibt das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) in einer Medienmitteilung.

Vor allem die Verkehrs- und Siedlungsentwicklung soll besser koordiniert werden. Dafür wird die Schweiz in zwölf «Handlungsräume» eingeteilt: in vier grossstädtisch geprägte Räume (Zürich, Basel, Bassin Lémanique, Hauptstadtregion Bern), fünf klein- und mittelstädtisch geprägte Gebiete (Luzern, Città Ticino, Jurabogen, Aareland, Nordostschweiz) sowie in drei alpine Handlungsräume (Gotthard, Südwestschweiz und Südostschweiz). Das Raumkonzept skizziert die Herausforderungen für diese Gebiete und führt die notwendigen Stossrichtungen für die räumliche Weiterentwicklung auf.

Die wichtigsten Ziele:

  • Bereits verbaute Gebiete sollen weiter wachsen, bislang unverbaute Gebiete hingegen von einer Zersiedelung verschont bleiben.

  • Bestehende Strassen und Bahntrassen sollen optimal ausgelastet werden, bevor neue Verkehrswege entstehen.

  • Unverbaute, Identität stiftende Landschaften sollen in ihrer Rolle als Räume für die (Nah-)Erholung, die Artenvielfalt und eine multifunktionale Landwirtschaft gestärkt werden.

  • Die Wirtschaftsräume in und rund um die urbanen Zentren sollen gefördert werden.

Die Raumplanung ist von Gesetzes wegen hauptsächlich Sache der Gemeinden und Kantone. Künftig sollen jedoch Bund, Kantone und Gemeinden an einem Strick ziehen – wenn auch weiterhin auf freiwilliger Basis. Raimund Rodewald, Geschäftsführer der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, befürchtet daher, dass das Raumkonzept nicht viel Konkretes bewirken wird. «Ich befürworte das Konzept zwar inhaltlich», sagt er gegenüber BeobachterNatur, «aber die Handlungsempfehlungen genügen nicht, um die Zersiedelung zu stoppen.» Die Schweiz habe angesichts der fortgeschrittenen Verschandelung der Landschaft keine Zeit mehr, sich mit freiwilligen Empfehlungen zu begnügen.

Rodewald bemängelt zudem, dass das Raumkonzept vor allem auf das Städtenetz fokussiert und die ländlichen Räume vernachlässigt. «Es ist schade, dass der Schutz des Kulturlands nicht höher gewichtet wird», so Rodewald.

Auch Marcus Ulber, Raumplanungsexperte bei Pro Natura, ist der Meinung, dass das neue Konzept nicht ausreicht. Das Papier sei zwar grundsätzlich zu begrüssen. Die Frage stelle sich aber, ob die Ziele dann auch umgesetzt würden. «Wenn die Kantone und Gemeinden weiterhin vor allem für sich selber schauen, besteht die Gefahr, dass das Konzept in den Schubladen verschwindet», sagt er. Dasselbe sei mit dem Landschaftskonzept Schweiz passiert. Deshalb hält Ulber grössere Verbindlichkeiten und klarere Gesetze für zwingend notwendig. Hoffnung setzt er dabei vor allem in die Landschaftsinitiative, die derzeit im Parlament behandelt wird. Das Begehren verlangt, dass die Gesamtfläche der Bauzonen während 20 Jahren nicht mehr vergrössert werden darf.

Der Entwurf des Raumkonzepts Schweiz geht nun in eine breite Konsultation und soll später nach einer Überarbeitung auf allen drei Staatsebenen politisch verabschiedet werden.

Weitere Infos

Raumkonzept Schweiz: www.raumkonzept-schweiz.ch

Autor:
  • Stefan Bachmann
Bild:
  • Alexander Jaquemet