Gebäudeversicherung: Katastrophale Zustände
Ausgerechnet die «Unwetter-Kantone» Wallis und Tessin besitzen keine obligatorische Gebäudeversicherung. Wer bei der Versicherung gespart hat, ist jetzt auf Spenden angewiesen.
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Ein tolles Ergebnis: Über 27 Millionen Franken hat die Glückskette erhalten. Die vom Unwetter betroffenen Personen im Wallis und im Tessin können diese Spenden gut gebrauchen. Denn mehr als die Hälfte der Schäden ist so schätzen Experten nicht versichert. Schon nach dem Unwetter von Brig 1993 blieben Private auf ungedeckten Schäden in der Höhe von 100 Millionen Franken sitzen.
Dennoch: Im Kanton Wallis kann nach wie vor jeder selber entscheiden, ob er sein Haus versichern will. Auch eine kantonale Gebäudeversicherung wurde bisher nicht geschaffen. Das erstaunt: 19 andere Kantone haben eine solche Anstalt. Und zwar nicht erst seit gestern: «Die ältesten Gebäudeversicherungen werden bald 200-jährig», weiss Markus Fischer, Direktor der Gebäudeversicherung Graubünden und Präsident der Vereinigung kantonaler Feuerversicherungen. «Nur in den Gebirgskantonen fand die staatliche Regulierung im Bereich des Privateigentums keine gute Aufnahme.» Es erstaunt daher nicht, dass die Kantone ohne staatliche Gebäudeversicherung mit Ausnahme von Genf in den Alpen oder Voralpen liegen.
Uri hat schnell reagiert
Der Kanton Uri hat nach den schweren Unwettern von 1987 gehandelt: Heute ist jeder Urner verpflichtet, sein Haus wenigstens im Umfang der Hypothekarschuld zu versichern. Im Wallis gab es ähnliche politische Vorstösse ohne Erfolg. Auch die Motion von SP-Grossrat Beat Jost während der letzten Legislaturperiode war chancenlos. Widerstand leisteten vor allem bürgerliche Kreise und die Privatversicherungslobby. Dabei hatte Jost nur Vorarbeiten verlangt: «Es ging darum, einen Bericht zu erstellen, der die kantonalen Systeme analysiert und Grundlagen für eine Lösung im Wallis schafft.» Die Gegner argumentierten, die Privatversicherungen seien nach der Unwetterkatastrophe in Brig äusserst grosszügig gewesen. «Dass Bund, Kanton und Hilfswerke damals ebenfalls erhebliche Mittel zur Verfügung stellten, blieb unerwähnt», kontert Jost.
Obligatorium bringt Vorteile
Zwar sind staatliche Monopole wegen der Staatsverträge mit der EU problematisch. Doch die Versicherungspflicht hat Vorteile: «Ein Obligatorium trägt dem Solidaritätsgedanken Rechnung. Es verhindert, dass sich nur Leute versichern, die in einem Risikogebiet wohnen», sagt Gebhard Kirchgässner, Professor an der Universität St. Gallen. Und das wirke sich schliesslich positiv auf die Prämien aus.
SP-Politiker Jost jedenfalls will noch lange nicht aufgeben: «Ich lasse nicht locker. Wenns sein muss, geben wir eine Studie in Auftrag, damit die Diskussion endlich in Gang kommt.»
© Beobachter Ausgabe 23 vom 10. Nov 2000 - Alle Rechte vorbehalten


