Rothirsche Projekt vorerst gescheitert

Rothirsche (Bild: Tognopops uncle)

Der Hirsch, der vor kurzem in den Solothurner Jura übersiedelt worden ist, ist in sein angestammtes Gebiet zurückgewandert. Dabei hat er überraschend zwei eingezäunte Autobahnen überquert.

Dieser Rothirsch will sich partout nicht umsiedeln lassen. Am 21. Januar hatten Wildhüter und Biologen das Tier im Berner Mittelland eingefangen, per Kleinbus über die Autobahn gefahren und darauf im Solothurner Jura wieder freigelassen. Jetzt ist der Hirsch in sein angestammtes Gebiet zurückgekehrt – und hat dabei gleich zwei eingezäunte Autobahnen überquert. Glücklicherweise unfallfrei, wie das Bundesamt für Umwelt (Bafu) in einer Medienmitteilung schreibt.

Doch das Übersiedlungsprojekt des Bafu und der Kantone Bern und Solothurn ist damit ernsthaft in Frage gestellt: «Aus Sicherheitsgründen wird vorläufig auf die Übersiedlung weiterer Tiere verzichtet», so das Bafu.

Ironie der Geschichte: Die Behörden hatten das Projekt gestartet, weil sie davon ausgingen, dass Autobahnen für die Tiere unüberwindliche Hindernisse darstellen. «Die Tiere stauen sich», hatte das Bafu im Januar gemeldet. Der Hirschbestand breite sich aus, werde jedoch durch die A1 blockiert. Daher entschied man sich, rund ein Dutzend Hirsche einzufangen und im Jura wieder freizulassen. Der jetzt zurückgekehrte Stier war der erste, der eingefangen werden konnte.

«Wildbiologen kennen das Verhalten, dass Tiere nach Umsiedlungen zurück in ihr angestammtes Gebiet wandern», kommentiert das Bafu die jüngste Entwicklung. Überraschend sei jedoch, wie der Hirsch mit den Hindernissen der Zivilisation umgehe: «Autobahnzäune oder Siedlungen scheinen ihn nicht grundsätzlich aufzuhalten.» Der Weg des Tiers konnte in den letzten Wochen genau dokumentiert werden, da der Hirschstier ein Senderhalsband trägt.

Ob das Projekt weitergeführt wird, ist offen. Insbesondere muss verhindert werden, dass weitere Hirsche die Autobahn überqueren. «Ein Zusammenstoss mit einem Hirsch führt zu schweren Unfällen», so das Bafu. Gleichzeitig ist auch der Bau einer ersten Wildtierbrücke in Planung.

Text:
  • Stefan Bachmann

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