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Weihnachtsaktion 2005
Ein Danke an Sie
Ihre Spende hilft der Stiftung SOS Beobachter, Menschen in Not unbürokratisch zu unterstützen. Die Betroffenen sind für diese Hilfe äusserst dankbar.
Nebenartikel
Wenn Max Leibundgut lacht, lachen seine Augen mit. Dabei hatte der 57-Jährige in der Vergangenheit nicht viel zu lachen. Seit Kindheit plagen ihn Depressionen und Angstattacken. Mehrmals schon versuchte er, aus dem Leben zu scheiden. «Doch hinterher war ich jeweils froh, dass ich gerettet wurde», sagt er bestimmt. «Denn eigentlich lebe ich gern» (siehe Nebenartikel «Diese Arbeit ist für mich Therapie»).
Dass Max Leibundgut wieder lachen kann, hat viel mit seiner Nähmaschine zu tun: «Meine Freude ist riesig», schrieb er der Stiftung SOS Beobachter, die die Maschine finanziert hatte. «Ich will meine Kenntnisse im Nähen laufend erweitern.» Und im persönlichen Gespräch fügt er an: «Ich stehe wieder auf der schönen Seite des Lebens. Darum nähe ich auch immer auf der schönen Seite des Stoffes.»
Das Beispiel steht für eine Entwicklung, die sich rasant verstärkt: Staatliche Sozialstellen sind immer öfter auf private Institutionen angewiesen, um ihren Auftrag zu erfüllen. Zwei bis drei Milliarden Franken im Jahr sind die Leistungen der privaten und kirchlichen Hilfswerke inzwischen wert. Und damit bald so viel wie die drei bis vier Milliarden Franken, die die öffentliche Sozialhilfe jedes Jahr kostet.
«Der Spardruck auf den Staat ist deutlich spürbar, der Rahmen wird immer enger gesteckt», sagt Thomas Schneider, Leiter der Koordinationsstelle von SOS Beobachter. «Je ‹gummiger› einzelne Bestimmungen formuliert sind, desto eher werden sie gegen die Hilfesuchenden ausgelegt.»
Schneider schildert das Beispiel einer 74-jährigen Frau, die hörgeschädigt ist und in sehr bescheidenen Verhältnissen lebt. «Aufgrund einer ärztlichen Expertise sollte die Rentnerin zwei neue Hörgeräte erhalten. Doch die AHV/IV zahlte nur eines und deckt die laufenden Kosten lediglich zu drei Vierteln – selbst mit den Ergänzungsleistungen blieb ein Restbetrag.» Diesen übernahm SOS Beobachter.
In anderen Fällen kann es schon genügen, etwas Druck zu machen. Als sich ein Vater von drei Kindern, der durch körperliche und psychische Probleme in Not geraten war, ans Sozialamt wandte, hiess es kurz und bündig: «Keine Zeit, rufen Sie nächste Woche wieder an.» Darauf kontaktierte Schneider die zuständige Sozialarbeiterin und konnte die Situation klären. Der Betroffene erhielt noch am gleichen Tag einen Beratungstermin.
Am Druck auf die staatlichen Sozialnetze wird sich in absehbarer Zeit nichts ändern: Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich weiter. Aufgrund von aktuellen Studien und Daten kommt Carlo Knöpfel von Caritas Schweiz zum Schluss: «Rund 14 Prozent der Bevölkerung, also jede siebte Person, können ihre Existenz nicht allein durch das aktuelle oder ehemalige Erwerbseinkommen finanzieren – und sind deshalb auf materielle Hilfe durch den Sozialstaat angewiesen.» Besonders gefährdet sind Familien: Laut Familienbericht 2004 der Bundesämter für Sozialversicherung und Statistik lebt jede fünfte Familie mit zwei und mehr Kindern in Armut – bei den Alleinerziehenden ist es sogar jede vierte. Und die Zahl der Hilfesuchenden nimmt Jahr für Jahr um gut zehn Prozent zu.
Beispiel: Familie Zingg (Name geändert) muss Tag für Tag ums Überleben kämpfen. Die Zahnarztkosten der Kinder überstiegen das Haushaltbudget bei weitem: «Zu erfahren, dass es Organisationen gibt, die bereit sind zu helfen und sich solidarisch zeigen, tut gut», schrieben die Eltern an SOS Beobachter. «Unsere Dankbarkeit gilt natürlich auch allen Spenderinnen und Spendern, die Ihre Stiftung unterstützen.»
Noch vor einigen Jahren hätte die Chance bestanden, dass die Sozialhilfe für die Kosten aufgekommen wäre. Heute lautet die oberste Maxime der Gemeinden: die Eigenständigkeit der Hilfesuchenden fördern. Im Klartext bedeutet dies, «dass wir alles fern halten, was nicht absolut existenziell ist» – sagt ein leitender Angestellter des Sozialdienstes einer grösseren Stadt. Thomas Schneider erlebt diese Haltung noch ausgeprägter: «Wir müssen vermehrt auch Beiträge an den Lebensunterhalt zahlen. Entweder behauptet das Sozialamt, sparen zu müssen, oder es bestreitet die Unterstützungspflicht rundweg.»
Kein Netzwerk gegen Armut
So eng die Kooperation zwischen staatlichen, privaten und kirchlichen Institutionen sein kann, so gut ist auch die Koordination – müsste man meinen. Doch dem ist nicht so. Anfang November veröffentlichte Caritas Zürich den Bericht «Weniger Familienarmut durch bessere Zusammenarbeit?». Die wichtigsten Befunde:
- Drei Viertel der befragten Fachstellen haben nicht das Gefühl, in ein Netzwerk eingebunden zu sein, und pflegen mit anderen Organisationen bloss vereinzelt Kontakte.
- Nur 3 von 34 Stellen führten in Sachen Familienarmut gemeinsam Projekte durch. Anderseits glaubten ebenfalls nur 3 Stellen, dass sie allein besser oder gleich gut arbeiten könnten.
- Die Frage, ob sich Armut durch gute Zusammenarbeit effizienter bekämpfen lässt, wird grundsätzlich bejaht.
Für Guido Biberstein, Direktor von Caritas Zürich, hat der Bericht «leider bestätigt, was wir vermutet haben, weil wir es im Alltag oft erleben». Dabei wäre mehr Koordination «superdringend». SOS-Beobachter-Koordinator Schneider kann dies nur unterstützen. Immerhin kennt er einige Fälle, bei denen es optimal gelaufen ist.
Die Stiftung als Gütesiegel
So bei einer allein erziehenden Mutter eines neunjährigen Mädchens, die Französischkurse anbieten wollte, um die Abhängigkeit von der Sozialhilfe zu mindern. Weil sie dafür einen letzten Schliff in Deutsch brauchte, teilten sich die Mutter, das Sozialamt und SOS Beobachter die Kosten. «Solche nachhaltigen Lösungen sind aber immer noch die Ausnahme», weiss Schneider. Gerade die berufliche Integration scheitere oft am Kompetenzgerangel zwischen Sozialhilfe, Arbeitslosen- und Invalidenversicherung. «Dabei bräuchte es in vielen Fällen nur wenig für eine Erfolg versprechende Perspektive.»
Auf der anderen Seite wirkt SOS Beobachter mehr und mehr als Referenz und Gütesiegel: Befürwortet die Stiftung ein Gesuch, leisten auch andere Organisationen einen Beitrag. Denn häufig gelangen die Hilfesuchenden an mehrere Institutionen – vor allem wenn es um grössere Beträge geht. Oder um Tabuthemen. So schrieb die Leitung eines Frauenhauses dem Beobachter: «Das unbürokratische Engagement von SOS Beobachter für Frauen, die Gewalt in der Partnerschaft erlitten haben, ist für unsere Beratungsstelle äusserst wertvoll. Sie helfen uns, die Arbeit weiterhin professionell und motiviert fortzuführen – besten Dank.»
SOS Beobachter: So können Sie helfen
- Verwenden Sie einen neutralen Einzahlungsschein oder veranlassen Sie eine Überweisung auf folgendes Konto: Stiftung SOS Beobachter, Postkonto 80-70-2.
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© Beobachter Ausgabe 24 vom 24. Nov 2005 - Alle Rechte vorbehalten

