Gabriel: «Für Ferien reicht das Geld nicht»
Der 20-jährige Gabriel lebt mit seinen vier Geschwistern bei der Mutter. Die Familie ist fürsorgeabhängig.

«Ich bin mit Rechnungen aufgewachsen, die nicht bezahlt werden konnten. Meine Familie lebt von der Sozialhilfe. Meine Mutter wohnt allein mit uns fünf Kindern. Ich bin der Älteste.
Aus Markenkleidern mache ich mir gottlob nicht so viel. Meine Mutter besorgt die Kleider für mich und schaut dabei natürlich auf den Preis.
Es ist wichtig, gute Kollegen zu haben, die auch einmal Geld zusammenlegen, damit ich mit ihnen an eine Technoparty gehen kann. Gerne würde ich mit meiner Clique nach Korsika in die Ferien fahren auf einen Zeltplatz. Doch dafür reicht das Geld nicht.
Zurzeit mache ich eine Anlehre als Schreiner.
Zuvor absolvierte ich das Werkjahr und war dann in einem Programm für arbeitslose Jugendliche. Im Sommer ist die Anlehre fertig. Dann muss ich eine neue Firma finden, in der ich den Lehrabschluss machen kann. Es wäre ein Wunder, wenn ich eine neue Stelle finden würde so viele Leute sind auf Lehrstellensuche.
Nachdem ich den ersten Lohn erhalten hatte, überzog ich gleich das Konto. Ich bin noch immer im Minus. Dabei müsste man doch jeden Monat etwas auf die Seite legen können...
Wenn ich genug Geld hätte, würde ich mir CDs kaufen. Es wäre toll, als DJ zu arbeiten. Vielleicht könnte ich damit sogar Geld verdienen. Denn ich möchte ohne Sozialhilfe leben können. Man wird abgewertet, wenn andere hören, dass man vom Staat abhängig ist.»
© Beobachter Ausgabe 12 vom 09. Jun 2000 - Alle Rechte vorbehalten


