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Christine Suter
«Das war schon ein Abenteuer»
Die 40-Jährige lebt allein mit ihrer geistig behinderten Tochter. Dank SOS Beobachter sind sie mobiler geworden.
Annina schlägt mit den Händen immer wieder auf den Boden und stösst gepresste Laute aus. Das Gehirn der Siebenjährigen hatte sich im Mutterleib nicht richtig entwickelt. Die Ursache ist unbekannt, der Entwicklungsstand des Mädchens entspricht demjenigen einer Einjährigen. Gleichwohl sagt ihre Mutter Christine Suter: «Ich bin Annina dankbar: Sie hat mich gelehrt, das Leben viel gelassener zu nehmen.» Christine Suter klebt ihrer Tochter das dritte Mal ein Pflaster übers Auge – diese reisst es zum dritten Mal wieder weg. «Das bessere Auge wird abgeklebt, damit die Sehkraft des schwächeren erhalten bleibt», erklärt sie.
Die gelernte Hebamme zeigt unglaublich viel Geduld mit ihrer Tochter. Und sie kann laut herauslachen, wenn sie etwas amüsiert – was auch Annina registriert: «Sie hat viel feinere Sensoren als wir so genannt normalen Menschen.»
Das Pflaster ist endlich auf dem Auge. Annina reibt ihre Wange an der ihrer Mutter: «Das ist mein Lohn, so zeigt sie mir, dass sie mich gern hat.» Christine Suter könnte ihre Tochter in ein Heim geben, wieder als Hebamme arbeiten, in einem Verein mitmachen. Doch sie hat sich für ihre Tochter entschieden: «Ich betrachte es als meine Aufgabe, für sie da zu sein.» Die Alleinerziehende sagt dies ohne Reue, obwohl das Geld nur knapp reicht. Ferien oder ein Auto liegen nicht drin.
Umso wichtiger ist es für Christine Suter, dass ihr Alltag Lebensqualität aufweist. Mit Unterstützung von SOS Beobachter konnte sie ein Rollfiets kaufen, eine Kombination aus Fahrrad und Rollstuhl. «Annina klatscht jeweils in die Hände, lacht und ruft laut, wenn ich sie hineinsetze», sagt die Mutter. Diesen Sommer gings sogar drei Tage lang dem Bodensee entlang: «Das war schon ein Abenteuer.»
© Beobachter Ausgabe 24 vom 24. Nov 2005 - Alle Rechte vorbehalten

