Tomek: «Ich überlebte ohne Computerspiele»

Ausgabe:
12/00

Der 18-jährige Tomek muss fast den ganzen Lehrlingslohn für den Lebensunterhalt der Familie abgeben.

«Meine Mutter ist Polin, mein Vater Japaner. Die Eltern liessen sich scheiden, als ich zwölf war.

Danach wurde meine Mutter fürsorgeabhängig.

Eigentlich habe ich von den finanziellen Problemen nicht sehr viel mitbekommen. Meine Mutter sagte immer, ihre beiden Söhne sollten es einmal besser haben als sie.

Wenn wir uns etwas wünschten, sagte sie oft: "Das braucht ihr nicht." Meistens hatte sie auch Recht. Man braucht nicht zwei T-Shirts aufs Mal, und ich habe auch ohne Computerspiele überlebt.

Nach Schulabschluss war mir klar, dass ich eine "saubere" Arbeit machen wollte – also eine mit Krawatte. Allerdings dauerte es fast ein Jahr, bis ich eine Stelle fand.

Heute mache ich eine Vorlehre als Verkäufer. Von den 650 Franken Lohn muss ich 550 Franken für den Lebensunterhalt der Familie abgeben. Ich arbeite von 9 bis 12.30 Uhr und von 13.30 bis 18.45 Uhr. Im letzten Winter war es hart: Im Dunkeln zur Arbeit gehen – und im Dunkeln wieder heimkehren.

Wäre das Betriebsklima nicht so super, hätte ich den Bettel längst hingeschmissen.

Ein Partyeintritt kostet mindestens 25 Franken. Drinnen reicht es halt nur noch für Leitungswasser. Ich bin ein Schallplattenfreak und liebe die Stilrichtungen "Detroit", "Drum ’n’ Bass" und "Goa". Doch diese Art Platten kauft man nicht einzeln, sondern gleich im Dutzend. Da gehe ich lieber gar nicht mehr in den Laden. Das tut echt weh.»

© Beobachter Ausgabe 12 vom 09. Jun 2000 - Alle Rechte vorbehalten

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