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SOS Beobachter
Bedürftigen die Hand reichen
Menschen können aus verschiedenen Gründen in eine Notlage geraten. SOS Beobachter hilft ihnen, die schwierige Situation aus eigener Kraft zu bewältigen. Helfen Sie mit durch eine Spende für die Weihnachtsaktion.
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«Mit diesem Schreiben möchte ich mich ganz herzlich für Ihre Unterstützung bedanken. Ich weiss, dass ich ohne Ihre Hilfe die Ausbildung nicht in Angriff genommen hätte.» Manuela Eberle, 30, blickt auf drei kräftezehrende Jahre zurück. Finanziell unterstützt durch SOS Beobachter und andere Institutionen, konnte sich die allein erziehende Mutter zur Primarlehrerin ausbilden. Seit diesem Sommer unterrichtet sie im aargauischen Islisberg – eine ausserordentliche Leistung.
Beispielhaft ist Manuela Eberles Erfolgsgeschichte, weil sie zeigt, wie unbürokratisch und gezielt SOS Beobachter helfen kann. «Wir arbeiten regelmässig mit Behörden, Beratungsstellen und anderen möglichen Geldgebern zusammen», sagt Thomas Schneider, Leiter der Koordinationsstelle von SOS Beobachter. «Dadurch kommen wir rascher zu einer Lösung.»
Zudem steht die Geschichte für die Grundidee von SOS Beobachter: Menschen in einer Notlage finanziell beizustehen, damit sie ihre eigenen Chancen wahrnehmen können. Geld kann immer nur ein Teil der Lösung sein. Damit Menschen ihre Perspektiven wirklich verbessern können, braucht es genauso die Bereitschaft des Betroffenen, die momentane Krise zu überwinden. «Die allermeisten Leute sind hoch motiviert, selber einen grossen Beitrag zu leisten, um ihre Lage zu ändern», sagt Thomas Schneider. «Die viel geschmähten ‹Sozialschmarotzer› sind weit seltener, als einige Kreise behaupten.»
Rund 120'000 mittellose Kinder
Es gibt viele Gründe, weshalb Menschen in eine schwierige Situation geraten: Arbeitslosigkeit, Unfall, Krankheit, Trennung, Scheidung. Da können selbst Auslagen von einigen hundert Franken zur Last werden: die Kosten für den Umzug in eine günstigere Wohnung, das grössere Bett für ein Kind, ein Betriebshelfer auf dem Bauernhof für die Erntezeit. «In vielen Fällen kann durch eine Überbrückung der Gang zur Fürsorge verhindert werden», sagt Schneider. «Den Betroffenen ist so finanziell wie auch psychisch geholfen. Denn das Selbstwertgefühl leidet nicht noch mehr.»
In der Schweiz gibt es rund 300'000 Menschen, deren Lebensbedingungen dauerhaft erschwert sind. In einem von 15 Haushalten mit Kindern reicht der Lohn nicht aus, um die Grundbedürfnisse zu sichern; rund 120'000 Kinder wachsen in mittellosen Verhältnissen auf. Ein Viertel der über 15-Jährigen muss mit weniger als 2450 Franken im Monat auskommen: Davon ist der gesamte Lebensunterhalt zu bestreiten – Steuern und Sozialversicherungskosten nicht eingerechnet.
Am häufigsten von Armut betroffen sind Alleinerziehende, Familien mit drei und mehr Kindern, Angestellte in Verkaufsberufen, Familien in Berggebieten sowie Menschen aus dem Ausland – ein Grossteil davon Frauen und Kinder.
Die Folgen der Mittellosigkeit sind fatal: Einkommensschwache Personen fühlen sich weniger gesund als Besserverdienende. Jede neunte Person mit niedrigem Einkommen verzichtet auf dringend nötige Zahnbehandlungen. Ausserdem leiden viele unter Kontaktmangel und sozialer Isolation: Weil sie sich schämen, kein Geld zu haben, treffen sie sich weniger mit Freunden und Bekannten.
Selbstwertgefühl stärken
Damit aber sinken ihre Chancen für eine bessere Zukunft beträchtlich. «Um eine schwierige Situation zu meistern, braucht es die Unterstützung anderer Menschen», sagt Thomas Schneider. Nur wer in ein soziales Netz eingebunden sei, könne das angeschlagene Selbstwertgefühl stärken und habe genug Kraft, einen Ausweg zu suchen. «Ohne diese Hilfe wird es heikel. Denn häufig führt die finanzielle Not zu körperlichen und psychischen Problemen.»
Davon ist Manuela Eberle zum Glück verschont geblieben. Sie hat dank ihrer Ausbildung und der Anstellung neue Zuversicht gefasst. «Voller Elan starte ich mit meinem Sohn Dario in einen neuen Lebensabschnitt», schreibt sie. «Wir freuen uns auf die Zukunft.»
© Beobachter Ausgabe 24 vom 29. Nov 2002 - Alle Rechte vorbehalten

