Regula Kossoko

«Ich möchte selber Geld verdienen»

Ausgabe:
12/05

Die dreifache Mutter will keine Sozialhilfe. SOS Beobachter unterstützte sie beim Kauf eines neuen Marktwagens.

Jede Kiste ist 30 Kilogramm schwer, voll gepackt mit asiatischen Kleidern, Tüchern und Schmuck. Seit 15 Jahren fährt Regula Kossoko einmal pro Woche an den Märit nach Bern. Die 40-Jährige liebt das Marktfahren, kann sich nichts Besseres vorstellen: «Da bin ich im Freien, habe Kontakt, bin mein eigener Boss.» Und sie kann die jüngste Tochter Johanna mitnehmen – «das ist an keiner Arbeitsstelle möglich».

Regula Kossoko ist auf den Zustupf angewiesen: «Wir leben am Existenzminimum.» Das Einkommen ihres Mannes, der vollzeitlich als Lagerist arbeitet, reicht nicht für den Unterhalt der fünfköpfigen Familie. Aufs Sozialamt will die kämpferische Frau nicht: «Ich möchte das Geld selber verdienen.»

Bis vor kurzem führte Regula Kossoko einen Stand mit einer Kollegin. Doch sie musste aussteigen. Erstens war der Stand kaum mehr gebrauchstüchtig, zweitens mussten die Frauen die schweren Kisten immer in ein Auto heben und wieder ausladen. «Das schaffte ich kaum mehr», sagt die dreifache Mutter. Seit der Schwangerschaft mit Johanna ist ihre Wirbelsäule lädiert.

Sie setzte alle Hebel in Bewegung, um einen eigenen Marktwagen zahlen zu können. Im Zusammenspiel mit anderen Institutionen wurde sie auch von SOS Beobachter unterstützt. Und brauchte sich deshalb nicht zu verschulden: «Unabhängigkeit ist mir sehr wichtig.» Stolz zeigt sie den knallgelben Anhänger: «Jetzt kann ich die Waren im Wagen lassen und habe erst noch eine grössere Auslagefläche.» An ihrem Glück lässt sie auch andere teilhaben. Einen Teil der Kleider, die sie verkauft, entwirft sie selber. Die Schnittmuster schickt sie einer Schneiderin in Indonesien, die die Gewänder anfertigt: «Damit ermögliche ich dieser Frau ein Auskommen – so ist doppelt geholfen.»

 

© Beobachter Ausgabe 12 vom 09. Jun 2005 - Alle Rechte vorbehalten

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