Ansichtssache
Auf den Brettern, die die Umweltverschmutzung bedeuten
Beim Umweltschutz haben Snowboarder ein Brett vor dem Kopf.

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Es ist Zeit für Freudensprünge. Der Winter ist unterwegs. Weil der Sommer sich dieses Jahr besonders viel Zeit genommen hat, halfen unsere Snowboarder etwas nach. Sie starteten ihre Saison im bekannten Wintersportort Zürich mit der Freestyle.ch, gleich neben den letzten Segelschiffen und vor den grünen Hängen des noblen Zürichbergs. Den Schnee liessen sie sich kunstvoll auf die Schanze blasen. Ein Vorgeschmack auf den Wintersport in Zeiten der Klimaerwärmung: grüne Gebirgsdörfer mit schneekanonisierten Pisten.
Die Freestyle-Schanze stand auf der Landiwiese am Mythenquai. Dort wurden vor über 60 Jahren die Mythen um den Landigeist erfunden, die seither so wortreich konserviert und zelebriert werden.
Eine Aufbruchstimmung war das damals fast so wie heute bei den unablässig umherreisenden Snowboardern. Kurz danach donnerten dann in Europa die Kanonen. Heute tun dies hierzulande glücklicherweise nur noch die Schneekanonen.
Ältere Schneebeobachter übersetzen und wundern sich: Snowboard heisst Schneebrett. Als der Schnee noch aus allen Wolken und nicht aus der Kanone fiel, war ein Schneebrett eine Art Lawine und kein Grund für Luftsprünge höchstens, um sich in Sicherheit zu bringen. In der heutigen Lawine von Trendsportarten brauchts, wenn die Natur versagt, Kunststoff aus den Düsen unter dem Kunststoff an den Füssen.
Bei den kunstvollen Sprüngen und Verrenkungen der Freestyler werden die Boards unter den Füssen je nach Kameraposition zu Brettern vor dem Kopf. Das erinnert an die Debatten vor den Parlamentswahlen, als es mit Verrenkungen und Brettern vor dem Kopf um die Umwelt ging. Da tönte es, Ökologie sei Hysterie siehe Waldsterben. Das habe ja bekanntlich nicht stattgefunden.
Heute predigen statt der Apostel des ungebremsten Umweltschutzes jene des ungebremsten Umweltschmutzes. Nur haben die vergessen, weshalb das Waldsterben ausgeblieben ist. Ob man damals ohne Hysterie tatsächlich etwas unternommen und beispielsweise dafür gesorgt hätte, dass sich das Wort Katalysator aus einem Fachbegriff für Chemiker in ein Modewort für Umweltbewusste und schliesslich zur Selbstverständlichkeit entwickelte?
So lehrt uns die Historie, dass man aus Hysterie manchmal doch etwas lernt. Und jetzt soll trotzdem beim Umweltschutz gespart werden die Schneekanonen sind ja teuer genug.
© Beobachter Ausgabe 21 vom 15. Okt 2003 - Alle Rechte vorbehalten








