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30 Jahre SOS Beobachter
Prinzip Hoffnung
Hilfe beruht immer ein Stück weit auf dem Prinzip Hoffnung – das war schon so, als SOS Beobachter vor 30 Jahren gegründet wurde, sagt Stiftungspräsident Toni Wirz.
Beobachter: Die Leser spenden, SOS Beobachter prüft Hilfegesuche, und am Schluss steht in Andi Guillods Beiz ein neuer Kühlschrank. Ist das typisch für SOS Beobachter?
Toni Wirz: Vielleicht nicht unbedingt typisch, aber genau in unserem Sinn. Wir sind ja dafür bekannt, dass wir auch mal unkonventionell helfen. Wer in diesem Fall etwas genauer hinsieht, bemerkt, was wir mit unserer Hilfe bezweckt haben: Der Kühlschrank war genau der Mosaikstein, der Andi Guillod gefehlt hat, um sich selbständig machen zu können. Denn ohne Geld kein Kühlschrank, keine Beiz, keine Aufgabe für ihn.
Beobachter: Edith Schmid dagegen erhielt einen Beitrag an einen Sterbebegleiterkurs. Mehr verdienen wird sie dadurch nicht. Warum diese Hilfe?
Wirz: Auch das mag auf den ersten Blick unkonventionell erscheinen. Aber der Kurs kann ihr helfen, besser Fuss zu fassen, Selbstvertrauen aufzubauen und etwas Nützliches zu tun. Alles sinnvolle Dinge – und trotzdem hätte kaum eine Sozialbehörde dafür bezahlt. Wir helfen Edith Schmid, damit sie auf ihre ganz eigene Art der Gesellschaft etwas zurückgeben kann.
Beobachter: Die beiden Fälle sind derart unterschiedlich gelagert, dass man dahinter kaum ein Hilfskonzept erkennen kann.
Wirz: Doch. Wir wollen genau dort helfen, wo keine andere Institution bereitsteht und die Unterstützung aus unserer Sicht sehr wohl sinnvoll ist. Menschen motivieren, ihnen Perspektiven öffnen, Notsituationen überbrücken – darum geht es uns.
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Beobachter: Bei solcher Hilfe besteht aber keine Garantie auf Erfolg.
Wirz: Hilfe beruht immer ein Stück weit auf dem Prinzip Hoffnung. Um das Risiko zu begrenzen, arbeiten wir eng mit Sozialdiensten und anderen professionellen Hilfsorganisationen zusammen. Das bietet zusätzlich Gewähr, dass unsere Gelder zweckentsprechend verwendet werden. Die Zusammenarbeit hat aber noch einen anderen Sinn: Wir versuchen, andere Organisationen mit ins Boot zu holen und so den Effekt unserer Hilfe zu erhöhen. Vor allem bei grösseren Beiträgen übernehmen wir oft nur einen Teil der Kosten. Wir sind damit auch Wegbereiter: Wenn wir helfen, machen andere auch mit.
Beobachter: Was führte vor 30 Jahren zur Gründung der Stiftung SOS Beobachter?
Wirz: Es begann damit, dass Leserinnen und Leser aufgrund unserer Berichte im Beobachter Geld für arme Leute in Not spendeten. Das war ein Zeichen für die Gründer, für diese Hilfe ein Gefäss zu schaffen, das gewährleistet, dass die Hilfe tatsächlich bei diesen Menschen ankommt. Dieser Grundsatz hat sich seit der Gründung nicht geändert. Verändert hat sich aber die Art der Unterstützung.
Beobachter: Inwiefern?
Wirz: Heute steht nicht mehr unmittelbare Überlebenshilfe im Zentrum. Immer öfter müssen wir Lücken schliessen, die sich aufgrund der Sozialversicherungsgesetzgebung und der immer rigideren Sozialhilfepraxis auftun. Früher war der typische Empfänger ein armer Bergbauer, der seinen Stall sanieren musste. Heute sind es häufig Working Poor, die ohne unsere Unterstützung bei der Sozialhilfe landen würden.
Beobachter: Warum hat die Zahl der Gesuche kontinuierlich zugenommen?
Wirz: Das ist ein klares Indiz dafür, dass Sozialbehörden immer knausriger agieren und Gesuche um Unterstützung im Rahmen der gesetzlichen Sozialhilfe immer öfter ablehnen. Dann soll eine Stiftung einspringen. Diesen Trend weg vom Grundsatz eines rechtlichen Anspruchs auf Hilfe in Notlagen hin zu privater Hilfetätigkeit bis zum Almosendenken sehen wir mit Sorge. Wenn wir trotzdem in die Lücke springen, tun wir das häufig nur unter der Bedingung, dass die Sozialbehörde die Unterstützung mitträgt und damit mindestens einen Teil der Verantwortung übernimmt.
Beobachter: Und das funktioniert?
Wirz: Ja. Ein Beispiel: Gesuche alleinerziehender Mütter um einen Erholungsurlaub lehnen die Sozialbehörden immer häufiger ab. Da übernehmen wir dann einen Teil der Kosten, sofern sich die zuständige Sozialbehörde angemessen beteiligt. Mit solchen Verhandlungen sorgen wir neben unserer direkten Hilfstätigkeit auch dafür, dass Sozialbehörden ihren Ermessensspielraum wieder mehr zugunsten der Hilfesuchenden nutzen.
© Beobachter Ausgabe 24 vom 24. Nov 2011 - Alle Rechte vorbehalten



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Wie die Stiftung SOS Beobachter Bedürftigen zu neuer Lebensfreude verhilft.