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SOS Beobachter
Editorial: Geld oder Leben!
«Unsere finanzielle Hilfe macht Mut in einem harten Alltag mit vielen Entbehrungen.» Chefredaktor Balz Hosang über die Sommeraktion 2002 von SOS Beobachter.
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Über die Hälfte unserer Berggemeinden ist in ihrer Existenz bedroht. Die Wissenschaftler haben die unheimliche Mechanik der Entvölkerung längst erforscht: Erst gehen die Bauernhöfe ein; dann schliesst die Milchgenossenschaft (und mit ihr der Dorfladen), der Käser mit seiner Familie wandert ab. Es folgen der Bäcker, der Pöstler, die Wirtsfrau, der Schreinerlehrling. Und schliesslich stirbt die Schule – und mit ihr die letzte Hoffnung.
Bund und Kantone haben in den vergangenen Jahrzehnten Riesensummen in die Bergregionen investiert. Es wurden Strassen und Turnhallen gebaut, Bergbauern und Kleingewerbler unterstützt. Doch damit wurde die Entvölkerung höchstens gebremst, aber nicht gestoppt. Trotz aller Hilfe ist die Kluft zwischen Berg und Tal, aber auch zwischen Tourismus- und Randregionen weiter gewachsen.
Es braucht Mut, in dieser Situation auszuharren, den Glauben an die Zukunft nicht zu verlieren. Denn eines ist klar: Der Staat kann nicht bei allen Sorgen und Nöten helfen. So sind denn Private, Kirchgemeinden, Hilfswerke gefordert. Das Berggebiet hat schon unzählige Beweise solcher Solidarität erfahren. Diese steten Zeichen der Verbundenheit sind weit mehr wert als der reine Frankenbetrag. (Dass die Unterländer auch in ihrem eigenen Interesse eine Bergflucht verhindern helfen sollten, sei nur in Klammern vermerkt.)
Für die Stiftung SOS Beobachter sind Unterstützungsgesuche aus dem Berggebiet fast Alltag. Wir helfen gern mit, dass das Leben in den Alpen erträglicher wird, warmes Wasser fliesst oder die Ritzen gestopft werden können. Wir tun dies mit dem Geld, das uns von den Leserinnen und Lesern anvertraut worden ist. Dabei ist jeder gespendete Franken ohne den geringsten Abzug ein Hilfefranken. Wie sinnvoll diese Hilfefranken eingesetzt werden, zeigt Ihnen das Beispiel der Familie Roth aus dem Glarnerland.
Wir sind uns bewusst: Angesichts der gewaltigen Probleme vieler Randregionen ist unsere Hilfe bescheiden. Wir stoppen damit die Abwanderung kaum. Und dennoch wirkt die Unterstützung: Sie macht Mut in einem harten Alltag mit vielen Entbehrungen.
«Geld oder Leben!» Das ist für uns keine räuberische Erpressung, sondern eine simple Feststellung: Ohne (Spenden-)Geld gibt es in vielen Bergdörfern bald kein Leben mehr. Deshalb appellieren wir an unsere Leserinnen und Leser: Helfen Sie uns, weiter zu helfen. Wir danken Ihnen für Ihre Grosszügigkeit.
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© Beobachter Ausgabe 12 vom 14. Jun 2002 - Alle Rechte vorbehalten

