Stichworte
Editorial
Beobachter-Leser sind besondere Leute
«Dank der Aktion ist im bosnischen Ruinenfeld ein neues Dorf gebaut worden.»

Artikel zum Thema
Die Klagen ziehen sich über Stammtische und Zeitungsspalten: Unsere Gesellschaft wird immer unsolidarischer, die Menschen gebärden sich trotz ihrem Reichtum stets egoistischer. Aber: Jeden Monat kann unser Hilfswerk SOS Beobachter für etwa eine Viertelmillion Franken Unterstützung an Menschen leisten, die durch alle Maschen des Schweizer Sozialstaats gefallen sind. Diese Direkthilfe im Inland, die der Beobachter seit über 20 Jahren organisiert, wird ermöglicht durch die Spenden unserer Leserinnen und Leser.
Normalerweise konzentriert der Beobachter all seine Aktivitäten auf die Schweiz. Doch als vor gut zehn Jahren der jugoslawische Vielvölkerstaat zerfiel und sich im Balkan der Bürgerkrieg wie ein Flächenbrand ausbreitete, wollte die Redaktion die Augen vor diesem Drama nicht verschliessen. Die mit unbeschreiblicher Grausamkeit geführte Auseinandersetzung brachte Tod, menschliches Elend und Hunger über die ganze Region. Fast endlose Flüchtlingsströme ergossen sich über ganz Europa - allein aus Bosnien kamen rund 30’000 Kriegsopfer in die Schweiz.
Der Beobachter berichtete immer wieder über das Flüchtlingselend im eigenen Land und auch über die unermessliche Not im Kriegsgebiet. Daraus erwuchs die Idee zur Hilfe vor Ort - natürlich mit Unterstützung unserer Leserinnen und Leser.
Mein Kollege Urs von Tobel, der damals das Projekt zum Wiederaufbau des bosnischen Dorfes Golubic mitinitiiert hat, kann nun nach zehn Jahren eine sehr befriedigende Bilanz ziehen (siehe Artikel zum Thema «Die Wiedergeburt eines Dorfes»). In Zusammenarbeit mit dem Schweizer Hilfswerk Caritas ist im bosnischen Ruinenfeld ein neues Dorf gebaut worden - mit Spendengeldern von mehr als einer Million Franken aus der Beobachter-Aktion. Urs von Tobel bringt nicht nur den Dank der Einwohnerinnen und Einwohner aus Golubic zurück. Er ist auch selbst beeindruckt, was aus der einstigen spontanen Idee geworden ist, und stellt fest: «Beobachter-Leserinnen und -Leser sind halt besondere Leute.»
© Beobachter Ausgabe 16 vom 02. Aug 2006 - Alle Rechte vorbehalten

