Beobachter-Spendenaktion

Schweizer Solidarität

Text:
  • Urs von Tobel
Bild:
  • Elmo Arnautovic
Ausgabe:
16/06

Die Aktion Friedenstaube brachte 1,2 Millionen Franken für langfristige Hilfe in Golubic.

Ein labiler Friede herrschte vor zehn Jahren in Bosnien-Herzegowina. Die Folgen des Kriegs lasteten schwer auf dem Land: Zehntausende von Toten, Hunderttausende von Flüchtlingen und Vertriebenen, zerstörte Dörfer und Städte. Der Beobachter wollte helfen und lancierte am 29. März 1996 zusammen mit der Caritas Schweiz die Aktion Friedenstaube. Das Dorf Golubic (Täubchen) sollte wiederaufgebaut werden.

Ein Ort aus Ruinen - keines der 170 Häuser, das nicht schwere Beschädigungen aufwies. Die Einwohner hatten im nahen Bihac bei Verwandten und Freunden Unterschlupf gefunden. Konnte da wieder ein lebendiges Dorf entstehen? Peter Amhof, damals Caritas-Projektleiter und heute Chefdelegierter in Bosnien, zweifelte nie am Erfolg. «Der Wiederaufbau ist möglich», sagte er überzeugt, «die Bevölkerung hat seit je ihre Häuser selbst gebaut.»

Aus Sicherheitsgründen beurteilte ein Architekt aus Bihac die Tragfähigkeit der noch bestehenden Mauern und zeichnete die Pläne, im Elektro- und Sanitärbereich halfen spezialisierte Handwerker. Pro Haus sollten zwei Zimmer bewohnbar gemacht werden - das musste fürs Erste reichen. Eine Bedingung stellte die Caritas: Die drei Volksgruppen Kroaten, Bosniaken und Serben mussten zusammenarbeiten. In der ganzen Region Bihac war dies jedoch eine Selbstverständlichkeit.

Auch das Dorf stellte eine Bedingung: Die Primarschule musste wiederaufgebaut werden. Ein gewisses Misstrauen verursachte die Etappierung der Bauarbeiten. Würde das Geld auch für die letzte der drei Bauetappen reichen? Die Leute in Golubic blickten auf Jahre der Entbehrung zurück.

Am Ende vertrauten die Einwohner der Caritas Schweiz, die schon damals in Bosnien einen ausgezeichneten Ruf genoss. Und die Beobachter-Leserinnen und -Leser übertrafen mit ihrer Spendefreudigkeit alle Erwartungen: 1,2 Millionen Franken gingen ein und kamen ohne Abzug dem Wiederaufbau zugute. Die Bauerei begann im Frühling 1996, im Herbst war die erste Etappe unter Dach, ein Jahr später der grösste Teil der Häuser bezugsbereit. Caritas-Mitarbeiter verteilten 22 Kühe sowie Schafe, Ziegen und Hühner. Die Einwohner richteten die Gärten wieder her, so dass ein hoher Grad an Selbstversorgung erreicht wurde. Das Hauptproblem bleibt die Arbeitslosigkeit.

Die Caritas hat ihre Aktivitäten inzwischen nach Ostbosnien und in die Gegend von Sarajevo verlagert, wo sie Beschäftigungsprojekte in der Landwirtschaft vorantreibt. Auf Kreditbasis erhalten Kleinbauern Geld, um auf zehn bis dreissig Aren Land Himbeeren zu pflanzen. «Der Absatz dürfte keine Probleme aufgeben, zudem sind Beerenkulturen arbeitsintensiv und erzielen eine hohe Wertschöpfung», so Peter Amhof von der Caritas.

Die Caritas-Strategie bis zum Jahr 2010 sieht vor, neben Beschäftigungsprogrammen die Zivilgesellschaft zu stärken und benachteiligte Gruppen wie Betagte, Behinderte oder Roma zu fördern. Amhof: «Die Projekte sind längerfristig - wir werden auf absehbare Zeit in Bosnien-Herzegowina bleiben.»

 

© Beobachter Ausgabe 16 vom 02. Aug 2006 - Alle Rechte vorbehalten

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