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Flüssige Mittel
Sirup zu machen ist für Marlène Stalder wie ein Lebenselixier. SOS Beobachter griff der Jungunternehmerin unter die Arme.
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Die Warnung des Lebensmittelinspektorats war kurz und bündig: «Entweder Sie lassen das Sirupkochen in Ihrer Haushaltküche sein oder Sie ziehen mit Ihrer Produktion in dafür geeignete Räumlichkeiten um.» Als Marlène Stalder Anfang 2000 dieses Schreiben erhielt, war ihr klar, dass sie rasch handeln muss. Denn aufgeben wollte die allein erziehende Mutter nicht: «Mit dem ‹Sirupen› habe ich mich und meine Tochter seit ihrer Geburt durchgebracht. Zudem macht mir diese Arbeit Spass.»
Die heute 47-Jährige nahm die Herausforderung an und beschloss, ihre Sirupproduktion «auf professionellere Beine» zu stellen. Sie hatte Glück: In unmittelbarer Nachbarschaft stiess sie auf werkstattähnliche Kellerräumlichkeiten zu sehr günstigen Konditionen. «Die Räume waren zwar in einem erbärmlichen Zustand, doch für meine Pläne geradezu ideal: Im Raum mit den Oberlichtern wollte ich die Produktion einrichten, in den dunkleren Räumen das Lager.»
Doch die Kosten für die Renovationsarbeiten und die Kücheneinrichtung dämpften ihren Optimismus. Für den Umbau einen Kredit aufzunehmen lag nicht drin. Dieses finanzielle Wagnis wollte die selbstständig Erwerbende nicht eingehen – falls sie überhaupt einen Bankkredit bekommen hätte. Denn wegen einer langwierigen Krankheit lebt Marlène Stalder mit ihrer Tochter seit Jahren auf dem Existenzminimum.
Doch woher die 30'000 Franken nehmen? Abend für Abend habe sie sich hingesetzt und Gesuche an Stiftungen formuliert, Budgets erstellt und Unterstützungsbriefe von Beratungsstellen eingeholt, sagt Marlène Stalder. Ihre Beharrlichkeit hat sich schliesslich ausgezahlt: Dank der Unterstützung verschiedener Institutionen und einem namhaften Betrag von SOS Beobachter konnte die Alleinerziehende die Renovationsarbeiten endlich in Angriff nehmen.
Harte Aufbauarbeit
«Wir verwendeten nur baubiologische Produkte», sagt Stalder. Das hat sich gelohnt: Dank dem Lehmverputz hat sich das Klima in den feuchten Kellerräumen stark verbessert.
Der Aufbau der «Boutique-de-sirop 1001 fleurs» habe ihr in den letzten zwei Jahren «extrem viel abverlangt», meint die Jungunternehmerin rückblickend. «Aber ich habe mir einen Traum verwirklicht. Das macht mich sehr glücklich.» Inzwischen kommt Marlène Stalder sogar ohne Fürsorgegelder aus. «Das war für mich ein Riesenschritt.»
Dennoch überkommen sie manchmal Zweifel. Dann fragt sie sich: «Komme ich über den Winter? Was passiert, wenn es einen Einbruch bei den Bestellungen gibt?» Zurzeit braucht sie sich derlei Sorgen allerdings nicht zu machen, denn ihre Sirupküche ist ein Erfolg. Ihre biologischen Kreationen aus marokkanischer Minze, den Blüten des afrikanischen Rotbuschs, Eisenkraut, Karkade sowie Holunder- und Lindenblüten erfreuen sich steigender Beliebtheit (wer sich dafür interessiert: www.boutique-de-sirop.ch).
Seit kurzem kann Marlène Stalder ihre Sirupe auch an zwei Biogrossverteiler liefern – ein beruhigendes Sicherheitsnetz für die Kleinunternehmerin.
© Beobachter Ausgabe 24 vom 29. Nov 2002 - Alle Rechte vorbehalten

