Stichworte
SOS Beobachter
Editorial: Eine gefährliche Liebe, eine brisante Frage
Chefredaktor Ivo Bachmann über den Beobachter-Gerichtstest und die Sommeraktion 2001 von SOS Beobachter.
Artikel zum Thema
Da verfällt ein allseits angesehener Richter den schönen Augen einer attraktiven Juristin – eine verhängnisvolle Liebe. Denn die Umschwärmte dient einem mutmasslichen Mafioso als Anwältin. Und der Richter steht vor Entscheidungen, die der ehrenwerten Gesellschaft weit wichtiger sind als das Glück der beiden Verliebten.
So blickt nun die Schweiz nach Lugano. Denn dort steht Franco Verda, langjähriger Tessiner Strafgerichtspräsident, dieser Tage vor Gericht. Der Sonderstaatsanwalt wirft ihm Bestechlichkeit vor. Es geht um eine hübsche Summe Geld – und um den guten Ruf der Justiz.
Der Fall wirft brisante Fragen auf: Wie unabhängig sind eigentlich unsere Gesetzeshüter? Und wie gut arbeiten unsere Gerichte? Der Beobachter wollte es genau wissen. Zusammen mit über 1100 Anwältinnen und Anwälten lancierte er deshalb das erste umfassende Schweizer Gerichts-Rating.
Ein Rollentausch – nicht zur Freude aller hohen Richterinnen und Richter. Denn in zunehmendem Mass sind sie es ja, die den Medienschaffenden auf die Finger schauen. Entsprechend pikiert fielen einige Kommentare aus. Man habe Wichtigeres zu tun, als auf die Fragen des Beobachters zu antworten, bekamen unsere Reporter etwa zu hören. Oder: «Wir wurden nicht vom Volk gewählt, um uns beliebt zu machen.» Doch solche Reaktionen zeigen nur, wie sinnvoll es ist, wenn auch die Medien die Richter genauer kontrollieren.
Der Beobachter schreibt nicht nur, er handelt und bewegt. Das gilt ganz besonders für unsere Hilfsstiftung SOS Beobachter. Sie konnte seit 1990 beinahe 40 Millionen Franken an Not leidende Menschen in der Schweiz verteilen, unter anderem an viele so genannte Working Poor. Das sind etwa Väter und Mütter, die zwar bis zum Umfallen schuften, deren Einkommen aber trotzdem nicht für den Unterhalt ihrer Familie reicht.
Die Zahl der Working Poor steigt – beschämend für die reiche Schweiz. Ihnen und ihren Familien widmen wir deshalb die diesjährige Sommeraktion von SOS Beobachter. Mit Ihrer Unterstützung, liebe Leserin, lieber Leser, können wir handeln – rasch, unbürokratisch, wirksam. Herzlichen Dank für Ihre Hilfe!
Anzeige:
© Beobachter Ausgabe 13 vom 22. Jun 2001 - Alle Rechte vorbehalten

