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SOS Beobachter
Weihnachtsaktion 2000: die Bilanz
Toni Wirz, Beobachter-Redaktor und Stiftungsrat von SOS Beobachter gibt Auskunft zur Weihnachtsaktion 2000.
Beobachter: Toni Wirz, zwei Millionen Franken haben
Spenderinnen und Spender der Weihnachtsaktion 2000 zukommen
lassen. Welches Fazit ziehen Sie?
Toni Wirz: Ich bin sehr zufrieden. Das Sammelergebnis
entspricht in etwa dem Ergebnis des Vorjahres.
Beobachter: Es sind rund 100'000 Franken weniger
gespendet worden.
Wirz: Ja, aber das ist keine gravierende Abweichung.
SOS Beobachter verfügt über ein grosses Vertrauenskapital.
Das ist nicht selbstverständlich, gibt es doch eine Reihe
von Konkurrenzorganisationen. Und wenn man davon ausgeht,
dass der Spendekuchen insgesamt immer etwa gleich gross bleibt,
sind wir sehr dankbar, dass wir immer so viel Vertrauen bei
den Spenderinnen und Spendern geniessen.
Beobachter:
Die Stiftung SOS Beobachter wurde 1972 unter dem Namen Stiftung Weihnachtsaktion gegründet. Sind die Spenden seither stetig gestiegen oder gab es auch enttäuschende Jahre?
Wirz: Wir konnten jahrelang ein gutes Niveau halten. In den letzten paar Jahren zeigt die Kurve der Sammelergebnisse leicht nach unten, aber wie gesagt, dies nicht in einem Ausmasse, das uns zwingen würde, weniger Hilfe zu leisten.
Beobachter: Wie unterscheidet sich SOS Beobachter
von anderen Hilfsorganisationen?
Wirz: Ich denke, der Ruf des Beobachters als Zeitschrift
und Organisation ist unser Vertrauenskapital. Die Spenderinnen
und Spender wissen, dass wir jedes Gesuch prüfen und gründlich
abwägen. Wir setzen auf Nachhaltigkeit und wollen etwas bewirken,
das Bestand hat.
Ein weiterer Grundsatz von SOS Beobachter ist: Jeder Franken
bleibt ein Franken. Wir haben im Unterschied zu anderen Institutionen
das Privileg, dass unser Unternehmen, die Jean Frey AG, die
administrativen Kosten der Stiftung trägt. Dieses Sozialsponsoring
unseres Verlages erlaubt uns, die Spendengelder ungeschmälert
an die Hilfesuchenden weiterzugeben.
Beobachter: Viele Spenderinnen und Spender geben
in ihren Begleitschreiben der Hoffnung Ausdruck, dass ihre
Spende dort verwendet wird, wo sie «dringend benötigt und
direkt eingesetzt wird». Wem leistet die Weihnachtsaktion
Hilfe?
Wirz: Ein Merkmal der Stiftung SOS Beobachter ist,
dass sie in der Zweckbestimmung der Hilfe nicht über enge
Vorgaben verfügt, sondern sehr offen ist. Die Hilfe wird überall
dort geleistet, wo sie nötig ist. Ein Hauptbereich, in dem
wir Hilfe leisten ist die Hilfe an bedürftige Einzelpersonen
und Familien in länger andauernden Notlagen, damit sie nicht
von der Sozialhilfe der Gemeinde abhängig werden.
Beobachter: Nehmen Sie da nicht dem Staat eine Aufgabe ab?
Wirz: Nein, denn wir helfen natürlich nicht dort, wo von Gesetzes
wegen ein Anspruch auf Hilfe von der öffentlichen Hand besteht
– das prüfen wir sehr genau. Aber wir helfen, dass Menschen
nicht in Abhängigkeiten geraten. Eine weiterer Kategorie,
in der wir tätig sind, ist die Gesundheitshilfe. Wir unterstützen
Menschen, die durch Krankheit, Unfall oder Behinderung in
eine Notlage geraten sind, indem wir zum Beispiel spezielle
Therapien, Kuraufenthalte oder Anpassungen an Wohnbauten oder
Fahrzeugen bezahlen, wenn all diese Leistungen nicht von den
Sozialversicherungen abgedeckt sind.
Im Bereich Rechtshilfe helfen wir Menschen, ihre berechtigten
Ansprüche durchzusetzen, indem wir Beiträge an Anwalts- und
Prozesskosten bezahlen.
Kostenmässig nicht so sehr ins Gewicht fallen zur Zeit die
Beiträge an Ausbildungskosten, doch dieser Bereich könnte
in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen, weil sich die
Stipendiensituation in vielen Kantonen verschlechtert hat.
Unterstützung geben wir zudem bei Hofsanierungen etwa in der
Berglandwirtschaft und bei der Sanierung von Gewerbebetrieben.
Grossen Wert legen wir dabei auf Nachhaltigkeit: SOS Beobachter
hilft, wenn er damit Betriebsschliessungen verhindern kann.
Beobachter: Kontrollieren Sie den Einsatz der Hilfsgelder? Wie verhindern Sie Missbräuche?
Wirz: Wir verlangen von allen Personen, die ein Hilfsgesuch stellen, detaillierte Auskunft über ihre finanzielle Lage und über die Verwendung des Geldes. Zudem klären wir das Gesuch über Referenzpersonen ab. Viele Gesuche erhalten wir über Fachstellen, wie zum Beispiel Pro Juventute. Mit verschiedenen Institutionen pflegen wir eine enge und vertraute Zusammenarbeit. Das erleichtert uns die Arbeit, weil von Fachstellen eingereichte Gesuche meist gut dokumentiert und überprüft sind.
Beobachter: Die Zahl der Hilfsgesuche hat zugenommen. Wer trifft die Auswahl und wie?
Wirz: SOS Beobachter ist eine gut eingespielte Arbeitsorganisation. Zwei erfahrene Mitarbeiterinnen prüfen die Gesuche und klären ab. Zudem können wir auf die Fachleute in der Redaktion zurückgreifen. Aber das Auswählen bereitet uns tatsächlich Bauchweh. Wir erhalten eine steigende Zahl an Gesuchen, unsere Mittel hingegen sind begrenzt, so dass wir häufiger als früher Gesuche auch ablehnen müssen.
Beobachter: Wie viele Gesuche erhält SOS Beobachter pro Jahr? Wie viele davon werden abgelehnt?
Wirz: Wir haben im letzten Geschäftsjahr rund 2700 Gesuche ganz oder teilweise bewilligt. Abgewiesen werden mussten ungefähr 300 Gesuche.
Beobachter: Können Sie bereits Auskunft geben, wofür die zwei Millionen Franken der Weihnachtsaktion 2000 verwendet werden?
Wirz: Ganz konkrete Angaben kann ich noch nicht machen. Wir werden auf alle Fälle an der bewährten Praxis festhalten und uns bemühen, dort Hilfe zu leisten, wo sie wirklich nötig ist. Unsere unbürokratische Arbeitsweise erlaubt uns zudem, rasch auf neu auftretende Bedürfnisse spezieller Zielgruppen einzugehen.
Beobachter: SOS Beobachter leistet Hilfe mit Geldzahlungen. Erhalten Hilfesuchende auch noch andere Unterstützung – zum Beispiel Beratung, juristischen Beistand usw.?
Wirz: Im Rahmen der Gesuchsbearbeitung und -beurteilung kommt es immer wieder zu beratenden Gesprächen mit Hilfesuchenden am Telefon. Die beiden Mitarbeiterinnen der Stiftung, aber auch die Mitarbeitenden des Beratungszentrums helfen wenn nötig und sinnvoll auch mit ihrem Fachwissen weiter. Zudem kennen wir uns gut aus in der «sozialen Geografie» der Schweiz. So sind wir in der Lage, den Ratsuchenden den Weg zu spezialisierten Fach- und Sozialdiensten und ihren Dienstleistungen aufzuzeigen und zu ebnen.
Beobachter: Gibt es Beispiele von Hilfeleistungen, an die Sie sich persönlich ganz besonders gerne erinnern?
Wirz: Ich habe kürzlich das Gesuch einer alleinerziehenden Mutter aus der Ostschweiz beurteilt, die vorübergehend in eine Notlage geriet und deswegen Sozialhilfe von der Gemeinde in Anspruch nehmen musste. Sie hatte sich danach aus eigener Initiative wieder aufgerappelt und eine Teilzeitstelle angenommen. Obschon sie damit nur knapp über dem Existenzminimum verdiente, kam die Gemeinde sofort mit Rückforderungen. Sie wäre also für Ihre Eigeninitiative bestraft worden. Mit Hilfe eines von unserer Stiftung vermittelten und finanzierten Rechtsanwaltes hat sie sich dagegen gewehrt und vom kantonalen Verwaltungsgericht Recht bekommen. Ein schöner Erfolg, den sie ohne unsere Hilfe nicht hätte erringen können.
© Beobachter Ausgabe 5 vom 02. Mär 2001 - Alle Rechte vorbehalten

