SOS Beobachter

Wegen Bürokratismus in finanzieller Not

Text:
  • Ursula Binggeli
Ausgabe:
23/99

Ein harter Weg sei es gewesen, bis die Zukunft auf der Türlimatte gesichert gewesen sei, sagt Kurt Luginbühl. Aber: «Man gibt doch nicht das auf, an dem man hängt! Und überhaupt: Wohin hätten wir denn gehen sollen?» Schon Vater und Grossvater waren Pächter auf der Türlimatte. Luginbühl hatte den Hof nach dem frühen Tod des Vaters als 22-Jähriger übernommen. Auf der Türlimatte ist er daheim – zusammen mit seiner Frau Elisabeth, der achtjährigen Manuela und dem sechsjährigen Martin.

 

Die Türlimatte ist ein alter Hof, erbaut vor mehr als 200 Jahren. Verzierungen an der Fassade deuten darauf hin, dass das Gut einmal noblen Herren als Jagdsitz gedient hatte. Entsprechend alt waren auch Stall und Jauchegrube. Als die Verpächter feststellten, dass umfassende Sanierungen – vielleicht sogar ein Stallneubau – nötig wurden, um den Auflagen von Tier- und Gewässerschutz gerecht zu werden, beschlossen sie, die Türlimatte zu verkaufen. Das war 1994.

 

Der Preis für den Hof war zu hoch
Für Kurt Luginbühl und seine Familie war das die erste grosse Hürde, die es zu überwinden galt. Woher das Geld nehmen, um die Türlimatte kaufen zu können?

 

Die vom Regierungsstatthalter festgesetzte obere Limite für den Kaufpreis erlaubte den Verpächtern, eine stattliche Summe zu verlangen. Allerdings waren sie bereit, einen Teil davon als Darlehen auf dem Hof stehen zu lassen. Das ermöglichte es der jungen Pächterfamilie schliesslich, mit Hilfe eines Zustupfs von dritter Seite den Hof zu erwerben.

 

So weit, so gut. Allerdings waren die Schwierigkeiten damit nicht ausgestanden. Im Gegenteil: Als Kurt Luginbühl wegen der anstehenden Renovationsarbeiten ein Subventionsgesuch stellte, bekam er von der zuständigen kantonalen Behörde einen niederschmetternden Bescheid. Nach ihren Massstäben habe er für die Türlimatte einen zu hohen Preis bezahlt, hiess es. Man sei deshalb nicht in der Lage, ihm Hilfe zu gewähren. Möglich sei dies erst wieder nach Ablauf einer gewissen Frist.

 

So lang zu warten war allerdings unmöglich. Die Auflagen von Tier- und Gewässerschutz mussten erfüllt werden: Wenn die Sanierung nicht rechtzeitig durchgeführt werden konnte, drohte der Verlust der Direktzahlungen.

 

Schlaflose Nächte, Zukunftsängste: Kurt Luginbühl und seine Frau wussten nicht mehr, wie es weitergehen sollte. Alle Bittbriefe nützten nichts: Sie waren gefangen in einem Labyrinth einander widersprechender Bestimmungen. Weshalb das eine Amt einen Verkaufspreis festsetzt, der dann vom andern Amt als überrissen bezeichnet wird, konnten sie nicht verstehen. Klar war ihnen nur, dass sie die Leidtragenden waren.

 

Und dann kam schliesslich doch noch die Wende zum Guten: Der Tierschutzbeauftragte verlängerte angesichts der ausweglosen Situation der Luginbühls die Frist für den Stallneubau. Und mit engagierter Hilfe der zuständigen landwirtschaftlichen Beratungsstelle fand Familie Luginbühl Geldgeber für die Sanierung. Diverse Stiftungen ermöglichten der Familie mit Darlehen und Spenden, doch noch innert nützlicher Frist einen neuen Stall samt moderner Jauchegrube zu bauen. Familie Luginbühl kann auf ihrem Hof bleiben. Auch SOS Beobachter hat sich an der Hilfsaktion beteiligt.

 

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© Beobachter Ausgabe 23 vom 12. Nov 1999 - Alle Rechte vorbehalten

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